Märkisches Museum

Preisträger kommt „Flötmoment“ in Witten auf die Schliche

Preisträger David Rauer baut seine Ausstellung im Märkischen Museum Witten auf. Bei einer Performance sollen sie am Freitagabend zu neuem Leben erweckt werden.

Preisträger David Rauer baut seine Ausstellung im Märkischen Museum Witten auf. Bei einer Performance sollen sie am Freitagabend zu neuem Leben erweckt werden.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  Zwei junge Künstler werden im Märkischen Museum Witten mit dem Preis der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit ausgezeichnet.

Mit einer großen Preisverleihung wird die neue Doppelausstellung des Märkischen Museums am Freitag (11. Oktober) eröffnet. Ausgezeichnet werden Mirjam Wittig und David Rauer mit dem Förderpreis der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit (GWK) – sie im Bereich Literatur, er für die Bildende Kunst. Seine Arbeiten sind dann bis zum 26. Januar in der Ausstellung „Komplexreflex – dem Flötmoment auf der Schliche“ zu sehen.

Der Keramiker will seine Plastiken vom Sockel holen

Ein Flötmoment? Was das ist, bleibt bis zur Vernissage das Geheimnis des 33-Jährigen. Der ausgebildete Keramiker, der in Osnabrück lebt, will seine bunten Plastiken dann buchstäblich von ihrem Sockel holen und zusammenschließen. Wie Organe sollen sich die Keramiken – mal verschlungen wie ein Darm, mal eckig wie ein Baukasten, mal rund wie ein Heizkessel – zu einem neuen Körper zusammensetzen. Ein merkwürdiges, riesiges aufgeblasenes Wesen aus Folie, Schaum und Brötchen, das entfernt an einen Elefanten erinnert, soll bei der Performance zur Eröffnung auch eine Rolle spielen – ebenso wie das Publikum. „Der Kern meiner Arbeit ist, dass Kommunikation entsteht“, erklärt Rauer. Der Zweifel an der Sinnhaftigkeit dürfe und müsse immer mitgedacht werden.

„Einen spannenden Künstler, der sich nicht darum kümmert, ob seine Arbeiten marktkonform sind“, so beschreibt Museumsleiter Christoph Kohl den Preisträger. 78 Künstler hatten sich beworben, Kohl saß mit in der Auswahljury. Die Entscheidung für Rauer sei einstimmig gefallen: „Wir haben keinen Zweifel, dass er eine Zukunft haben wird.“

Autorin Mirjam Wittig wird für ihr Manuskript geehrt

Davon ist GWK-Geschäftsführerin Susanne Schulte auch bei der zweiten Preisträgerin überzeugt. Allerdings sei die Auszeichnung der erst 23-jährigen Mirjam Wittig aus Rheine dennoch ein „sehr mutiger Schritt“: Die Autorin erhält den Preis nämlich für einen Auszug aus ihrem (noch nicht erschienenen) Romanmanuskript „Wie ein Reflex“, in dem sie sich unter anderem mit Fremdenfeindlichkeit auseinandersetzt. Schulte: „Sie entfaltet dabei einen ungeheuren Lesesog, nicht nur durch den Inhalt, sondern auch durch die formale Beherrschung der sprachlichen Mittel.“ Davon können sich die Besucher der Vernissage am Freitag überzeugen. Mirjam Wittig, die übrigens in Witten studiert hat, wird dann aus ihrem Manuskript lesen.

Die GWK-Förderpreise werden in diesem Jahr zum 26. Mal vergeben. Der Preis für Literatur ist mit 5000 Euro dotiert, der im Bereich Bildende Kunst mit 4000 Euro, außerdem werden eine Ausstellung mit 5000 Euro und ein Katalog mit 7000 Euro bezuschusst. „Und wir hoffen immer, dass das nur der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ist“, erklärt Susanne Schulte. Die Künstler – Bildhauer, Autoren oder Musiker – würden nach der Preisvergabe noch jahrelang unterstützt.

Die GWK-Geschäftsführerin freut sich, dass der Preis erstmals in Witten vergeben wird. Das Haus mit Museum und Bibliothek sei dafür quasi wie geschaffen. „Es ist sehr renommiert, hat fantastische Räume und ein sehr gutes Programm auf hohem Niveau.“

Parallel zur Vernissage von Preisträger David Rauer wird auch die Ausstellung „Belgian Thoughts“ eröffnet. In den sechs Wechselausstellungsräumen des Museums werden neun zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler aus Belgien gezeigt. Zu sehen sind unter anderem Werke von Jan Fabre, Berlinde de Bruyckere, Marie-Jo Lafontaine, Panamarenko und Koen Vanmechelen. „Das wollten wir schon lange mal machen – wir schauen ja nicht nur regional und überregional, sondern auch international“, so Museumsleiter Christoph Kohl. Mit dem laufenden Benelux-Jahr des Landes NRW habe man jetzt den idealen Zeitpunkt gefunden. Er ist stolz, Arbeiten namhafter Künstler nach Witten geholt zu haben – etwa die eindrucksvolle Skulptur „V. Eeman“ von Berlinde de Bruyckere und die grün-schillernden Bilder Jan Fabres, die aus tausenden Flügeln von Prachtkäfern gestaltet wurden. Einer der belgischen Künstler wird seine Arbeiten bei der Vernissage selbst vorstellen können: Michael Aerts hat sein Kommen angekündigt.

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