Coronaschutz in den Schulen

Schulstart in NRW: So soll das neue Schuljahr ablaufen

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Bund stellt 200 Millionen Euro für Luftfilter in Schulen bereit

Bund stellt 200 Millionen Euro für Luftfilter in Schulen bereit

Das Bundeskabinett hat eine Förderung für mobile Luftfilter in Schulen beschlossen. Der Bund stellt den Ländern und Kommunen dafür 200 Millionen Euro zu Verfügung. in a Berlin primary school

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Düsseldorf.  So soll der Start in das Schuljahr 2021/22 in NRW ablaufen. Schulministerium kündigt Impfangebote in allen weiterführenden Schulen an.

  • Schulstart in NRW: Am 18. August kehren die Schülerinnen und Schüler in NRW in die Klassenräume zurück. Die Gemengelage könnte allerdings viel unterschiedlicher kaum sein.
  • NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer will alles dafür tun, den Präsenzunterricht unabhängig von den Inzidenzen sicherzustellen. Wechselunterricht soll es an den Schulen in NRW nicht mehr geben.
  • Zum Schulstart am 18. August hat NRW auch die Quarantäne-Regeln für Schüler angepasst: Künftig gelten demnach nur noch die direkten Sitznachbarn des "Quellfalls" sowie Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal, die in engem Kontakt standen, als enge Kontaktpersonen und müssten in Quarantäne. Mit einem PCR-Test können sich die Personen freitesten lassen.
  • An weiterführenden Schulen soll es für Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren Impfangebote geben.

Vorfreude, Skepsis, Ängste: Am 18. August hat die Schule in NRW wieder begonnen und im dritten Schuljahr unter Corona-Bedingungen lassen sich die Erschwernisse der Corona-Pandemie nicht ausblenden. Ärzte hatten im Vorfeld vor weiteren Schulschließungen gemahnt, Eltern und Lehrer-Verbände kritisierten, dass die Sommerferien erneut nicht ausreichend für einen verbesserten Infektionsschutz genutzt worden seien. Schulministerin Yvonne Gebauer sieht die Schulen dagegen gut gerüstet.

Zum neuen Schuljahr 2021/22 hat das Land NRW die Durchschnittsbeträge für Schulbücher um 30 Prozent erhöht. Die Anpassung beziehe sich sowohl auf den Anteil für die Schulträger als auch der Eltern. Mit der Anhebung stehen dem Ministerium zufolge landesweit rund 30 Millionen Euro mehr für Lernmittel zur Verfügung.

Schulstart in NRW: Ministerin erklärt Rahmenbedingungen

„Zu einer Ausstattung, die unseren Ansprüchen gerecht wird, gehören selbstverständlich auch zeitgemäße Schulbücher – ob als herkömmliches Schulbuch oder als neues digitales Schulbuch mit all seinen zusätzlichen Möglichkeiten der Wissensvermittlung“, teilte Gebauer mit.

Dabei kommt der Ausbau schneller Glasfasernetze einem Medien-Bericht zufolge in NRW nur schleppend voran. Demnach hatten 15 Prozent der Haushalte Ende 2020 einen Glasfaser-Anschluss. Bei den Schulen habe der Anteil bei 12,3 Prozent gelegen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, wie die „Rheinische Post“ am Montag berichtete. Demgegenüber seien 32 Prozent der Gewerbegebiete mit Glasfaserleitungen versorgt.

Schulstart in NRW: Ausbau des Glasfasernetzes stockt

„Bei dem Ausbautempo dauert es mehr als 25 Jahre, bis alle Haushalte in NRW einen Glasfaseranschluss bekommen“, sagte Oliver Krischer, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der
Grünen im Bundestag, der Zeitung.

Am Freitagvormittag informierte die Ministerin bei der Landespressekonferenz, unter welchen Rahmenbedingungen in der kommenden Woche das Schuljahr 2021/22 an den Schulen in NRW beginnt. Gebauer betonte, dass sie alles dafür tun werde, den Präsenzunterricht unabhängig von Inzidenzen sicherzustellen. Es soll keinen Wechselunterricht mehr geben.

NRW legt Sonderprogramme gegen coronabedingte Lernrückstände auf

Mit rund 500 Millionen Euro aus Landes- und Bundesmitteln sollen in NRW künftig Lernrückstände infolge der Corona-Pandemie aufgearbeitet werden. Das Geld fließt zum einen in gezielte Lernprogramme schulischer und außerschulischer Bildungsträger. Das Land werde die Schulen auch mit Extra-Budgets und Pauschalen etwa für zusätzliches Personal unterstützen.

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Schülerinnen und Schüler sollen Bildungsgutscheine erhalten, mit denen sie externe Bildungsangebote wahrnehmen können, um Lerndefizite zu beseitigen. Das Landesinstitut für Schule hat ein Online-Portal mit Materialien zusammengestellt, um Lehrkräfte bei Lernstandsdiagnosen und einer passgenauen individuellen Förderung zu unterstützen. Das Portal ist seit Mitte Juli freigeschaltet.

