Schneechaos

So erlebten die Wittener Schüler die Rettung per Helikopter

Mit Hubschraubern wurde eine Wittener Schülergruppe aus den Bergen gerettet.

Mit Hubschraubern wurde eine Wittener Schülergruppe aus den Bergen gerettet.

Foto: dpa

Grünau im Almtal/Witten.  Eine Wittener Schülergruppe ist mit Hubschraubern von einer Alm in Österreich ausgeflogen worden. Wir haben mit ihnen über die Rettung geredet.

„Es geht uns hervorragend. Wir fanden das alles gar nicht so abenteuerlich“, sagt Erwin Eßmann, Leiter der Hardenstein-Gesamtschule am Freitagmittag auf Nachfrage ganz entspannt. Dabei haben er, seine Kollegen und eine Schülergruppe gerade eine dramatische Rettungsaktion hinter sich. Mit zwei Helikoptern des österreichischen Bundesheers wurden sie von einer Alm in Grünau ausgeflogen, wo sie wegen der Lawinengefahr in ihrer Hütte festsaßen.

Weil sich das Wetter an diesem Freitag gerade etwas beruhigt hatte, war es überhaupt möglich, die Gruppe aus der Gefahrenzone herauszuholen. Die Bergung mit einer Pistenraupe sei allerdings nicht mehr möglich gewesen. Deshalb haben Hubschrauber jeweils drei bis vier Schüler vom Berg geholt

„Es ist zu keiner Zeit Panik ausgebrochen“, so Schulleiter Eßmann. Im Gegenteil: „Natürlich waren wir aufgeregt, aber es war auch toll, so eine atemberaubende Landschaft aus der Luft zu sehen“, sagt Lina-Marie Kischkat (17) über den Flug, der knapp zwei Minuten dauerte.

Hardenstein-Fahrt hat Tradition

Die Fahrt nach Österreich hat Tradition. Seit 1986 bietet die Hardensteinschule die Skifreizeit für den elften Jahrgang an. All jene Schüler, auch die von außerhalb kommenden, sollen sich hier für die Zeit bis zum Abi kennenlernen. Erwin Eßmann war bisher immer dabei, doch so etwas hat er noch nicht erlebt.

Vor einer Woche hatte die 55-köpfige Gruppe ihr Ziel auf dem Berg erreicht. Eine weiße Idylle. Doch schon bald verschärfte sich die Situation. Der starke Schneefall drohte Bäume umkippen oder gar auf Stromleitungen stürzen zu lassen. Eßmann: „Zeitweise war der Strom weg.“ Nur ein Notstromaggregat habe das Haus versorgt. Mikele Carriero (16) und seine Mitbewohner mussten am letzten Tag sogar das Zimmer räumen, weil wegen der Schneelast auf dem Dach die Decke einzustürzen drohte. „Wir haben aber aus allem das Beste gemacht“, so Eßmann.

Es gab Abendessen bei Kerzenschein

So gab es Abendessen bei Kerzenschein, weil mit Gas gekocht werden konnte und genug Vorräte vorhanden waren. Die Gruppe hat Kicker-Turniere mit Taschenlampen veranstaltet und Gesellschaftsspiele gemacht. „Die gute Laune ging nie verloren.“

Auch die Eltern wurden informiert, per Handy sowie über die Homepage der Schule. Angela Schroll (44) blieb gelassen, als sie hörte, dass Tochter Lily (16) und die anderen im Schnee festsaßen. „Machen die halt mal Abenteuerurlaub.“ Erst als sie erfuhr, dass die Lage immer gefährlicher wurde, setzte Nervosität ein. „Die Ungewissheit in der Nacht auf Freitag war schlimm.“ Als Lily anrief, dass sie in Sicherheit sei, „musste ich mich erst mal setzen, hatte Gänsehaut und habe ein Tränchen verdrückt“.<

Am Freitagmorgen gleich nach der Rettung ging es per Bus wieder zurück nach Witten. Dort wurde die Gruppe gegen 23 Uhr erwartet. Zwar ist keiner zum Skifahren gekommen. Aber, sagt Lina-Marie, „wir haben auf jeden Fall viel zu erzählen“.

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