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Cultcars Witten: In welche Autos Sammler investieren sollten

Ein Mercedes 170 DS, Baujahr 1953, ein Porsche 356 B von 1962 und ein neu gebauter Chevrolet Belair mit V8-Motor stehen im Ladenlokal von Cultcars. In dem Wittener Autohaus werden edle Karossen verkauft.

Ein Mercedes 170 DS, Baujahr 1953, ein Porsche 356 B von 1962 und ein neu gebauter Chevrolet Belair mit V8-Motor stehen im Ladenlokal von Cultcars. In dem Wittener Autohaus werden edle Karossen verkauft.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Witten.  Mit Lack und Leidenschaft: Bei Cultcars in Witten sind Modelle aus den 80er Jahren nachgefragt. Dort gibt’s sogar den Benz aus „Bang Boom Bang“.

Der Chrom blitzt, der Lack glänzt, das edle Leder – wie neu. Damian Trzcionka verkauft in Witten außergewöhnliche Kultfahrzeuge. Alle Modelle, die im Autohaus „Cultcars“ stehen, erzählen eine besondere Geschichte. Aber nicht alle gibt der Wittener auch her.

Unverkäuflich sind zum Beispiel der Lamborghini SE 156 in Orange-Metallic, der künstlerisch gestaltete Golf 1, der „Hot Rod“ aus den Zwanzigern – und natürlich der goldglitzernde 560 SEC, jener Mercedes, den Kalle Grabowski alias Ralf Richter im Ruhrpott-Kultfilm „Bang Boom Bang“ fuhr.

Damian Trzionka und sein Geschäftspartner Markus Niemann sind zwei Autonarren, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Stundenlang können sie über Modelle reden und sind doch nicht auf einer Wellenlänge.

Für Trzionka sind Autos Emotion. „Wenn das Gefühl nicht stimmt, sollte man es nicht kaufen“, sagt er. Markus Niemann, der mit seinen langen wehenden Haaren, Cowboystiefeln und in mehreren TV-Doku-Soaps den Ruhrpott-Autohändler gibt, sieht das Geschäftliche. Selbst wenn eine Edelkarosse den Käufer vielleicht nicht verdient, wird sie trotzdem vertickt. Das kann Damian Trzcionka nur schwer ertragen.

Eine Folge der Klimadiskussion: Preise für Oldtimer fallen wieder

Der gebürtige Düsseldorfer und gelernte Altenpfleger hat 2011 das Autohaus im Salinger Feld eröffnet und damit sein Hobby zum Beruf gemacht. An Autos geschraubt hat er schon als Junge. Den ersten Oldtimer besaß er noch vor dem Führerschein.

Nach einer Krebserkrankung konnte und wollte Trzcionka seinen alten Beruf in der Pflege nicht mehr ausüben. Das Restaurieren von Autos war auch ein bisschen Therapie. In Witten fand er eine geeignete Werkstatt. „Eigentlich wollte ich nur meine Autos abstellen und ein bisschen schrauben“, erzählt er. „Aber nach kurzer Zeit ist mein Geschäft schnell gewachsen.“

Der Handel mit Oldtimern erlebte bis 2016/2017 einen regelrechten Aufwind – auch als renditestarke Anlage, mit der sich weltweit Geld machen ließ. „Inzwischen fallen die Preise aber wieder“, sagt Damian Trzcionka. Zum einen sei die Nachfrage gesättigt. Zum anderen hemme die politische Diskussion um Dieselfahrverbote und Klimaauflagen die Kauflust.

Rolls Royce lässt Käufer kalt

Am meisten gefragt sind allerdings nicht Ferrari und andere solcher Luxusschlitten. Auch der Mercedes aus den 1950er Jahren, den Trzcionka im Verkaufsraum stehen hat, ist eher ein Ladenhüter. „Selbst ein Rolls Royce entfacht bei den meisten Käufern keine Emotion mehr“, sagt der Händler. „Er ist aus ihrem Leben viel zu weit weg.“

Heißt begehrt sind dagegen jüngere Oldtimer – wie ein Mercedes Benz/8 (“Strich-Acht“), der BMW E30 oder eine S-Klasse aus den 90er Jahren. Aber auch Opel oder Ford. „Neunzig Prozent unserer Käufer sind zwischen 40 und 50 Jahre alt. Ihre Kinder sind groß, das Geld ist da, jetzt belohnen sie sich mit einem Auto aus der Jugendzeit“, sagt der Profi. „Und dann möchten sie das Auto, von dem sie als Kind immer geträumt haben.“ Das ist der wahre Luxus.

Heißbegehrt: Mercedes 320 T, Baujahr 1995

Zufällig kommt an diesem Morgen gerade ein junger Mann in den Laden und strebt zielsicher zu einem Mercedes Benz-Kombi, einem 320 T, Baujahr 1995. Der Dortmunder erzählt, dass er als Kinder immer im Kofferraum des Siebensitzers rumkutschiert wurde. Nun möchte der 35-Jährige selbst einen haben. Über 17.000 Euro steht auf dem Cultcars-Preisschild. Dafür gibt’s es Klimaanlage, Leder, Wurzelholz, knapp 160.000 gefahrene Kilometer „und kein bisschen Rost“.

Wo findet Damian Trzcionka die besonderen Autos? Er kaufe und verkaufe in der Sammlerszene. „Der Trick ist: Wenn irgendjemand sein Auto abgeben will, muss man immer nach dem fragen, was es sonst noch so gibt. Die guten Autos stehen immer in der zweiten Reihe.“ Angebote gibt es immer. Denn den Sammlern fehlt es oft nicht an Geld, sondern an Platz.

Tipp für Sammler: der Flügeltüren-Mercedes

Und in welches Modell sollte man investieren, weil dessen Nachfrage steigen wird? „Ich bin überzeugt, dass die Urversion des Mercedes SLS mit Flügeltüren nach oben gehen wird“, sagt Markus Niemann. „Das wäre mein Tipp für eine langjährige Rendite.“

Damian Trzcionka teilt diese Meinung – natürlich – nicht. „Ich glaube, dass die Kurzlebigkeit der Steuergeräte das schnelle Aus für diese Autos sind. Er rät: „Kaufe das Auto, das du liebst. Selbst wenn durch irgendein Gesetz der Wert deines Autos fallen sollte, die Leidenschaft bleibt.“

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