Krankenhäuser

Zu viele Kliniken? Wittens Häuser sehen sich gut aufgestellt

Die Autoren der Bertelsmann-Studie setzen sich für eine neue Krankenhausstruktur in Deutschland ein: weniger, aber größere Kliniken und mehr ambulante Behandlungen.

Die Autoren der Bertelsmann-Studie setzen sich für eine neue Krankenhausstruktur in Deutschland ein: weniger, aber größere Kliniken und mehr ambulante Behandlungen.

Foto: foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Witten.  Eine neue Bertelsmann-Studie hält mehr als jede zweite Klinik für überflüssig. Die Wittener Krankenhäuser sehen sich gut aufgestellt.

Laut einer aktuellen Bertelsmann-Studie ist mehr als jedes zweite Krankenhaus in Deutschland überflüssig. Zu kleine Häuser verfügten häufig nicht über genügend Personal, die notwendige Ausstattung und das Know-how für eine qualifizierte Behandlung, so die an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftler. Die Wittener Hospitäler – das Marien-Hospital und das Evangelische Krankenhaus (EvK) – gehören zu Klinik-Gruppen, um wirtschaftlich zu arbeiten und Patienten möglichst vielfältige Behandlungsangebote machen zu können.

„Ein 300-Betten-Krankenhaus lässt sich alleine nicht wirtschaftlich führen. Dies hat unser Haus aber schon vor Jahren erkannt, lange bevor es diese Studie gab“, sagt EvK-Sprecher Jens-Martin Gorny. Das EvK schreibe schwarze Zahlen. Seit 2016 ist es eine Tochtergesellschaft der Evangelischen Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop Rauxel.

Die Reaktion des Marien-Hospitals auf die Studie, die bundesweit für Aufsehen sorgt: Man biete an, was dort gefordert werde – Behandlungsqualität durch qualifizierte Teams und modernste medizintechnische Geräte, sagt Theo Freitag, Geschäftsführer der St.-Elisabeth-Gruppe – Katholische Kliniken Rhein-Ruhr, zu der das Marien-Hospital gehört.

Marien-Hospital verweist auf seine zertifizierten Zentren

In Sachen Behandlungskompetenz verweist EvK-Sprecher Gorny auf die Schwerpunkte seiner Klinik – wie die Geriatrie, „unsere größte Fachabteilung“, die Urologie, die ambulante und stationäre Strahlentherapie sowie die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. Das Marien-Hospital (362 Betten) spricht über seine zertifizierten Zentren. Das Krankenhaus sei Onkologisches Zentrum der Ruhr-Universität Bochum. Dieses schließe das Darmkrebs-, Brustkrebs- und Gynäkologische Krebszentrum ein, so Gruppen-Geschäftsführer Freitag. Krankhaft übergewichtige Menschen könnten im zertifizierten Adipositaszentrum der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie behandelt werden, Venenpatienten in einem Venenzentrum.

Klinik für Kinderchirugie zog von Herne nach Witten um

Nicht zuletzt sei die Klinik für Kinderchirurgie vom Herner Marien-Hospital (Uniklinik der Ruhr-Uni Bochum) nach Witten umgezogen und habe hier im Januar seine Arbeit aufgenommen. Am Wittener Marien-Hospital könnten jetzt Kinder aller Altersstufen behandelt werden.

Nach Ansicht der Wissenschaftler, die an der Bertelsmann-Studie beteiligt waren, werden in Deutschland derzeit zu viele Patienten in Krankenhäusern stationär behandelt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bundesweit etwa fünf Millionen Patienten pro Jahr genauso gut ambulant versorgt werden könnten.

Geschäftsführer: Das System muss grundlegend umstrukturiert werden

Die Behandlungszahlen des EvK Witten: Über 13.800 Patienten wurden dort 2018 ambulant, 11.500 Patienten stationär versorgt. Das Marien-Hospital behandelt jährlich mehr als 25.000 Patienten stationär und 42.000 ambulant. Theo Freitag von der Elisabeth-Gruppe betont, dass die Forderung der Bertelsmann-Studie, bis 2030 mehr stationäre Leistungen ambulant zu erbringen, „eine grundlegende Umstrukturierung des Systems voraussetzt“. So müssten nicht nur Leistungen neu festgelegt werden, die ambulant erbracht werden sollen. „Es muss auch sichergestellt werden, dass ausreichend niedergelassene Fachärzte vorhanden sind, die diese Leistungen erbringen können.“

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