Feuerwehr

Feuerwehrchef Donner geht in Pension und möchte zur Uni

Wittens Feuerwehrchef Hans-Joachim Donner (li.) mit seinem Nachfolger und bisherigen Stellvertreter Mario Rosenkranz. Am Freitag (30.11.) wird Donner von seinen Kollegen in der Feuerwache an der Dortmunder Straße feierlich verabschiedet.Foto:Bastian Haumann/Funke Foto Services

Wittens Feuerwehrchef Hans-Joachim Donner (li.) mit seinem Nachfolger und bisherigen Stellvertreter Mario Rosenkranz. Am Freitag (30.11.) wird Donner von seinen Kollegen in der Feuerwache an der Dortmunder Straße feierlich verabschiedet.Foto:Bastian Haumann/Funke Foto Services

Witten.   Nach 30 Jahren geht Feuerwehrchef Hans-Joachim Donner in Pension. Der 61-Jährige im Interview zu Zukunftsplänen und Kindern, die er nie vergisst.

Als er am 1. Dezember 1988 Chef der Wittener Berufsfeuerwehr wurde, war Hans-Joachim Donner mit 31 Jahren der jüngste Mann in einer solchen Position bundesweit. „Dass ich den Job damals bekam, hätte ich übrigens nicht gedacht“, erzählt Donner schmunzelnd. Der Diplom-Ingenieur für Sicherheitstechnik hatte gerade ein zweijähriges Brandreferendariat bei großen Feuerwehren in Deutschland absolviert, darunter Berlin und München, aber als Berufsanfänger keinerlei Führungserfahrung. Der Wuppertaler bekam trotzdem den Zuschlag – und blieb Witten beruflich 30 Jahre lang treu. An diesem Freitag (30.11.) wird der 61-Jährige feierlich von seinen Kollegen auf der Hauptwache an der Dortmunder Straße verabschiedet. Donners Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter, Mario Rosenkranz (51), der seit 2015 auch stellvertretender Kreisbrandmeister ist.


Was macht ein Feuerwehrchef eigentlich, Herr Donner? Bei Löscheinsätzen sieht man ihn in der Regel nicht. Es sei denn, es sind spektakuläre Feuer – wie der Brand des Weichenwerks der Bahn (2015) oder die Brände beim Unternehmen Pelzer (2015/2017).
Donner: Ich war das letzte Mal bei Pelzer draußen im Einsatz. Es ist nicht die Aufgabe eines Feuerwehrchefs, Brände zu löschen. Ich habe eine Managementfunktion. Man kümmert sich um die Organisation, die Technik, das Personal, die Finanzen – kurzum um die Rahmenbedingungen, damit die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren in Witten ihre Arbeit machen können. (lacht) Und ganz wichtig: Der Laden muss auch laufen, wenn der Chef nicht da ist.


Das ganze Dachgeschoss flog in die Luft

Welche Einsätze während der vergangenen 30 Jahre werden Sie nie vergessen?
Es sind nicht die Feuer bei Pelzer und beim Weichenwerk. So etwas sind große logistische Aufgaben. Was man nicht mehr vergisst, sind Einsätze, bei denen Menschen zu Schaden gekommen sind. Am 10. Dezember 1990 sind wir in die Galenstraße gerufen worden, wo eine Wohnung im Dachgeschoss brannte. Als unsere Leute vor Ort waren, flog das ganze Dachgeschoss in die Luft – eine Gasexplosion. Dabei wurden neun Feuerwehrmänner verletzt, sie erlitten Verbrennungen. Ein zweiter Einsatz: 1999 gab es ein Feuer in einer Erdgeschosswohnung am Crengeldanz. Hierbei sind zwei Kinder zu Tode gekommen. Solche Bilder bekommt man nicht mehr aus dem Kopf. Da fährt man weinend nach Hause. Einsatzleiter der Feuerwehr war damals Ulrich Gehrke.

Die Wittener Berufsfeuerwehr ist ein 100-köpfiges Team, außerdem gibt es in der Stadt noch 350 ehrenamtliche Feuerwehrleute. Sie sagen, es müssten noch 70 Ehrenamtliche mehr sein. Warum?

Ohne den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr wäre der Brandschutz in Witten überhaupt nicht aufrechtzuerhalten. Ein Problem sind die Tageseinsätze. Wenn wir da fünf Ehrenamtliche zum Einsatz rufen, kommt einer in der dafür notwendigen Zeit. Die Leute sind berufstätig, viele sind da sehr eingespannt, viele pendeln zur Arbeit. Da kann nicht jemand für einen Löscheinsatz mal eben von Dortmund nach Witten fahren. Die Freiwillige Feuerwehr Altstadt zum Beispiel hat über 200 Einsätze im Jahr. Das ist nicht wenig. Deshalb würden wir uns über noch mehr ehrenamtliche Feuerwehrleute freuen. Zu unserer Berufsfeuerwehr gehören übrigens auch zwei Frauen. Im nächsten Jahr kommt eine dritte hinzu.