Außerdem soll es einen "Extra-Blick Bewegung" geben, hier kooperiert das Land mit dem Landessportbund. Ziel ist es, die Verzögerungen bei der grobmotorischen Entwicklung vieler Kinder aufzuarbeiten, da während der Corona-Pandemie Sportunterricht aber auch Angebote bei Sportvereinen ausgefallen sind. Fortgeführt wird auch das Angebot "Extra-Zeit zum Lernen in NRW" mit den Jugendherbergen.

Mit der Säule "Extra-Geld" stellt das Land Schulen, Schulträgern und Ersatzschulträgern Finanzmittel zur Verfügung, die sie zum Aufholen von pandemiebedingten Lernrückständen benötigen. Das Budget kann jede Schule auch für Besuche außerschulischer Lernorte aber auch für den Kauf von Lizenzen für Förderprogramme einsetzen.

Für die Säule "Extra-Personal" stehen insgesamt 160 Millionen Euro zur Verfügung. In Abstimmung zwischen Schulen und Schulaufsicht können Schulen befristet Personal einstellen, um die Lernrückstände aufzuholen. Eingestellt werden können Lehrkräfte aber auch sozialpädagogisches Personal. Zusätzliches Personal gibt es auch im OGS-Angebot, das Programm "Alltagshelfer" wurde deshalb weiterentwickelt.

Neue Quarantäneregeln: Nur noch direkte Sitznachbarn in Quarantäne

Änderungen gibt es an dem oft kritisierten Vorgehen bei positiven Corona-Tests. Künftig gelten demnach nur noch die direkte Sitznachbarn des "Quellfalls" (davor, dahinter, direkt daneben) sowie Lehrkräfte und weiteres Schulpersonal, die in engem Kontakt standen, als enge Kontaktpersonen und müssten in Quarantäne. Mit einem PCR-Test können sich Kontaktpersonen ohne Karenzzeit "freitesten" lassen. Vollständig geimpfte Schülerinnen und Schüler, die keine Symptome zeigen, sind davon ausgenommen, so die Ministerin, sie müssen also generell nicht in Quarantäne.

Wenn die restliche Klasse während des Unterrichts eine Maske getragen hat und alle übrigen Hygiene-Maßnahmen und Abstandsregeln eingehalten wurden, sollen die Gesundheitsämter der Städte und Kreise auf eine Einstufung als enge Kontaktperson absehen. Allerdings können die örtlichen Gesundheitsämter strengere Quarantäne-Kriterien für Kontaktpersonen definieren, schränkte Gebauer ein.

Schulstart in NRW: Präsenzunterricht und Maskenpflicht

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hofft im neuen Schuljahr auf eine "größtmögliche Normalität" an den Schulen. Bis auf drei Schulen, die durch die Hochwasser-Katastrophe stark beschädigt wurden, wird landesweit mit Präsenzunterricht gestartet. Weiterhin gilt im Gebäude und im Unterricht die Maskenpflicht.

Ungeimpfte Schüler müssen Tests nicht zahlen, Lehrer schon

Bei den verpflichtenden zwei Schnelltests pro Woche - nachweislich Geimpfte und Genesene werden davon befreit - seien alle organisatorischen und logistischen Vorkehrungen „für einen reibungslosen Ablauf ab Tag eins“ getroffen.

Nicht geimpfte volljährige Schülerinnen und Schüler an den Berufskollegs müssen auch nach den Herbstferien die verpflichteten Schnelltests an den Schulen nicht selbst bezahlen. Für Lehrkräfte, die sich bis Oktober nicht haben impfen lassen, werden die Selbsttests hingegen kostenpflichtig.

Gebauer kündigt Impfangebote in Schulen ab Sekundarstufe 1 an

Hatte das Schulministerium "aufsuchende Impfangebote" zunächst nur für Berufskollegs in Nordrhein-Westfalen geplant, soll es nun auch Impfangebote für alle Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahren geben. Diese Angebote sind an allen Schulformen ab der Sekundarstufe 1 geplant, erklärte die Ministerin am Mittwoch. Zwei Tage zuvor hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) die Impfung auch für Zwölf- bis 17-Jährige allgemein empfohlen.

Die Stadt Düsseldorf hatte bereits im Vorfeld angekündigt, ab dem 25. August Impfungen an elf weiterführenden Schulen in allen Stadtbezirken anzubieten - für alle ab 12 Jahren.

Corona und Schule in NRW: Lüften statt Luftfilter an den meisten NRW-Schulen

Für Luftfilter stellt das Land den Schulträgern erneut Millionenbeträge bereit. NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach mahnte jedoch vom an der Finanzierung beteiligten Bund eine schnelle Verwaltungsvereinbarung an, ohne die das Land keine Förderrichtlinie erlassen und man in den Kommunen nicht an die Umsetzung gehen könne. Vertretern kommunaler Spitzenverbände zufolge ist Fensteröffnen die beste, an den meisten Schulen auch mögliche Methode. Lüftungsanlagen seien nicht zwingend überall erforderlich.

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GEW-Landeschefin Ayla Çelik, sagte dagegen, weil Luftfilter die Virenlast nachweislich senkten, seien sie als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme flächendeckend sicherzustellen. Auch nach Ansicht der Grünen-Landtagsfraktion war die Förderung bei Luftfiltern bisher „halbherzig“. (mawo/mit dpa/epd)

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