Heimat-Check

Herzliche Einladung an Bad Laasphes Bürgermeister

Blick in die Bahnhofstraße durch die Bad Laaspher Kernstadt. Bei der Frage, wie sie demnächst konkret ausgebaut werden soll, setzen die Händler auf Unterstützung der Politik und des Bürgermeisters.

Blick in die Bahnhofstraße durch die Bad Laaspher Kernstadt. Bei der Frage, wie sie demnächst konkret ausgebaut werden soll, setzen die Händler auf Unterstützung der Politik und des Bürgermeisters.

Foto: Eberhard Demtröder

Bad Laasphe.  Geschäftsfrau Christine Acker wünscht sich mehr Präsenz des Amtsinhabers bei Bad Laasphes Händlern – auch, um den Handel vor Ort zu stärken.

Der Bürgermeister der Lahnstadt persönlich als Kunde? Selbstverständlich ist Dr. Torsten Spillmann in den Läden der Bad Laaspher Einzelhändler stets willkommen. Und auch zu Geschäftseröffnungen oder Geschäftsjubiläen zum Beispiel, die stets Meilensteine in der heimischen Wirtschaft markieren, ist er herzlich eingeladen. Doch Spillmann müsste bei solchen Gelegenheiten präsenter sein, gerade in der Geschäftswelt seiner Heimatstadt – das wünscht sich Christine Acker, Betreiberin der Bad Laaspher „Stadtparfümerie Acker“ an der Bahnhofstraße im Gespräch mit unserer Redaktion.

Gerne würden die Einzelhändler dem Bürgermeister in Gesprächen aus erster Hand schildern, wie sie sich fühlen, wie der Laden läuft, so Acker – aber eben auch, wo ihnen der Schuh drückt. Bei alledem müsse es darum gehen, den Handel vor Ort zu stärken, findet Acker – und hier könne der Bürgermeister einen wichtigen Beitrag leisten.

Kein Unterschied bei den einzelnen Parteien

Sowohl bei den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, aber auch bei der Bad Laaspher Politik finde sie als Geschäftsfrau in wichtigen Fragen eigentlich stets ein offenes Ohr, hat Christine Acker erfreut festgestellt. Dabei macht sie keinen Unterschied bei den einzelnen Parteien.

Für ihre Arbeit in der Stadtparfümerie hält sich Acker natürlich auf dem Laufenden. „Unsere Händlergemeinschaft ,Pro Bad Laasphe‘ arbeitet aktiv an aktuellen Themen“, sagt sie. Primäres Thema im Moment: „Unsere Baustelle B 62“. Nach aktuellem Stand der Dinge sei der weitere Ausbau der Bundesstraße im Verlauf der Bahnhofstraße durch die Bad Laaspher Kernstadt ja für 2021 angepeilt. Christine Acker atmet also erst einmal durch. Doch wie genau sich die Bauarbeiten im kommenden Jahr am Ende vollziehen werden, ist noch nicht abschließend geklärt.

Bagger lassen auf sich warten – weil das Gesamtkonzept fehlt

Ginge es nach den ursprünglichen Plänen des Landesbetriebs Straßen NRW, wäre die Bundesstraße B 62 durch Bad Laasphe zwischen den beiden Kreiseln Friedrichstraße und Puderbach wohl inzwischen Baustelle für dringende Sanierungsarbeiten. Voll gesperrt, Umleitung über „Stockwiese“ und Industriestraße. Doch die Bagger lassen auf sich warten – Grund: Ein Gesamtkonzept zur Neugestaltung der Bundesstraße im Verlauf der Ortsdurchfahrt Bad Laasphe steht noch nicht. Hier wollte die Indus­trie- und Handelskammer Siegen zunächst einen Dialog aller wichtigen Akteure – Landesbetrieb Straßen, Bad Laaspher Stadtverwaltung, Ratsfraktionen und Händlerschaft – moderieren. Da sollte es zuletzt im vergangenen Herbst weitere Gespräche geben.

Es bleibe einfach unklar, wie es ganz konkret mit den Bauarbeiten auf der B 62 weitergehe – und mit welchen Auswirkungen auf das Geschäftsleben in der Bad Laaspher Kernstadt. Ausgerechnet jetzt in Corona-Zeiten: „Das hat uns als Händler ohnehin schon geschwächt“, bedauert Acker.

Händler wollen unkomplizierte Lösung

Doch man werde sich in Bad Laasphe nicht geschlagen geben. „Wir machen uns als Händler stark: Wenn die Baustelle kommt, sind wir für eine halbseitige Sperrung, damit wir erreichbar bleiben.“ Dabei hoffe ihre Gemeinschaft auf eine Lösung, die auf der Bahnhofstraße baulich vielleicht nicht so in die Tiefe geht wie es der Landesbetrieb Straßen NRW eigentlich für notwendig hält. Idealerweise seien die Bauarbeiten schnell über die Bühne. Hier müsse ein Kompromiss gefunden werden, mit dem alle Beteiligten leben könnten, findet Christine Acker.

