Urlaub

Risikogebiet Kreis Olpe: „Gäste dürfen kommen und bleiben“

Maartje und Erwin Cuvelier haben noch Betten frei. Holländische und belgische Gäste gibt es derzeit nicht in ihrem Waldhotel Einstein in Böminghausen.

Maartje und Erwin Cuvelier haben noch Betten frei. Holländische und belgische Gäste gibt es derzeit nicht in ihrem Waldhotel Einstein in Böminghausen.

Foto: Roland Vossel / WP

Kreis Olpe.  Ausgerechnet in den Herbstferien wird der Kreis Olpe zum Corona-Risikogebiet. Die Hotels sind noch gut belegt – nur eine Zielgruppe fehlt.

Die bedrohlich steigenden Corona-Zahlen treiben auch den Hoteliers im Kreis Olpe die Sorgenfalten auf die Stirn. Gerade jetzt in den Herbstferien gab es immer viele Buchungen. Angesichts der Pandemie herrscht aber große Unsicherheit. Nun kommt auch noch hinzu, dass die Gäste aus Holland und Belgien aktuell nicht kommen. Hintergrund: Da dort Risikogebiete sind, müssen sie bei der Ankunft im Hotel einen höchstens 48 Stunden alten negativen Coronatest vorweisen. Und das ist schier unmöglich.

Dies bestätigt die Holländerin Maartje Cuvelier, die mit ihrem aus Belgien stammenden Mann Erwin das Waldhotel Einstein in Kirchhundem-Böminghausen betreibt, auf Anfrage unserer Redaktion: „Das geht nicht, weil in Holland die Testkapazitäten nicht überall da sind und die Wartezeiten bis zu zwei Wochen dauern. Da ist es fast unmöglich, das in 48 Stunden zu bekommen.“ Im Sommer seien noch viele Gäste aus Holland und Belgien gekommen. Vor zwei Wochen habe es aber schon Absagen gegeben: „Die letzten Gäste aus Holland mit Motorrädern, die noch gebucht hatten, haben wir angerufen und dann storniert, weil sie es nicht schaffen mit dem Test.“ Folge ist, dass derzeit nur acht, neun Gäste da seien bei einer Kapazität von 30 Betten, so Maartje Cuvelier: „Im Moment haben wir mehr deutsche Gäste und Waldarbeiter.“

Keine leichte Situation für Maartje und Erwin Cuvelier. „Normalerweise kommen 60 Prozent unserer Gäste aus Holland und Belgien, 30 Prozent sind Deutsche und der Rest kommt von überall her. Aber jetzt gibt es keine Holländer, keine Belgier und keine Motorräder“, berichtet der Hotelier. Auch Seminare an drei ausgebuchten Wochenenden im November seien bereits abgesagt worden. Dennoch ist das Paar, das den Humor nicht verloren hat, guten Mutes: „Es ist schwierig, aber wir kommen dadurch.“ Der letzte Sommer sei der beste gewesen in den vergangenen fünf Jahren seit sie das Waldhotel Einstein leiten, so Maartje Cuvelier: „Wir haben im Sommer viel an die Seite getan für den Winter. Sonst haben wir immer investiert, dieses Jahr nicht. Wir sind sparsam.“

Vermehrt Stornierungen

In den letzten Tagen habe es vermehrt Stornierungen von Holländern und Belgiern gegeben, berichtet auch Luisa Möser, Mitarbeiterin der Tourist-Information Lennestadt & Kirchhundem: „Da tut sich leider im Moment einiges. Die betroffenen Betriebe haben gesagt, dass sie jetzt Kapazitäten frei haben.“ Innerdeutsch sei die Reiselust jedoch immer noch da: „Gerade jetzt in den Herbstferien sind noch gut Gäste hier. Es kommen immer auch noch spontan Urlauber. Bisher gibt es noch keinen Einbruch, aber man muss abwarten.“

Mit der Erklärung des Kreises Olpe zum Risikogebiet gebe es jetzt eine Verunsicherung, ob Gäste noch kommen können und Gäste, die hier sind, nach Hause geschickt werden müssen. „Aktuell können Gäste noch kommen und dürfen hier bleiben“, so Luisa Möser zum Stand am Mittwoch.

Holländer und Belgier kämen vor allem im Sommer, sagt Nicole Kämpfer, zuständig für Verkauf und Marketing beim Landhotel Wacker in Brün: „Jetzt kommen die Gäste hauptsächlich aus Deutschland, unter anderem Geschäftskunden. Da haben wir kaum Stornierungen.“

Im September habe man noch viele holländische Gäste gehabt, in letzter Zeit nicht mehr, so Tamara Kanis, Mitarbeiterin an der Rezeption des Hotel Platte in Niederhelden. Viele Reservierungen seien aufgrund der aktuellen Lage sehr kurzfristig: „Die Leute warten ab, ob sie kommen können. Wir haben jetzt viele Feriengäste mit Kindern und sind ganz gut gebucht in den Herbstferien.“

Aufgrund der aktuellen Situation gebe es derzeit weder Buchungen aus den Niederlanden, noch aus anderen europäischen Ländern, berichtet Jens Boenicke, Betreiber des Campingplatzes Hof Biggen in Attendorn: „Bei den Tourismusgästen aus Deutschland ist die Buchungssituation positiv zu bewerten. Es liegt eine deutliche Steigerung der Übernachtungszahlen vor. Der Urlaub mit eigenem Campingfahrzeug bzw. im hochwertigen Mietobjekt wird trotz oder gerade wegen der Corona-Pandemie bevorzugt. Einige Gäste haben ihre gebuchten Aufenthalte bei uns, trotz des unbeständigen Wetters, sogar verlängert. Stornierungen liegen bei Gästen aus Deutschland derzeit nicht vor.“

Viel Überzeugungsarbeit

Seit der Wiedereröffnung im Mai habe es eine ganze Flut von Absagen gegeben, sagt Michael Kuhlmann, Inhaber des Hotels Haus Hilmeke in Störmecke bei Saalhausen: „Unser Haus ist jetzt gut belegt, aber nur mit deutschen Gästen.“ Es kämen ohnehin nur wenige holländische Urlauber: „Wir haben angeboten, dass sie mit Test kommen können, aber sie meinten, dass sie das nicht hinbekommen. Da hatte sich das erledigt.“

Es sei ein unheimlich weiter Weg gewesen, bis die Gäste in der Coronazeit wieder gekommen sind, meint Michael Kuhlmann, der viel Überzeugungsarbeit am Telefon leisten musste: „Wenn sie dann aber hier sind und sehen, wie wir das Hygienekonzept umsetzen und den ersten Kaffee und Kuchen und die erste Mahlzeit zu sich genommen haben, dann sind sie beruhigt. Die Gäste freuen sich dann, wenn sie hier sind.“

Er hoffe, dass das so bleibt, betont der Chef von Haus Hilmeke. Mit ein bisschen Besorgnis schaue man jeden Tag auf die steigenden Zahlen. Man müsse die Reaktionen und Maßnahmen abwarten, so Michael Kuhlmann, der betont: „Wichtig ist, dass unsere Gäste hier mitten im Grünen einen schönen Urlaub verbringen können.“

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