Landwirtschaft

Wittener Landwirte leiden unter der starken Trockenheit

Landwirt Bert Schulze-Poll (49) zeigt die staubtrockene Erde auf einem Acker des Trantenrother Hofes in Witten-Heven. Der Demeter-Betrieb, der über keinen eigenen Brunnen verfügen kann, muss das Wasser zur Bewässerung seiner Pflanzen von den Wittener Stadtwerken kaufen.

Landwirt Bert Schulze-Poll (49) zeigt die staubtrockene Erde auf einem Acker des Trantenrother Hofes in Witten-Heven. Der Demeter-Betrieb, der über keinen eigenen Brunnen verfügen kann, muss das Wasser zur Bewässerung seiner Pflanzen von den Wittener Stadtwerken kaufen.

Foto: foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Witten.  Wittens Landwirte werden schon im zweiten Jahr gebeutelt. Erst das Hitzejahr 2018 – und es fällt immer noch kein Regen. Alles ist staubtrocken.

Bäume und Gärten leiden, Böden sind ausgetrocknet, staubig, viele Wiesen und Weiden verbrannt. Der Juni war der wärmste – seit Temperaturen gemessen und dokumentiert werden. Harte Zeiten für Wittener Bauern, die von und mit dem Wetter leben müssen. Nach dem Hitzesommer 2018 setzt ihnen im zweiten Jahr die Trockenheit zu.

Demeter-Landwirt Bert Schulze-Poll rechnet vor, was das für ihn bedeutet. „Im vergangenen Jahr haben wir 10.000 Euro für Wasser an die Stadtwerke bezahlt. In diesem Jahr haben wir die Summe schon jetzt erreicht.“

Das Gemüse auf dem Acker muss vier Stunden täglich bewässert werden

Auf dem Trantenrother Hof in Heven wird vor allem Gemüse angebaut – über 40 Arten, von Aubergine bis Zucchini. Vier Stunden täglich werden auf dem Bio-Hof seit April die Pflanzen auf dem Acker bewässert – morgens und abends. Der Boden sei seit dem Frühjahr 2018 trocken, sagt Schulze-Poll. Auch im Winter habe es keine nennenswerten Niederschläge gegeben. „So einen trockenen Winter habe ich noch nie erlebt.“ Fisselregen bringe da nichts.

Bitter für Bauern. Menschen, die mit der Natur nicht so viel am Hut haben, erklärt der 49-Jährige, dass Gemüse ständig nachgepflanzt werden muss. „Damit wir alles immer für die Kunden zur Verfügung haben, pflanzen wir zum Beispiel alle zwei Wochen neuen Salat, neuen Kohlrabi.“

Spitzkohl kann man nicht für neun Euro pro Kilo verkaufen

Pflanzen, die Durst haben. Die hohen Kosten für die Bewässerung könne man natürlich nicht voll an die Kundschaft weitergeben. „Wenn der Spitzkohl pro Kilo bisher drei Euro kostet, kann ich den jetzt nicht für neun verkaufen. Dann bleibe ich darauf sitzen“, so Schulze-Poll.

Was den gebürtigen Leipziger freut: Sein Klee steht relativ hoch. „Denn der wurzelt tief. Und wir brauchen ihn als Dünger.“ In diesem Jahr werde er Verluste einfahren, aber noch Geld verdienen, sagt der Bio-Bauer, der den Betrieb zusammen mit dem Gärtner Witiko Ludewig führt. Nur wenn das mit dem Wetter noch ein paar Jahre so weitergehe, bekomme der Hof ein Problem. „Aber Landwirte sind ja Überlebenskünstler.“

Draußen auf der Weide gibt es für die Kühe nichts zu fressen

Nach staatlichen Subventionen ruft der Gemüsebauer nicht. Schulze-Poll: „Die gehen sowieso nur an die großen Landwirte oder die Antragsstellung ist kompliziert und letztlich kommt dann wenig dabei heraus.“

Friedrich-Wilhelm Thiele, Bauer in Bommern, freut sich über seine gute Maisernte im vergangenen Oktober. Den Mais brauche er jetzt, um seine Kühe zu füttern, sagt der 66-Jährige. Denn draußen auf der Wiese würden die Tiere nichts zu fressen finden. „Sie werden im Stall gefüttert.“

Ende Juli hofft der Landwirt mit seiner Getreideernte durch zu sein. „Drei Wochen früher als üblich.“ Welche Qualität das Getreide haben wird, weiß er noch nicht. Was Thiele wundert: „Im letzten Jahr haben die Leute so viel über die Trockenheit gesprochen. In diesem Jahr redet da niemand mehr drüber, obwohl es immer noch trocken ist.“

„Die Pommes werden teurer“, sagt ein Wittener Agraringenieur voraus
Was auch Jan Bockholt zu spüren bekommt, der einen 70 Hektar großen Hof bewirtschaftet. Seine Frau kümmert sich um den Hofladen an der Bochumer Straße. „Die Böden sind bis zu einer Tiefe von 1,80 Meter durchgetrocknet“, so der 34-Jährige, der seinen ersten Grasschnitt im Juni eingefahren hat. „Jetzt wächst nichts mehr nach, weil kein Regen mehr gefallen ist.“

Die Preise für Heu werden extrem steigen, sagt der Agraringenieur voraus, der auch Kartoffeln anbietet. Die Dämme, auf denen die Erdäpfel angebaut werden, seien staubtrocken. „Das Laub der Pflanzen ist vertrocknet, die Kartoffeln werden klein bleiben. Das ist wie im letzten Jahr.“ Bockholt rechnet bei seiner Ernte mit einem „stark reduzierten Ertrag“. Dies würde natürlich auch andere Kartoffelanbauer betreffen. Eine Folge der Trockenheit, die der Verbraucher zu spüren bekommt: „Die Pommes werden teurer.“

Ein Zigarettenstummel kann einen Großbrand auslösen
Mais hat Jan Bockholt im Frühjahr angebaut. Da auch diese Pflanzen kein Wasser bekommen haben, „werden die Kolben entweder ganz fehlen oder schlecht ausgebildet sein – wenn kein Regen mehr kommt“. Es müsste eine Woche kräftig durchregnen, wünscht sich der Landwirt. Der daran erinnert, dass vor einigen Tagen ein Feld am Brückenkamp in Heven gebrannt hat. „Bei der Trockenheit kann ein weggeworfener Zigarettenstummel einen Großbrand auslösen.“

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