Ambulanter Hospizdienst

Herzinfarkte, Krebs: Wittener (48) lebt im Seniorenheim

Sind heute Freunde: Carla Seipelt vom Ambulanten Hospizdienst Witten-Hattingen und Wolfgang Constantin, der im Awo-Seniorenheim in Annen lebt.

Sind heute Freunde: Carla Seipelt vom Ambulanten Hospizdienst Witten-Hattingen und Wolfgang Constantin, der im Awo-Seniorenheim in Annen lebt.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Sechs Infarkte, Krebs – ein Schicksal, an dem Menschen zerbrechen können. Wolfgang Constantin kämpft, unterstützt vom Ambulanten Hospizdienst.

Wolfgang Constantin lebt im Awo-Seniorenheim in Annen. Der Mann ist 48, auf den Rollstuhl und die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Denn Wolfgang Constantin ist schwer krank. Sechs Herzinfarkte, die Lungenkrankheit COPD und Lungenkrebs haben aus dem großen, stattlichen Mann einen Pflegefall gemacht. Was ihm sehr viel Halt, Auftrieb und Hoffnung gibt, ist die Begleitung durch den Ambulanten Hospizdienst Witten-Hattingen.

Seit drei Jahren bekommt der Wittener regelmäßig Besuch von Carla Seipelt. Die 79-Jährige hat sich 2013 beim Ambulanten Hospizdienst gemeldet, weil sie anderen Menschen helfen wollte. Die gelernte Friseurmeisterin wollte als Rentnerin etwas Sinnvolles tun. In diesem Ehrenamt kann sie das.

Wie vertraut sie und Wolfgang Constantin mittlerweile sind, merkt man an den Blicken, die sich beide zuwerfen. Auch daran, wie offen der Umgang miteinander ist. Seinen anfänglich langen Bart fand sie nicht schön und konnte ihn davon überzeugen, dass sein Gesicht „bartfrei“ besser aussieht. „Ich habe ihm den Rasierapparat meines verstorbenen Mannes geschenkt.“ Wolfgang Constantin nickt und lächelt.

Ein Defibrillator in der Brust lässt sein Herz im richtigen Takt schlagen

Sie beide verbinde heute eine Freundschaft, sagt Carla Seipelt. „Ich kann mit ihr über Probleme und Sorgen sprechen“, betont der 48-Jährige. Im Seniorenheim ist er der jüngste Bewohner unter 80 Frauen und Männern. Einrichtungsleiterin Monika Pytlik: „Das Durchschnittsalter liegt bei uns bei rund 83 Jahren.“ Keine leichte Situation für den noch recht jungen Wolfgang Constantin, der mit den älteren Heimbewohnern keinen Austausch sucht und sich in sein Zimmer zurückzieht. „Die anderen Menschen hier kommen und gehen. Da bekommt man das Sterben mit. Das möchte ich nicht so gerne“, erklärt er. Und strickt lieber Schals für die Ruhrtalengel in Annen. „Die können die dann verkaufen.“
25 Jahre war der gelernte Maurer berufstätig, bis seine schweren Erkrankungen eine berufliche Tätigkeit nicht mehr zuließen. Heute sorgt ein Defibrillator in Wolfgang Constantins Brust dafür, dass sein Herz im richtigen Takt schlägt. Laufen kann der vierfache Vater, der auch unter der Nervenkrankheit Polyneuropathie leidet, nur wenige Schritte. „Und nur mit Unterstützung.“ Nachts muss der 48-Jährige mit einem Sauerstoffgerät schlafen.

Auch Susanne Gramatke, Geschäftsführerin des Ambulanten Hospizdienstes Witten-Hattingen, kommt nach Annen, um Wolfgang Constantin zu besuchen. Sie bedauert, dass es in der Stadt keine Pflegeeinrichtung für jüngere Menschen gibt. „Es gibt solche Häuser in Dortmund und Herne. Die können aber auch nur sehr wenige Plätze anbieten.“ Was Susanne Gramatke berührt, ist, dass Wolfgang Constantin sie bei ihren Besuchen fragt, wie es ihr denn eigentlich gehe.

Seit 21 Jahren begleiten Ehrenamtliche des Ambulanten Hospizdienstes Witten-Hattingen schwerkranke und sterbende Menschen in Witten. Insgesamt bislang schon über 2000 Frauen und Männer. Rund 70 Ehrenamtliche, die meisten sind Frauen, bieten ambulante Hilfe und Unterstützung an, besuchen die Menschen zuhause, in Seniorenheimen, Kliniken oder Einrichtungen der Behindertenhilfe. Die Ehrenamtlichen nehmen sich auch Zeit für Angehörige schwerkranker und sterbender Menschen, weil auch sie Zuspruch brauchen.

Ein großer Wunsch: ein Ausflug zum Kirchentag nach Dortmund

Wolfgang Constantin konnte der Ambulante Hospizdienst in diesem Jahr einen großen Wunsch erfüllen. „Einen Ausflug zum Evangelischen Kirchentag in Dortmund.“ Carla Seipelt hat ihn dorthin begleitet. „Wir waren in den Westfalenhallen und im Eissportzentrum“, erzählt die 79-Jährige. Und Wolfgang Constantin fügt schmunzelnd hinzu: „Außerdem wurde dort gegrillt. Echt lecker!“

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