Sico

Witten: Sico-Chef lässt Blut von Mitarbeitern auf PCB testen

Die Firma Sico produziert seit 1985 in Witten an der Friedrich-Ebert-Straße. Am 4. März wurde der Firma vom Kreis die Benutzung eines chlorhaltigen Vernetzers verboten.

Die Firma Sico produziert seit 1985 in Witten an der Friedrich-Ebert-Straße. Am 4. März wurde der Firma vom Kreis die Benutzung eines chlorhaltigen Vernetzers verboten.

Foto: Barbara Zabka / Funke Foto Services

Witten  Bei vier langjährigen Sico-Mitarbeitern aus der Produktion wurden Blutuntersuchungen gemacht. Laut Sico mit beruhigenden Ergebnissen.

Der Chef des Silikonverarbeiters Sico hat Blut von langjährigen Mitarbeitern auf PCB testen lassen. Laut Sico-Geschäftsführer Ralf Skoda sind die Untersuchungsergebnisse beruhigend. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) hat in der Umgebung der Rüdinghauser Firma Löwenzahn-Proben genommen. Dieses müssen laut Kreis noch ausgewertet werden.

Die Firma Sico war in die Schlagzeilen geraten, weil bei der Produktion an der Friedrich-Ebert-Straße mit PCB hochbelastete weiße Flocken in die Umwelt gelangt waren. Sico-Geschäftsführer Ralf Skoda betonte jetzt auf Anfrage unserer Redaktion, dass die Betriebsärztin vier langjährigen Mitarbeitern aus der Produktion Blutproben abgenommen habe. Diese seien von einem Institut der Aachener Universität auf eine PCB-Belastung hin untersucht worden. Das Ergebnis sei, dass die Belastung die diesbezüglich zulässigen Grenzwerte für Schwangere unterschreite. Nach Ansicht des Institutes seien für die langjährigen Mitarbeiter keine gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten, so Skoda.

Neues Filtersystem soll PCB-Austritt verhindern

PCB, insbesondere PCB 47, aber auch 51 und 68, entstand in der Sico-Produktion, weil hierbei ein sogenannter chlorhaltiger Vernetzer, eine Paste, eingesetzt wurde. Am 4. März hatte der Kreis dem Unternehmen verboten, damit weiterhin zu arbeiten. Die Firma produziert jetzt mit einem chlorfreien Vernetzer. Hiermit können laut Kreis jedoch nicht alle bisherigen Firmen-Produkte hergestellt werden. Um einen künftigen Austritt von PCB-haltigen Flocken in die Umwelt zu verhindern, will Sico Filter und einen neuen Kaminzug einbauen.

Geschäftsführer Skoda sagte unserer Redaktion, dass es sehr wahrscheinlich sei, dass in der Vergangenheit bei der Produktion nicht nur PCB-belastete Flocken, sondern auch PCB-haltige Gase entstanden seien, da in einem offenen System gearbeitet werde. Ein neues Filtersystem solle künftig verhindern, dass PCB weder innerhalb der Firma austrete noch über den Schornstein in die Umwelt gelange.

„Mit Ergebnissen rechnen wir Ende April, Anfang Mai"

Um gesicherte Erkenntnisse darüber zu gewinnen, zu welchen früheren Umweltbelastungen der Einsatz des chlorhaltigen Vernetzers in der Sico-Fertigung geführt hat, wurden vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Löwenzahn-Proben im Umfeld der Firma genommen. „Mit Ergebnissen rechnen wir Ende April, Anfang Mai", heißt es von Wolfgang Flender, Abteilungsleiter des Kreisumweltamtes. Die Ergebnisse der Löwenzahnproben würden dann darüber entscheiden, ob weitere Untersuchungen veranlasst würden.

Flender: „Löwenzahnproben wurden nördlich des Sico-Geländes an der Brauckstraße genommen, an der Kreisstraße im Bereich der Piusstraße, an der Brunebecker Straße sowie der Menglinghauser Straße auf Wittener Stadtgebiet."

Kreismitarbeiter nahmen Proben bei den Eheleuten Lepski

Der Leiter des Umweltamtes geht auch auf die Fragen der Eheleute Lepski ein, die an der Menglinghauser Straße auf Dortmunder Stadtgebiet leben. Grazyna Lepski aus Dortmund-Persebeck hatte Wittens Bürgermeisterin Sonja Leidemann am 17. März einen Brief mit mehr als 220 Unterschriften geschickt – ein Protest von Anwohnern gegen die frühere PCB-Belastung durch Sico.

Am 25. März bekam das Ehepaar Lepski Besuch von einem Mitarbeiter des Kreisumweltamtes und dessen Kollegen. Lepskis hatten sich Sorgen gemacht um weiße Flecken, die sie in ihrem Garten und auf dem Pflaster vor ihrem Hauseingang fanden. Sie dachten an die PCB-Flocken von Sico. Nach der Auswertung der genommenen Proben gab das Kreisumweltamt Entwarnung: Bei den Flecken handele es sich um biologisches Material - wie Pilze und Flechten.

Zun den Fragen der Unterzeichner der Protestliste gegen Sico, ob es Blutuntersuchungen von Anwohnern geben werde oder Verzehrempfehlungen für Obst und Gemüse, betonte Wolfgang Flender, dass man hierzu zunächst die Ergebnisse der Löwenzahn-Untersuchung abwarten müsse und die sich daraus ergebende Bewertung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz.

>>> Weitere Informationen:

Zu den PCB-Emissionen der Firma Sico und der Ennepetaler Firma BIW hat der Kreis Informationen im Netz zusammengestellt: www.enkreis.de/katasterumwelt/umwelt/faq-pcb.html.

Hier findet man auch Informationen zu PCB, eine Gruppe von chlorhaltigen chemischen Verbindungen.

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