Alkoholsucht

Angeklagte stiehlt kurz vor Haftantritt drei Wodkaflaschen

Bis zu zweieinhalb Flaschen Wodka – 0,75-Liter-Flaschen, keine Flachmänner – soll die Angeklagte zeitweise konsumiert haben.

Bis zu zweieinhalb Flaschen Wodka – 0,75-Liter-Flaschen, keine Flachmänner – soll die Angeklagte zeitweise konsumiert haben.

Foto: imago stock & people

Bad Berleburg.  Die alkoholkranke Frau aus Bad Berleburg sitzt bereits wegen einer anderen Verurteilung in der JVA Köln. Ihre Tochter lebt in einem Kinderheim.

In Handschellen und in Begleitung von zwei Justizvollzugsbeamten wurde die 36-jährige Angeklagte am Dienstagvormittag dem Amtsgericht Bad Berleburg vorgeführt. Seit Juli dieses Jahres sitzt sie im geschlossenen Vollzug der JVA Köln. Dort muss sie eine einjährige Haftstrafe verbüßen, weil sie im November 2018 vom Berleburger Amtsgericht wegen Beleidigung, Bedrohung und vorsätzlichen Vollrausches verurteilt worden war. Kurz vor Haftantritt im Sommer machte sie sich jedoch nochmal des Diebstahls in drei Fällen schuldig. Dafür verurteilte das Amtsgericht sie am Dienstag zu einer weiteren Freiheitsstrafe von fünf Monaten.

Zwei Taten liegen nur 20 Minuten auseinander

In einem Fall hatte die Angeklagte unter Alkoholeinfluss eine Wodkaflasche in einer Berleburger Tankstelle gestohlen, die anderen Male ließ sie jeweils eine Wodkaflasche aus einem Supermarkt mitgehen. Dabei lagen die Zeitpunkte der letzten beiden Tatvorwürfe gerade mal 20 Minuten auseinander.

„Ja, das stimmt“, gab die Angeklagte unumwunden zu. „Ich hatte kein Geld, mir ging es schlecht und ich wollte trinken, damit es besser wird.“ Zu diesem Zeitpunkt kämpfte sie mit ihrer starken Alkoholabhängigkeit, trank nach eigener Aussage zwischen einer und zweieinhalb Flaschen Wodka pro Tag. Auch ihr Lebensgefährte saß vorübergehend im Gefängnis. Die gemeinsame zehnjährige Tochter lebte zunächst in einer Pflegefamilie, mittlerweile ist sie in einem Kinderheim untergebracht.

Freiheitsentzug hat eine positive Wirkung auf die Angeklagte

„Es ist wirklich sehr bedauerlich, dass Ihnen vor Haftantritt nichts anderes eingefallen ist als drei Diebstähle zu begehen“, sagte Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel. Bei der Geschwindigkeit, mit der die Angeklagte in den vergangenen zwei Jahren Straftaten begangen habe, käme nur Freiheitsstrafe als Strafmaß in Betracht. Und offensichtlich habe der Freiheitsentzug eine positive Wirkung auf die Angeklagte: „Die Haft hat Ihrer Gesundheit und Ihrem Auftreten bisher sehr gut getan“, so Hippenstiel, die sich noch an die vergangene Hauptverhandlung gegen die 36-Jährige erinnern konnte und wie mitgenommen sie zu diesem Zeitpunkt ausgesehen habe.

„Ich weiß, dass ich gestohlen habe und die Strafe dafür tragen muss“, sagte die Angeklagte zum Abschluss und kämpfte mit den Tränen. Seit ihrer Inhaftierung habe sie keinen Alkohol mehr getrunken und verspüre derzeit auch kein Verlangen danach. Eine stationäre Therapie in der LWL-Klinik Warstein ist sie im April 2018 nicht angetreten. Jetzt wolle sie aber eine Suchttherapie machen – auch, um eines Tages wieder ihr Kind zu sich nach Hause zu holen.

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