Corona

Corona: Mülheim droht über Nacht zum Risikogebiet zu werden

Regina und Karl Arnold Driesen genossen am Mittwoch ihren Kaffee im Stadtcafé Sander. Sollte Mülheim über Nacht zum Risikogebiet werden, drohen auch wieder weitergehende Beschränkungen für das öffentliche Leben.

Regina und Karl Arnold Driesen genossen am Mittwoch ihren Kaffee im Stadtcafé Sander. Sollte Mülheim über Nacht zum Risikogebiet werden, drohen auch wieder weitergehende Beschränkungen für das öffentliche Leben.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Mülheim.  Mülheim droht über Nacht zum Corona-Hotspot zu werden. Ein kritischer Inzidenz-Wert nahe 50 ist bereits erreicht. Mit ersten Folgen für Bürger.

Mülheim droht schon in der Nacht zum Donnerstag zum Corona-Hotspot erklärt zu werden. Der Wert der Sieben-Tage-Inzidenz schnellte bereits am Mittwoch auf 44,5 hoch. Dass das Robert-Koch-Institut (RKI) noch in der Nacht den kritischen Wert von 50 aufwärts feststellen wird, gilt als hoch wahrscheinlich.

In der Nacht zum Mittwoch hatte die Stadt bereits den ersten Warnwert von 35 neuen Infektionsfällen je 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage deutlich überschritten. Dass die Zahlen so hochgeschnellt sind, erklärte Stadtsprecher Volker Wiebels am Mittwoch so: „Die umliegenden Städte verzeichnen bereits seit längerer Zeit höhere Fallzahlen. Es war daher nur eine Frage der Zeit, bis die höheren Infektionszahlen nach Mülheim herüberschwappen. Es handelt sich größtenteils um Einzelfälle, teilweise um familiäre Ausbrüche oder Gruppen von Reiserückkehrern.“

Mülheimer sagen ihre Hochzeitsfeiern und Geburtstagspartys unter Tränen ab

Die neue Coronaschutzverordnung gab bereits am Mittwoch neue Regeln für private Feiern vor: Die Teilnehmerzahl ist ab sofort auf maximal 50 Teilnehmer reduziert, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert von 35 erreicht. Die schärferen Regeln für private Feiern ließen laut einer Mitarbeiterin des Ordnungsamtes schon am Mittwoch manche Tränen fließen bei Bürgern, die ein größeres Fest geplant hatten.

Jene Feiern könnten wegen des Vertrauensschutzes in angemeldeter Form (bis zu 150 Gästen) nur stattfinden, wenn der Inzidenz-Wert unter 35 bleibt. Dies war aber nun am Mittwoch schon nicht mehr der Fall. Schon am frühen Nachmittag hatten sechs Bürger ihre Anmeldungen beim Ordnungsamt aufgrund der aktuellen Entwicklungen von sich aus zurückgezogen. Andere hätten ihre Teilnehmerzahl reduziert, hieß es.

Am Donnerstag berät der Mülheimer Krisenstab weitergehende Beschränkungen

„Die Leute sind jetzt natürlich geschockt“, so eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes. Größtenteils seien Hochzeitsfeiern, aber auch Partys zu runden Geburtstagen betroffen. Das Ordnungsamt nimmt bislang großes Verständnis für die verschärften Regeln wahr. Die betroffenen Bürger, die eine Party planten, seien zwar traurig, der Behörde sei aber keine Wut entgegengeschlagen. Es könnte noch schlimmer kommen: Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 50 wird die Teilnehmerzahl bei privaten Feiern auf 25 Teilnehmer reduziert.

Am Donnerstag wird der städtische Krisenstab wieder tagen. Dabei wird es auch darum gehen, die neuen Vorgaben des Landes durch eine Allgemeinverfügung zu geltendem Ortsrecht zu machen. Sollte dann der Wert von 50 gerissen sein, stehen weitergehende Beschränkungen an.

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Andere Städte haben Sperrstunden verhängt, Maskenpflicht in einigen Innenstädten

Andere Ruhrgebietsstädte haben bereits Sperrstunden für die Gastronomie verhängt. In Duisburg etwa klappen die Zapfhähne um 1 Uhr hoch. Die Regelung gilt auch für den Verkauf von alkoholischen Getränken an Trinkhallen.

Reichlich Verwirrung bei den Bürgern stiftete die Stadtverwaltung zuletzt mit ihren veröffentlichten Corona-Zahlen. Einmal täglich, immer um 12 Uhr, werden die Daten auf der städtischen Webseite ausgespielt. Sie sind dann immer schon einen Tag alt, weil sie zunächst ans Robert-Koch-Institut und NRW-Landeszentrum Gesundheit (LZG) gesendet, dort verarbeitet und dort errechnete Daten an die Stadt zurückgeschickt werden. Zuletzt stimmten die ausgewiesenen Zahlen von Stadt, RKI und LZG aber selten überein. Seit Dienstag wurde immerhin an allen drei Stellen der gleiche Inzidenz-Wert ausgewiesen. Während die Stadt aber 756 Infizierte seit Beginn der Corona-Statistik auswies, waren es bei RKI und LZG nur 738.

Stadt Mülheim hat keine Probleme bei der Nachverfolgung von Kontakten

Mit der Nachverfolgung der Infektionsketten hat das Mülheimer Gesundheitsamt nach eigener Aussage bislang nicht die Probleme, über die andere Städte klagen. „Aktuell ist die Kontaktpersonennachverfolgung gegeben“, sagt Stadtsprecher Wiebels. Durch die hohen Fallzahlen in ganz Deutschland könne es aber zu Verzögerungen bei der Weitermeldung zwischen den Gesundheitsämtern kommen.

Die Corona-App der Bundesregierung sei derweil keine große Stütze bei der Nachverfolgung. Bisher gebe es keine großen Erfahrungen mit der App. „In manchen Fällen führt die Meldung über einen Risikokontakt zu unbegründeter Panik bei den Betroffenen“, merkt Wiebels dazu kritisch an.

Hochschule in Styrum weist Gerüchte zurück, sie sei Hotspot

Die Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung des Landes NRW (HPSV) wies am Mittwoch unterdessen ein Gerücht zurück, wonach am Standort Dümptener Straße in Styrum aktuell rund 50 Infektionen bei Mitarbeitern, Lehrenden und Studierenden bekannt seien. HPSV-Sprecher Carsten Paals sagte auf Anfrage, dass die Zahl von 51 Infektionsfällen sich vielmehr auf die gesamte Zeit der Corona-Pandemie seit Februar und auf alle zehn Standorte der Hochschule in Nordrhein-Westfalen beziehe. In Mülheim seien seit Februar lediglich vier Fälle bekannt geworden.

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Paals wies darauf hin, dass die HPSV ein „sehr strenges Corona-Management“ fahre. Wenn ein Studierender, Lehrender oder Mitarbeiter einen Infektionsfall allein in seinem privaten Umfeld bekannt mache, schicke die Hochschule ganze Kurse in Quarantäne und stelle auf digitale Veranstaltungen um, bis die Infektionslage geklärt sei.

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