Arbeitsplätze

Industrieumsätze brechen im Kreis Siegen-Wittgenstein ein

Die Krise der Stahlindustrie macht sich auch bei den Erndtebrücker Eisenwerken bemerkbar.

Die Krise der Stahlindustrie macht sich auch bei den Erndtebrücker Eisenwerken bemerkbar.

Foto: Ralf Rottmann

Wittgenstein.  IHK empfindet die Ausschläge nach unten als „besorgniserregend“. Personelle Einschnitte könnten bei EEW nicht ausgeschlossen werden.

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Die Umsätze der Industrieunternehmen in Siegen-Wittgenstein sind eingebrochen: ein Minus von 5,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Der heimische Maschinen- und Anlagenbau tritt auf der Stelle. Ausschläge nach unten hatten wir erwartet. Dass sie sich jedoch in der Metallerzeugung und –bearbeitung auf mittlerweile 17,7 Prozent belaufen würden, das ist schon besorgniserregend“, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener. Ein Überblick, wie Wittgensteiner Unternehmen dabei abschneiden.

Heimische Unternehmen

Ejot

„Die Konjunktur läuft gut, wir haben in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von knapp 10 Prozent“, sagt Ejot-Sprecher Andreas Wolf. Sowohl national als auch international werde expandiert. „Gerade die gesunde Entwicklung in Deutschland freut uns.“ Aktuell werde die Geschäftsbilanz nicht mit Sorgenfalten auf der Stirn betrachtet, aber: „Die politische und wirtschaftliche Lage kann in einem halben Jahr schon wieder ganz anders aussehen“, so Wolf.

Erndtebrücker Eisenwerke Die Krise der Stahlindustrie macht sich mittlerweile auch bei EEW bemerkbar. „Diese Negativentwicklung ist maßgeblich auf die Lage der Öl- und Gasindustrie zurückzuführen“, sagt EEW-Sprecherin Martina Saßmannshausen. Bei der Produktion von Stahlrohren bliebe der Konzern bereits im zweiten Jahr in Folge hinter den Erwartungen.

„Trotz der schlechten konjunkturellen Lage gelang es EEW, sich auf dem Markt zu behaupten“, so Saßmannshausen. Die derzeit 550 Arbeitsplätze in Erndtebrück könnten somit vorerst erhalten bleiben. „Dennoch kann man seitens der EEW-Geschäftsleitung personelle Einschnitte auf lange Sicht nicht ausschließen.“

Böhl-Kunststofftechnik
„Wir sind mit dem abgelaufen Jahr soweit zufrieden. Wir hatten ein Umsatzplus von 4,3 Prozent zum Vorjahr“, sagt Geschäftsführer Hans Böhl. Der Berleburger Firma bereite eher der gestiegene Ölpreis sowie die unsichere Lage in der Türkei Sorgen: „Auf Dauer gesehen treibt das die Transportkosten in die Höhe, womit auch der Kunststoff verteuert wird. Außerdem importieren wir momentan keine Produkte aus der Türkei, weil uns die Lage zu instabil scheint.“

Weber Maschinentechnik

Entgegen der kreisweiten Entwicklung konnte das Rückershäuser Unternehmen das Geschäftsjahr mit einem Umsatzplus abschließen. „Wir können diese schlechte Entwicklung nicht teilen. Vor allem im Inland ist die Baukonjunktur und damit unsere Auftragslage besser geworden“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Weber.

Es gebe zwar durchaus Firmen, die über eine Belebung der Nachfrage berichteten. Dies dürfe jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass insbesondere die Stahlmärkte von weltweiten Überkapazitäten und einem harten internationalen Preiswettbewerb gekennzeichnet seien, erklärt IHK-Konjunkturexperte Stephan Jäger.

Beschäftigungsverhältnis

Analog zu den Umsatzeinbußen verlief auch die industrielle Beschäftigungsentwicklung: In Siegen-Wittgenstein sank sie um 1,3 Prozent. Unter dem Strich sind in der Industrie des gesamten IHK-Bezirks jedoch immer noch 0,5 Prozent mehr Mitarbeiter beschäftigt als vor einem Jahr. Klaus Gräbener: „Damit liegt das industrielle Beschäftigungsniveau so hoch wie seit über zehn Jahren nicht mehr.“

Weltpolitische Ereignisse

Ob der Syrienkrieg, der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland, die anhaltende Terrorgefahr oder der Regierungswechsel in den USA: Regionale Unternehmen nehmen politisch verursachte Unsicherheiten auf den Weltmärkten wahr.

Ejot erzielt zum Beispiel 65 Prozent des Umsatzes im Ausland. USA, China und Japan seien für den Berleburger Konzern starke Wachstumsmärkte, politische Ereignisse werden genau beobachtet: „Bisher ist unsere wirtschaftliche Situation stabil, trotz der politischen Schwankungen“, erklärt Andreas Wolf. Die Anschläge in der Türkei oder die angespannte Situation in Russland werden zum Teil mit Sorge und Beklommenheit wahrgenommen, gerade im Hinblick auf die Sicherheit der Mitarbeiter. Passiert sei bisher zum Glück noch nichts.

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