Dafür brauche es aber mehr Unterstützung seitens der Politik und auch des Bürgermeisters, findet Acker – „für eine unkomplizierte Lösung, die unsere Stadt nicht über Jahre lähmt“. Auf keinen Fall aber eine Vollsperrung der Bahnhofstraße. Und wenn es diese Baustelle schon geben müsse, so Acker, dann im Ergebnis „auch bitte etwas zur Verschönerung unserer Stadt – mit ausreichend Parkmöglichkeiten und etwas Begrünung. Sozusagen ein kleines Facelifting, damit der Bürger auch etwas Positives sehen kann. Und Bad Laasphe an Attraktivität gewinnt“.

Interview: „Großgemeinden sind kein Allheilmittel“

Strukturen der Verwaltung und Leitung – sie gehören immer wieder einmal auf den Prüfstand, findet Joachim G. Cierpka, Pfarrer der Lukas Kirchengemeinde im Elsoff und Edertal. Im Interview mit unserer Redaktion erklärt er, warum. Und wie mühsam die Kommunikation einer öffentlichen Verwaltung mit den Bürgerinnen und Bürgern ist, Rückschläge inklusive.

Auch Sie sind – salopp ausgedrückt – „Chef“ einer Gemeinde, eben einer Kirchengemeinde. Was ist in einer solchen Eigenschaft grundsätzlich zu tun, um Ziele zu erreichen, die so eine Gemeinschaft auch wirklich voranbringt? Wie sind dabei die „Bürger“, also die Gemeinde-Glieder, und die „Politiker“, also das Presbyterium, einzubinden?

Joachim G. Cierpka: Klare Zielsetzungen miteinander zu entwickeln und dann klar und in überschaubaren Schritten umzusetzen, ist eine zentrale Leitungsaufgabe – ganz gleich, auf welcher Ebene. Wesentlich sind dabei klare und intensive Kommunikationsstrukturen.

Was sagen Sie zum Engagement von Kommunalpolitikern sowie der Stadtverwaltung – einerseits in Bad Laasphe als Ihrem Wohnort und zum Vergleich in der Stadt Bad Berleburg, zu der die Lukas-Gemeinde gehört?

Ich erlebe hier wie da ein hohes Engagement der kommunalpolitisch engagierten Menschen. In Bad Berleburg scheint mir manches stringenter vorangetrieben. Die Lukas-Gemeinde arbeitet in enger und sehr geschätzter Kooperation mit dem Bürgermeister und der Stadtverwaltung. Dieses Netzwerk ist seit langem entwickelt und trägt für viele Beteiligte deutliche Früchte.

In unserem „Heimat-Check“ haben die Leserinnen und Leser Bad Laasphe im Bereich „Politik/Verwaltung“ ein glattes „Ausreichend“ gegeben, Erndtebrück eher ein „Befriedigend“ und Bad Berleburg immerhin ein „Gut minus“. Welche Unterschiede zwischen den drei Kommunen sehen Sie? Würden Sie ähnlich benoten?

Ich sehe wesentliche Unterschiede in der Dynamik mancher Prozesse und vor allem in der Qualität der Kommunikation. Nicht nur aus meiner kirchengemeindlichen Erfahrung, sondern auch aus eigener Erfahrung in der öffentlichen Verwaltung weiß ich aber auch, wie mühsam diese Prozesse sind und dass es immer wieder Rückschläge gibt.

Immer wieder kommt in der heimischen Politik die Diskussion auf um das legendäre „Bad Wittgenstein“ als Zukunftsperspektive für unsere Region, in der die drei Kommunen fusionieren oder zumindest verstärkt Synergie-Effekte nutzen. Wie wirkt das auf Sie, wo Sie ja auch im Kirchenkreis Wittgenstein mit dem viel diskutierten Gedanken von der Fusion mit dem Kirchenkreis Siegen konfrontiert sind?

Großgemeinden zu schaffen ist kein Allheilmittel. Aber Strukturen der Verwaltung und Leitung gehören immer wieder auf den Prüfstand. Bei der Kooperation scheint mir durchaus Luft nach oben, der manchmal etwas Konkurrenzdenken im Wege steht. Ein tragfähiges und zielgerichtetes Mitein­ander, sei es in der touristischen In­frastruktur oder der Weiterentwicklung der digitalen technischen wie inhaltlichen Angebote zum Beispiel halte ich für geboten.

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