Modelbusiness

Wie ein Model aus Bad Berleburg zur Pariser Fashion Week kam

Marisa Martini ist unter anderem für die Pariser und Shanghai Fashion Week gelaufen. 

Marisa Martini ist unter anderem für die Pariser und Shanghai Fashion Week gelaufen. 

Foto: Privat

Bad Berleburg/Frankfurt.  Marisa Martini (24) kommt aus Bad Berleburg und feiert internationale Erfolge als Model – unter anderem als Werbegesicht für den Opel Corsa E.

Sie hat bereits in Shanghai und Bangkok gelebt, ist auf der Pariser Fashion Week gelaufen und spielt aktuell in dem Werbespot für den Opel Corsa E mit. Klingt nach einem erfolgreichen Jet-Set-Leben, das Marisa Martini führt. Zurzeit bereitet sich die 24-Jährige aber vor allem auf ihr Erstes Staatsexamen an der Goethe-Universität in Frankfurt vor, das die Jurastudentin im Oktober 2020 ablegen möchte. Um in dieser stressigen Zeit ein wenig Kraft zu tanken, kommt Marisa immer wieder gerne nach Berleburg, in ihre Heimat zurück. „Hier ist meine Familie, bei der ich immer wieder meine Ruhe finden kann“, sagt sie.

Die Anfänge

Marisas Model-Karriere war alles andere als geplant und verlief auch nicht wie in einem Gisele-Bündchen-Märchen, in dem sie auf der Straße von einem Talentscout entdeckt wurde. „Die Fotografin Anna Heupel aus Siegen hatte damals einen Facebook-Aufruf gestartet, weil sie Models für ein Shooting gesucht hat. Da war ich gerade 18 Jahre alt und auf diesem Gebiet noch total unerfahren“, erzählt Marisa.

Auch Anna Heupel steckte zu dieser Zeit noch in in ihren fotografischen Anfängen; mittlerweile hat sie sich als Bloggerin selbstständig gemacht und hat allein auf Instagram 119.000 Abonnenten. Sie war es auch, die Marisa dazu ermutigte, sich bei einer Model-Agentur zu bewerben. „Und weil mir das Shooting mit Anna so viel Spaß gemacht hatte, dachte ich, dass ich es einfach mal probieren könnte“, sagt Marisa. Sie schickte eine Bewerbung an eine kleine Kölner Agentur, wurde zum Casting eingeladen, bei dem sie laufen und ein paar Probe-Fotos von sich machen lassen sollte und bekam schließlich eine Zusage. Die erste Bewerbung, der erste Erfolg.

Der Durchbruch

„Ein gutes halbes Jahr später hatte ich mein erstes Test-Shooting, sogar mit Magazin-Veröffentlichung“, erinnert sich Marisa. Die Fotos wurden in erster Linie gemacht, um ein Portfolio – ein Model-Book – von ihr zu erstellen. Unbezahlte Arbeit, die aber notwendig ist, um überhaupt Aufträge zu bekommen. Eine Wiener Model-Agentur wurde daraufhin auf Marisa aufmerksam und nahm sie unter Vertrag. „Die Agentur hatte vor allem gute Kontakte nach Asien. Bald wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, eine Weile im Ausland zu arbeiten.“

Vor allem Marisas weißblonde Haare, die sie zu der Zeit noch trug, waren auf dem asiatischen Markt sehr gefragt. Sie ergriff ihre Chance – und pausierte ihr Jurastudium für ein Jahr. „Meine Eltern fanden das natürlich erst mal nicht so toll“, gesteht Marisa und lacht. „Aber sie haben mir vertraut, dass ich weiß, was ich tue. Ich fand es spannend, Auslandserfahrungen zu sammeln, die mir später beruflich weiterhelfen können.“

Der Erfolg

Im November 2017 ging Marisa schließlich nach Bangkok, im März 2018 zog sie noch mal für drei Monate nach Shanghai. Bei bis zu zehn Castings pro Tag stellte sie sich vor, wie Hunderte andere Models auch. Der Konkurrenzkampf war groß, zumal Marisa für den Laufsteg eigentlich zu klein ist. „Die internationale Mindestgröße liegt bei 1,76 Meter, da hatte ich es mit meinen 1,73 Meter nicht immer leicht.“ Mit ihrem außergewöhnlichen Look schaffte sie es dennoch sich durchzusetzen: Sie wurde unter anderem für die Shanghai Fashion Week gebucht oder machte Shootings für Modemagazine.

Die Entscheidung

Trotzdem kam Marisa nicht bei allen Kunden an. „Im Fashion-Bereich ist nur sehr dünn gefragt. Da wurde mir hin und wieder gesagt, dass ich zu muskulös sei.“ Bereits als Kind habe sie viel Sport gemacht, heute geht sie ins Fitnessstudio oder joggt, um sich fit zu halten. „Als Model muss man schon zusehen, in seiner bestmöglichen Form zu sein“, meint Marisa. Für sie sei das aber kein quälender Verzicht, sondern eine Lebenseinstellung. Sie ernährt sich zum Beispiel vegan – „nicht, weil es mein oberstes Ziel ist, dünn zu sein, sondern weil ich mich dafür aus ethischen, ökologischen und gesundheitlichen Gründen entschieden habe.“

Mit ihren aktuellen Maßen 85 – 63 – 89 ist Marisa dem klassischen Ideal-Maß schon sehr nah; allerdings werden im High-Fashion und Catwalk-Bereich vor allem androgyne Körper bevorzugt. Eine Zeit lang versuchte Marisa sich dahingehend anzupassen. „Ich habe aber irgendwann gemerkt, dass ich mich da ‚hineinzwängen‘ musste und es mir körperlich nicht mehr so gut ging.“ Auch das war ein Grund, warum sie sich mehr in Richtung Commercial, also Werbung, spezialisierte. Dort spielen Maße im Vergleich zur Persönlichkeit nämlich eher eine Nebenrolle.

Für Marisa sind die Zeiten der Casting-Marathons vorbei – vorerst. Momentan konzentriert sie sich vor allem auf ihr Studium und ihre Abschlussprüfungen. Ein Ende der Modelkarriere bedeutet das aber nicht. „Ich kann mir durchaus vorstellen, nach meinem ersten Staatsexamen wieder übergangsweise als Model zu arbeiten.“ Anfragen bekomme sie jedenfalls regelmäßig.

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