Sportaktion

Zum Toben geht’s sonntags in Witten in die Sporthalle

Mit Schwung – Eymen aus Annen turnt an den Ringen. Der Schüler macht mit bei der Aktion „Open Sunday“, bei der Kinder ihre Zeit in der Sporthalle der Erlenschule verbringen können.

Mit Schwung – Eymen aus Annen turnt an den Ringen. Der Schüler macht mit bei der Aktion „Open Sunday“, bei der Kinder ihre Zeit in der Sporthalle der Erlenschule verbringen können.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Witten.  In der dunklen Jahreszeit sollen bald an jedem Sonntag die Wittener Turnhallen öffnen, damit sich Kinder beim „Open Sunday“ dort austoben können.

Drei, vier Meter hoch ist die Sprossenwand. Ein paar schüchterne Blicke Richtung Decke, ein letztes motiviertes Hochhüpfen. Dann geht es hoch, Sprosse um Sprosse, oben wird das Bein herübergeschwungen. Jetzt folgt die Belohnung: Die Kinder dürfen zwischen zwei dicken, blauen Matten durchrutschen. In der Sporthalle der Erlenschule nennen diese Übung liebevoll den „Toaster“ – und der ist am „Open Sunday“ eine der Hauptattraktionen.

Über 40 Kinder toben sich aus – ganz ohne Leistungsdruck

„Open Sunday“ bedeutet, dass alle Kinder aus Annen eingeladen sind, sonntagnachmittags in der Turnhalle zu toben und andere Kinder kennenzulernen. Kostenlos und ohne Anmeldung, versteht sich. Knapp zehn verschiedene Stationen sind in der Halle aufgebaut, in der gut eine halbe Stunde nach Öffnung schon sprichwörtlich der Bär steppt: Über 40 Kinder sind trotz des schönen Wetters gekommen, die meisten zwischen sechs und zwölf Jahre alt.

Die achtjährige Bianca geht in die dritte Klasse der Erlenschule. Sie kann es gar nicht erwarten, sich endlich in die Ringe zu hängen und loszuschwingen. Normalerweise bleibt sie am Wochenende zu Hause, spielt Fußball, singt im Chor oder geht ringen. Heute kann sie etwas Neues ausprobieren. „Das macht richtig viel Spaß. Ich hab sogar ‘nen Freund mitgebracht.“

„Open Sunday“ demnächst von Oktober bis März?

Der heißt Teodor, ist acht Jahre alt, und hat zunächst noch gar nichts von seinem Glück geahnt. „Wir gehen mal irgendwo hin“, habe Bianca ihn neugierig gemacht. Klar kam er mit – und fand sich plötzlich in der Sporthalle wieder. Er probiert sich an der „Zirkusstation“ und ist wie so viele an diesem Tag begeistert, ohne Zwang oder Leistungsdruck spielen zu können. Das mit dem Jonglierteller will noch nicht so recht klappen, aber Helferin Irina Schumach vom Kommunalen Integrationszentrum (KI) des EN-Kreises steht mit aufmunternden Worten zur Seite.

Im Herbst vergangenen Jahres hat das KI mit weiteren Unterstützern die Aktion „Open Sunday“ im EN-Kreis gestartet, seitdem haben in Ennepetal und Witten nun schon an acht Sonntagen Turnhallen geöffnet. Wenn es nach Schumach und ihrer Kollegin Esma Sahin geht, dann soll in Witten im kommenden Jahr von Oktober und März durchgängig „Open Sunday“ sein, jede Woche. Die Finanzierung ist momentan noch der Knackpunkt. Das Angebot werde super angenommen, gerade in der dunklen Jahreszeit, so Sahin. Die gute Stimmung bekräftigt auch Jonas Maier, Referent für Integration durch Sport im Kreissportbund EN. „Am Anfang sind die Kinder noch schüchtern, aber spätestens nach dem Aufwärmspiel, ‘Feuer, Wasser, Blitz’, geht’s richtig los.“

Jugendliche Sporthelfer stehen mit Rat und Tat zur Seite

Zurück zum „Toaster“, der beliebtesten Station an diesem Sonntag. Ein waches Auge auf die Kinder haben Dimitri (14) und Jannis (13), die in die Holzkamp-Gesamtschule gehen. Sie sind im Team der Sporthelfer und stehen ihren oft nur wenig jüngeren Kameraden bei den Übungen zur Seite. „Man sieht, wie die Kinder sich entwickeln, wie sich alle in die Gruppe integrieren“, erzählt Dimitri sichtlich stolz.

Ebenfalls stolz auf seine jugendliche Truppe ist der 19-jährige Jeniston Jesudasan, der am „Toaster“ die Kinder immer im Blick hat, damit nichts passiert. Der Jugendtrainer bei der DJK Blau-Weiß Annen wurde vom Kreissportbund gefragt, ob er die Kinder und die Jugendhelfer mitbetreuen wolle. Natürlich habe er zugesagt, es mache ihm Spaß, bei den Fortschritten der Kinder mit dabei zu sein. „Immer viel loben, das ist das wichtigste. Den Kindern muss klar werden: Sie sind hier nicht allein – sie können sich was trauen!“

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