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So läuft der Distanzunterricht in den Schulen in Witten

Seit dem 11. Januar lernen auch in Witten die Schülerinnen und Schüler zu Hause. Eine Umfrage bei den Schulen in Witten zeigt: Der Distanzunterricht läuft technisch weitgehend reibungslos (Symbolbild). 

Seit dem 11. Januar lernen auch in Witten die Schülerinnen und Schüler zu Hause. Eine Umfrage bei den Schulen in Witten zeigt: Der Distanzunterricht läuft technisch weitgehend reibungslos (Symbolbild). 

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Witten.  In Witten sind, anders als anderswo in NRW, kaum Klagen über überlastete Server zu hören. Der Digitalunterricht läuft aber nicht überall gut.

Mit Beginn des Distanzunterrichts im neuen Jahr haben Schulen in NRW über Probleme mit Lernplattformen geklagt. Insbesondere die Programme iServ und Moodle liefen am 11. und 12. Januar nicht rund. An den Wittener Schulen zeigt sich ein anderes Bild.

"Bei uns lief alles recht stabil", berichtet etwa Dirk Gellesch, Schulleiter des Ruhr-Gymnasiums, wo Lehrer und Schüler unter anderem mit Moodle arbeiten. Wenn es Probleme gebe, beträfen die vor allem die heimischen Internet-Verbindungen oder die technische Ausstattung der Schülerinnen und Schüler, so Gellesch. Nicht immer sei für alle Kinder ein Gerät zum Arbeiten da.

Einzelnen Schülern in Witten fehlt die technische Ausstattung für Distanzunterricht

Diesen Eindruck kann Holger Jahnke, Schulleiter der Hardenstein-Gesamtschule in Witten-Herbede, bestätigen. Der Digitalunterricht laufe gut, darauf seien die Kollegen vorbereitet gewesen, aber "wir warten seit Monaten auf die Tablets der Stadt". Geräte, die da sind, würden an Schülerinnen und Schüler herausgegeben. Die Lehrkräfte tauschten untereinander. Ende Januar sollen die ersten iPads in den Schulen verteilt werden. "Aber das bringt mir jetzt auch nichts", so Jahnke.

Dass einzelne Schüler technisch nicht für den Distanzunterricht ausgestattet sind, weiß auch Thilo Prünte, Schüler der zwölften Jahrgangsstufe am Schiller-Gymnasium. Die Betroffenen riefen die Schulaufgaben dann über ihr Handy ab. Aber sie dort bearbeiten? Schwer vorstellbar. "Es ist super, wenn die Tablets von der Stadt kommen", findet auch Prünte.

Dass Lehrerinnen und Lehrer mit der Technik zu kämpfen hätten, ist dem 18-Jährigen nicht bekannt. Bei einigen Lehrern sei man zwar dazu angehalten, in der Videokonferenz die tatsächliche Hand zu heben anstatt der virtuellen. "Teils war ich aber persönlich überrascht, wie gut die Leute mit der Technik umgehen, wo man nicht damit gerechnet hat."

Situation entspannter als im ersten Lockdown

Sorgen bereitet dem Sprecher des Kinder- und Jugendparlaments Witten allerdings das anstehende Abitur. "Das wird echt schwierig", habe er schon im vergangenen Frühjahr gedacht. Und jetzt, wo das Abitur näher rückt? "Es kommt immer mehr ins Bewusstsein: Schaffe ich das?" Sicherlich stelle sich jeder Abiturient dieses Frage - Corona hin oder her - aber durch Pandemie und Distanzunterricht seien es eben doch erschwerte Bedingungen.

Insgesamt empfindet Prünte die Situation aber als entspannter im Vergleich zum ersten Lockdown. "Erstens ist man besser eingespielt, zweitens hat man für sich selbst Techniken entwickelt." Er trifft sich zum Beispiel mit anderen Schülerinnen und Schülern in einer Videokonferenz, um gemeinsam zu lernen. Das motiviere und halte die sozialen Kontakte aufrecht.

Programm für Videokonferenzen bereitet manchmal Probleme

Heiko Miele, Lehrer am Schiller-Gymnasium, beschreibt die Situation in diesem Lockdown auch als müheloser: "Der erste Lockdown hat dazu geführt, dass die Versorgung mit Unterrichtsmaterial jetzt entspannter läuft. Man weiß, dass es funktioniert." Viele Kollegen und Kolleginnen hätten die Zeit vor Weihnachten genutzt, um sich fortzubilden. Mittlerweile sei man "krisenfest", so Mielke.

Auch am Albert-Martmöller-Gymnnasium (AMG) läuft es gut. Schulleiter Johannes Rienäcker berichtet zwar von ein paar Problemen mit dem Programm für Videokonferenzen: "Das System war am ersten Tag überlastet. Aber wir haben nachgerüstet und sind jetzt deutlich breiter aufgestellt."

Videokonferenzen, die sich nicht sofort starten lassen, kennt auch Michael Günzel, Schulleiter der Holzkamp-Gesamtschule. "Natürlich leiden wir darunter, wenn Server überlastet sind", sagt er. Aber im Großen und Ganzen seien die Rückmeldung aus dem Kollegium positiv. "Beim Großteil der Mitarbeiter läuft es klasse."

Distanzlernen in Grundschulen sehr schwierig

Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch bei Realschulen und Berufskollegs in Witten ab. Anders sieht es allerdings bei den sehr jungen Schülerinnen und Schülern aus. Zwar laufe es unter den gegebenen Umständen gut, sagt Grundschulsprecherin Susanne Daum. Aber: "Distanzlernen ist schwierig, wenn Kinder nicht lesen und schreiben können." Auch die technische Ausstattung für digitalen Unterricht sei in den meisten Familien nicht gegeben. "Die Kinder haben nicht alle ein Smartphone zur Verfügung."

Besorgt blickt sich auch in die Zukunft: Die "werden uns noch Jahre beschäftigen. Nicht nur das Inhaltliche, auch das Soziale." Schon jetzt nehme sie Veränderungen bei einigen Kindern wahr. Weniger Selbstvertrauen, mehr Egoismus. Auswirkungen der Pandemie, an der wohl auch eine bessere technische Ausstattung nichts ändern kann.

>>> INFO: An anderen Schulen in NRW gab es Montag und Dienstag technische Probleme

Am Montag ist die Schule in NRW ins Jahr 2021 gestartet, allerdings auf Distanz. Bis mindestens Ende Januar ist der Präsenzunterricht coronabedingt ausgesetzt. Schulen bieten lediglich eine Notbetreuung für Berufstätige an.

Nachdem es schon am ersten Homeschooling-Tag bei vielen digitalen Plattformen klemmte, häuften sich am Dienstagmorgen wieder die Fehlermeldungen. Im Netz gab es vor allem Beschwerden über iServ, aber auch bei Moodle gab es wieder Probleme. Rund 4000 iServ-Fehler-Meldungen waren zwischen 8 und 10 Uhr bei netzwelt.de eingegangen. Die meisten User konnten sich nicht einloggen.

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