Vielleicht die Berufsfeuerwehrleute von morgen: Beim Sommerfest der Freiwilligen Feuerwehr, Löscheinheit Heven, im Juni zeigte die Jugendfeuerwehr einen einstudierten „Löscheinsatz“. Wie man sieht, machte die „Übung“ den Beteiligten Spaß. Foto: Manfred Sander Ihre Ehrenamtlichen kommen überwiegend aus den Jugendfeuerwehren in der Stadt.
Ja, zu 90 Prozent! Wir kennen da keine Nachwuchsprobleme wie sie andere Städte haben. Wir haben rund 140 junge Leute im Alter zwischen zehn und 18 Jahren in unseren zehn Jugendfeuerwehren. Erfreulich: In den letzten zehn Jahren konnten wir die Mitgliederzahl verdreifachen. Weil es bei uns mehr gibt als die Feuerwehr – nämlich Sport, Spiel, Spannung. Und das spricht sich bei den jungen Leuten herum. Über zehn Prozent der Mitglieder der Jugendfeuerwehren sind heute übrigens Mädchen.


„Die meisten scheitern an der körperlichen Fitness“

Wie sieht es mit dem Nachwuchs bei der Berufsfeuerwehr aus?
Die Bewerberzahlen sinken. Haben wir früher zwischen 400 und 500 Bewerbungen bekommen, waren es im Herbst dieses Jahres nur rund 200. Das macht mir Sorgen. Denn nur geschätzte zehn Prozent der Bewerber bestehen die Aufnahmetests! Die meisten scheitern an der körperlichen Fitness.

Ihr letztes großes Projekt ist die neue Installation von Sirenen in Witten, die Anfang der 90er Jahre für nicht mehr notwendig erachtet und in der Stadt abgeschafft wurden.
Ja, die Menschen sollen, wenn es notwendig ist, wieder über Sirenen gewarnt werden können. Die anderen Städten im EN-Kreis haben ihre alten Sirenen gepflegt oder schon neue angeschafft. Da hinkt Witten um Jahre hinterher. Der neue Aufbau eines Sirenennetzes in der Stadt ist für das kommende Jahr geplant. Die Kosten für die 25 Sirenen werden zwischen 300.000 und 400.000 Euro liegen.

Als die Feuerwehr den Sackträger demolierte

Hans-Joachim Donner mit einer WAZ-Ausgabe vom2. August 1988, in der über seinen Wechsel nach Witten berichtet wurde. Schlagzeile: „Feuerwehr hört bald auf Donner.“ Foto: Bastian Haumann/Funke Foto Services Schon Pläne für den Ruhestand?
Ich lebe ja in Wuppertal-Cronenberg. Dort werde ich am 1. Januar Ausbildungsleiter des 45-köpfigen Heimatlöschzuges. Ich werde mich in unserem Haus betätigen, das muss umgebaut werden. Die Kinder sind nicht mehr da. Und ich würde gerne an der Wuppertaler Uni, an der ich studiert habe, im Fachbereich Sicherheitstechnik Studenten betreuen. Vielleicht halte ich auch Vorlesungen. Das wird man sehen. (lacht) Außerdem werde ich mir einen Trecker zum Schrauben kaufen. Das war schon ein Jungentraum. Wir machen schon lange Urlaub auf einem Bauernhof in Moosbach im Allgäu. Da darf ich immer Trecker fahren!

Gibt es eine Begebenheit aus Ihrer Dienstzeit, die Sie immer schmunzeln lassen wird?
1990 ist der Feuerwehr ein Malheur passiert. Einen Tag vor der Einweihung des Sackträgerbrunnens vor dem Finanzamt, der heutigen Polizeiwache, ist der Säckträger bei einer Umladeaktion mit einem Kranwagen aus einer Hebevorrichtung gefallen. Ein Arm brach ab, auch der Kopf. Mit einem Spezialkleber und Metallstiften wurde der Sackträger wiederhergerichtet.

>>> 2017 RÜCKTE DIE FEUERWEHR ZU 11.800 EINSÄTZEN AUS

Hans-Joachim Donner lebt mit seiner Frau in Wuppertal-Cronenberg, wo er auch aufwuchs. Er hat eine 23-jährige Tochter und einen Sohn (21), der derzeit in Spanien studiert.

Die Wittener Feuerwehr rückte im vergangenen Jahr zu 11.800 Einsätzen aus, davon entfielen 8000 auf den Rettungsdienst. Donner: „2018 werden die Zahlen ähnlich ausfallen.“

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