Coronavirus

Forscher der Uni Witten finden Ansatz für Corona-Therapie

Forscher der Universität Witten/Herdecke haben belegt, dass das Coronavirus zu einer Schädigung der Blutgefäße führt. Dadurch ergeben sich neue Therapieansätze für die Corona-Patienten.

Forscher der Universität Witten/Herdecke haben belegt, dass das Coronavirus zu einer Schädigung der Blutgefäße führt. Dadurch ergeben sich neue Therapieansätze für die Corona-Patienten.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Witten.  Forscher der Uni Witten haben belegt, dass das Coronavirus zu einer Schädigung der Blutgefäße führt. Neue Therapieansätze sind möglich.

Forscher der Universität Witten/Herdecke haben belegt, dass das Coronavirus – im Gegensatz zu Grippeviren – vornehmlich Blutgefäße befällt. Dadurch könnten sich neue Ansätze für die Behandlung von Covid-19 ergeben. Die internationale Studie der Unikliniken Wuppertal, Harvard, Basel, Leuven und Hannover, an der auch Prof. Dr. Hans Michael Kvasnicka, Lehrstuhlinhaber für Pathologie der Universität Witten/Herdecke, beteiligt ist, wurde am Freitag (22.5.) in der renommierten Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

"Bei Covid-19 kommt es zu einer Schädigung der kleinen und kleinsten Blutgefäße", erklärt Kvasnicka. Diese Blutgefäßschädigung führe dazu, dass die Immunzellen, die so genannten T-Zellen, eine Entzündung auslösen, die vergleichbar mit einer starken Abstoßungsreaktion nach einer Organtransplantation ist.

Forscher der Uni Witten belegen Blutgefäßschädigung durch Covid-19

"T-Zellen sind im Körper für die Abwehr von körperfremden Zellen und Partikeln verantwortlich", so der Professor. Im Rahmen einer Organtransplantation müsse man den Patienten so behandeln, dass das neue Organ nicht von den T-Zellen zerstört wird. Bei Covid-19 haben die Forscher nun einen ähnlichen Mechanismus aufzeigen können.

Das Virus befällt die Endothelien, also die Zellen auf der Innenseite der Blutgefäße. Dadurch werden die Zellen in ihrer Funktion gestört und ihre Form verändert sich. Der Blutfluss wird behindert, sodass Organe wie Lunge, Herz, Niere oder Gehirn nicht mehr richtig mit Blut versorgt werden können. Außerdem versuchen die Immunzellen, die mit dem Coronavirus "infizierten" Zellen zu zerstören, ähnlich wie bei einer Abstoßungsreaktion nach einer Organtransplantation.

Weiterhin konnten die Forscher belegen, dass durch die Störung des Blutflusses eine spezielle Form der Blutgefäßneubildung ausgelöst wird. Die T-Zellen versuchen, auch die neugebildeten Endothelien zu zerstören. Dadurch kommt es zu weiteren Entzündungsreaktionen. "Dieser erstmals beschriebene Mechanismus aus Blutgefäßneubildung und Entzündung bei Covid-19 ist für den Schweregrad der Erkrankung verantwortlich und demonstriert, dass ein Lungenversagen dabei maßgeblich auf den Gefäßschaden zurückzuführen ist", so Kvasnicka.

Neue Therapieansätze für Behandlung von COVID-19

Auf Grundlage dieser Forschungsergebnisse ergeben sich neue Therapieansätze für die Corona-Patienten. Eine Veränderung des körpereigenen Abwehrsystems, könnte dabei helfen, die durch die T-Zellen hervorgerufene Entzündung einzudämmen. Diese Form der Therapie wird zum Beispiel auch nach Transplantationen, zur Vermeidung einer Abstoßungsreaktion, angewandt. Kvasnicka: "Bislang hat man so eine Therapie nicht versucht."

>>> SCHON KLEINE SCHÄDEN OFT LEBENSBEDROHLICH

Gerade in der Lunge ist ein intaktes Gefäßsystem wesentlich für die Aufrechterhaltung der Sauerstoffaufnahme. Mehr als 80 Prozent des Lungengewebes besteht aus kleinsten Blutgefäßen.

Bereits kleinste Schädigungen und Einschränkungen des Blutflusses können in kürzester Zeit zu lebensbedrohlichen Konsequenzen führen. Der Verschluss der kleinsten Gefäße durch Blutgerinnsel führe bei viele Patienten zu einem Herz- oder Hirninfarkt sowie zu Nierenschäden, sagt Prof. Hans Michael Kvasnicka.

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