Verkehr

Witten: Herbeder fürchten Desaster bei Brücken-Vollsperrung

Drei Brücken überqueren die Ruhr bei Witten im Bereich zwischen Heven und Herbede. Geplant ist der Abriss der mittleren Brücke. Im Hintergrund ist die Autobahnbrücke zu sehen, vorne die Lakebrücke.

Drei Brücken überqueren die Ruhr bei Witten im Bereich zwischen Heven und Herbede. Geplant ist der Abriss der mittleren Brücke. Im Hintergrund ist die Autobahnbrücke zu sehen, vorne die Lakebrücke.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Witten.  Der Neubau der Herbeder Ruhrbrücke könnte die Verbindung nach Witten für Jahre kappen. Geschäftsleute, Ärzte und Eltern fürchten das Schlimmste.

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Die Menschen in Herbede machen sich große Sorgen: „Wenn wir vier Jahre komplett von Witten abgeschnitten sind, dann ist der Stadtteil tot“, lautet Jörg Rumbergs Prognose. Der Vertreter der Werbegemeinschaft beschreibt deutlich die Auswirkungen, die eine Vollsperrung der Wittener Straße bei Abriss und Neubau der dreiteiligen Ruhrbrücke aus seiner Sicht haben wird. Nach der Veranstaltung im Josefshaus zum Stand der Planungen gab es zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer.

Thomas Schittkowski, Projektleiter beim Landesbetrieb Straßen.NRW, hat sich an diesem Nikolausvorabend in die Höhle des Löwen begeben, um rund 50 Herbedern Rede und Antwort zu stehen. Klar ist: Die drei maroden Brücken sollen ersetzt werden. Es handelt sich um die unter Denkmalschutz stehende Omega-Brücke über die Bahngleise, eine kleinere Brücke über die Straße „Ruhrtal“ sowie das Stück, das über Mühlengraben und Ruhr führt. Auf der Hevener Ruhrseite ist außerdem ein Kreisel geplant, um die Verkehrssituation an der Kreuzung Seestraße, Fahrendelle und Herbeder Straße zu entzerren.

Geschäftsleute in Witten-Herbede fürchten Umsatzeinbußen durch lange Umwege

2024 soll mit der Sanierung begonnen werden, rund 20 Millionen Euro veranschlagt Straßen.NRW dafür. „Es können aber auch schnell mal 25 Millionen daraus werden“, so Schittkowski. Gerade befinde man sich in der Phase der Voruntersuchung. Bilder, wie die neue Brücke tatsächlich mal aussehen wird, gibt es deshalb noch nicht. Sie soll allerdings etwas abgesenkt und auf wesentlich schlankeren Pfeilern errichtet werden. Zwei bis vier Jahre Bauzeit sind veranschlagt.

Was die Bürger jedoch viel mehr interessiert, ist die Situation während der Sperrung. Sie fürchten einen langen Umweg, wie ihn der Schwerlastverkehr jetzt schon nehmen muss: über Vormholzer Straße, Bommern und Ruhrdeich. Etwa 13.000 Fahrzeuge überqueren die Brücke im Schnitt täglich, darunter auch „Käuferpotenzial“, so Geschäftsmann Jörg Rumberg. „Keiner wird einen Umweg von 15 bis 20 Minuten fahren, um in Herbede einkaufen zu gehen.“ Er rechne mit 50 bis 60 Prozent Umsatzeinbußen.

Ärzte in Witten-Herbede: Können Notfallversorgung nicht mehr gewährleisten

Existenzbedrohend könne sich die Sperrung auch für Herbeder Unternehmen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter auswirken. „Die orientieren sich angesichts solcher Umwege doch um.“ Auch die Ärzte, die im Rathaus der Medizin praktizieren, sind wenig begeistert von einer jahrelangen Dauerbaustelle. Es sei „niemals zu schaffen“, einen Notfall dann innerhalb von acht Minuten erreichen zu können, gibt Dr. Arne Meinshausen zu bedenken. „Wir versorgen rund 20 Prozent der Wittener Bevölkerung mit.“

Viele Fragen hat Mareike Katrin Hesselbein-Heuer, Elternvertreterin der Hardensteinschule: „Wie lang wird der Schulweg durch den Umweg für die Schüler, die aus Heven kommen?“ – „Bleiben alle Bushaltestellen erhalten?“ – Und: „Wie kommt die Feuerwehr zur Schule, wenn dort ein Brand ausbricht?“ Die Elternvertreterin erfuhr: Es sei nicht Aufgabe von Straßen.NRW, sich um die meisten dieser Probleme zu kümmern. Aber, versprach Projektleiter Schittkowski, „ich werde die eine oder andere Anregung aufnehmen“.

Bürger in Witten-Herbede fordern weiter ebenerdige Ausweichstrecke

Dauerbrenner an diesem Abend – wie auch in früheren Stadtteilgesprächen: eine alternative Ausweichstrecke. Die Herbeder fordern, die Wittener Straße im Bereich der Bahngleise und Haus Herbede ebenerdig und ab Mühlengraben über eine Parallelbrücke zu führen. Es gebe diesbezüglich bereits alte Planungen der Bezirksregierung, so Jörg Rumberg von der Werbegemeinschaft – was Projektplaner Schittkowski nicht bekannt war.

Weil die Ausweichstrecke eine neue Bahnüberführung erfordere, müsse die Bahn zustimmen. Er werde nicht eher ruhen, bis das Eisenbahnbundesamt sich dazu geäußert habe. Falle die Stellungnahme wider Erwarten positiv aus, so der Mann von Straßen.NRW, „dann werden wir über diese Variante nachdenken“.

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