Corona

Corona: Lebenshilfe Witten drohte mit Gehaltsentzug

Die Lebenshilfe Witten hat Mitarbeitern mit Konsequenzen gedroht, sollten diese sich selbstverschuldet mit dem Coronavirus infizieren. Bewohner der Heime der Lebenshilfe gelten als Hochrisikopatienten. 

Die Lebenshilfe Witten hat Mitarbeitern mit Konsequenzen gedroht, sollten diese sich selbstverschuldet mit dem Coronavirus infizieren. Bewohner der Heime der Lebenshilfe gelten als Hochrisikopatienten. 

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Witten  Die Lebenshilfe Witten hat Sanktionen angedroht, sollten sich Mitarbeiter fahrlässig mit Corona infizieren. Die Geschäftsführung sagt, warum.

Mit einem Schreiben per E-Mail hat sich die Lebenshilfe Witten in der vergangenen Woche an die Mitarbeiter ihrer Wohneinrichtungen gewandt. Wer sich selbstverschuldet mit dem Coronavirus infiziere, dem könne für die Zeit der Quarantäne der Lohn gestrichen werden, heißt es darin. Oder der Betroffene "muss die ausgefallene Zeit kostenfrei nacharbeiten".

Weiter heißt es: "Wer darüber hinaus durch nicht angemessenes Freizeitverhalten eine Infektion oder Quarantäne bei betreuten Personen oder Kollegen verursacht, wird in vollem Umfang zivilrechtlich und möglicherweise auch strafrechtlich zur Verantwortung gezogen."

Corona-Schreiben verunsichert Mitarbeiter der Lebenshilfe Witten

Unter den Mitarbeitern sorgte diese Nachricht für Verunsicherung und Angst. Mittlerweile ist die Geschäftsführung zurückgerudert und erklärt den ungewöhnlich harschen Tonfall des Schreibens.

Konkrete Einzelfälle im Freizeitverhalten von Mitarbeitern hätten ihn zu der Rundmail veranlasst, sagt Geschäftsführer Dieter König. Diese hätten sich "in absolut keiner Weise mit den von Land und Bund geforderten Sorgfaltspflichten vereinbaren" lassen und seien sowohl für die Gesundheit der Bewohner als auch der anderen Mitarbeiter "im höchsten Maße bedenklich" gewesen.

Geschäftsführer: Schutz der Bewohner hat oberste Priorität

Als Beispiel nennt König etwa Flugreisen in ein Land mit hohen Corona-Fallzahlen oder private Treffen in größeren Gruppen. "Bei allem professionellen Verhalten vor Ort geht es eben auch darum, wie sich jeder einzelne in seiner Freizeit verhält", so der 60-Jährige.

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"Es ging darum, den Mitarbeitern vor Augen zu führen, um was es hier geht", so König. Die Lebenshilfe sehe es derzeit als ihre oberste Pflicht an, ihre Bewohner vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. So gilt etwa seit Montag (23.3.) ein striktes Besuchsverbot in den Wohnheimen.

Seit Montag gilt ein Besuchsverbot

Zuvor konnten Verwandte ihre Angehörigen noch angezogen am Eingang der jeweiligen Einrichtung abholen, um einen gemeinsamen Spaziergang zu machen. Das Besuchsverbot stoße bei den Eltern auf große Zustimmung. "Die Mehrzahl hat sich das auch gewünscht", so König. "Derzeit ist die größte Sorge, dass der Virus Einzug in die Einrichtungen hält und wir Todesfälle beklagen müssten."

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Denn die behinderten Bewohner der Heime haben seinen Angaben zufolge teils schwere Vorerkrankungen und gehören zu den absoluten Hochrisikopatienten. Die Sterblichkeit dort würde laut Expertenmeinung im Falle einer Infektion bei einem Viertel bis einem Drittel liegen, sagt König. "Es gilt, deren Gesundheit und Leben unter allen Umständen zu schützen."

"Immense Verantwortung in der aktuellen Situation"

Die in seinem Brief an die Mitarbeiter angedrohten Konsequenzen wie Lohnkürzungen seien nicht als Sanktionen zu verstehen. "Das sind reguläre Rechtsfolgen", so König. Denn hat ein Arbeitnehmer seine Krankheit selbst verschuldet, hat er unter Umständen keinen Anspruch auf eine Lohnfortzahlung.

König verweist auf die "immense Verantwortung in der aktuellen Situation", die seine Mitarbeiter tragen. Ziel sei es deshalb gewesen, einmal sehr deutlich zu machen, welche Konsequenzen für die ihnen anvertrauten Menschen entstehen können, wenn sich Mitarbeiter nicht strikt an die geltenden Anweisungen zum Schutz vor Corona halten.

>>>Info: Über 100 Lebenshilfe-Mitarbeiter sind in Kurzarbeit

Die Lebenshilfe betreibt zwei Wohnheime. Im Haus an der Pferdebachstraße leben 24 Menschen mit Behinderung, an der Dortmunder Straße 45 Menschen. Darüber hinaus betreut die Lebenshilfe ambulant Menschen in mehreren Wohnprojekten, aber auch in Einzelwohnungen.

Um die insgesamt 150 Bewohner kümmern sich derzeit laut Geschäftsführer Dieter König rund 100 Mitarbeiter. Darunter auch Angestellte, die sonst in der Werkstatt tätig sind. Sie bieten den Bewohnern Beschäftigungsangebote.

70 Schulbegleiter der Lebenshilfe, rund 30 Mitarbeiter der Frühförderung und ein Teil der Erzieherinnen der Kita Heleneberg (8) sind bis Ende April in Kurzarbeit.

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