Tagebuch der Anne Frank

Otto Düsberg: „Heute Abend war ich so gerührt“

Mechthild Grabner, Valentina Schüler und Franziska Knetsch beeindrucken das Publikum in der szenischen Lesung. 

Mechthild Grabner, Valentina Schüler und Franziska Knetsch beeindrucken das Publikum in der szenischen Lesung. 

Foto: Wolfgang Thiel

Bad Laasphe.  Ihr Leben, Tod und Tagebuch stehen symbolisch für Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus und haben bis heute nichts an Relevanz eingebüßt.

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Zu einer szenischen Lesung aus Anne Franks Tagebuch mit dem Hessischen Landestheater Marburg hatten der Kulturring Bad Laasphe und die Volkshochschule Siegen-Wittgenstein in das Haus des Gastes eingeladen. In diesem Jahr wäre Anne Frank 90 Jahre alt geworden.

Ihr Leben, Tod und Tagebuch stehen symbolisch für die Gefahren von Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus und haben bis heute nichts an Relevanz eingebüßt. Der polnische Regisseur Tomasz Cymerman nähert sich dem berühmten Stoff in der szenischen Lesung mit den drei Schauspielerinnen Mechthild Grabner, Franziska Knetsch und Valentina Schüler, die beeindrucken.

Berührende Worte an „Kitty“

Bad Laasphes Altbürgermeister Otto Düsberg beschreibt in einem Nachgespräch die Leistung der drei Schauspielerinnen wie folgt: „Heute Abend war ich so gerührt.“ Eigentlich war es ein Poesiealbum. Fast quadratisch, mit rot-weiß-kariertem Stoffeinband und einem Verschluss auf der Vorderseite: Das Tagebuch der Anne Frank. Das jüdische Mädchen hat es zum 13. Geburtstag von seinen Eltern geschenkt bekommen. Am 12. Juni 1942 schreibt sie ihren ersten Eintrag: „Ich werde, hoffe ich, dir alles anvertrauen können, wie ich es bei noch niemandem gekonnt habe, und ich hoffe, du wirst mir eine große Stütze sein.“ Adressatin der Zeilen ist eine imaginäre Freundin namens Kitty.

Hessisches Landestheater Marburg

Das Hessische Landestheater Marburg stellt das Werk in all seiner jugendlichen Leichtigkeit, Aufmüpfigkeit und auch Schwere in der Lahnstadt auf die Bühne, um zu erinnern und zu mahnen. Die Tagebuchschreiberin war 1934 mit ihren Eltern und ihrer Schwester aus Frankfurt am Main in die Niederlande ausgewandert, nachdem die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergriffen hatten. In Amsterdam taucht die Familie unter, als Annes Schwester Margot im Juli 1942 einen Aufruf für die Deportation in das Lager Westerbork erhält, einem Durchgangslager für Juden in den Niederlanden. Gut zwei Jahre verstecken sie sich zusammen mit der Familie van Pels und dem Zahnarzt Fritz Pfeffer in einem Hinterhaus des Firmengebäudes von Annes Vater Otto Frank in der Prinsengracht 263. Was Anne Frank ihrem Tagebuch anvertraut, gehört zu den erschütterndsten Berichten über die Judenverfolgung in der NS-Zeit.

„Juden müssen einen Judenstern tragen, Juden müssen ihre Fahrräder abgeben, sie dürfen nicht ins Theater, Kino oder Schwimmbad, sie dürfen quasi überhaupt nichts mehr“, schreibt Anne Frank in ihr Tagebuch. Sie verarbeitet Eindrücke und Erlebnisse, berichtet von ihrer ersten Periode genau wie von der ersten Liebe Peter.

Letzter Eintrag

Die letzten Aufzeichnungen stammen vom 1. August 1944. Darin heißt es: „Ich habe große Angst, daß alle, die mich kennen, wie ich immer bin, entdecken würden, daß ich eine andere Seite habe, eine schönere und bessere. Ich habe Angst, daß sie mich verspotten, mich lächerlich und sentimental finden, mich nicht ernst nehmen.“ Mit diesem Eintrag endet Annes Tagebuch, drei Tage, bevor sie und ihre Familie von der SS entdeckt und nach Auschwitz deportiert wurden. Anne stirbt im Februar 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen – mit gerade mal 15 Jahren.

Ihr Vater Otto überlebt als Einziger und veröffentlicht nach dem Krieg Annes Tagebuch. Das Tagebuch ist in mehr als 70 Sprachen übersetzt und Weltdokumenterbe der Unesco. 1,2 Millionen Touristen stehen in Amsterdam jedes Jahr vor dem Museum mit dem Hinterhausversteck Schlange, die Aufzeichnungen Annes werden von Tausenden von Schülern im Unterricht gelesen.

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