Coronavirus

Umfrage: Viele Niederländer finden härtere Regeln in Ordnung

Robert Lievers vom Restaurant De Snor in 's-Heerenberg befürchtet, dass viele seiner Kollegen bald aufgeben müssen.

Robert Lievers vom Restaurant De Snor in 's-Heerenberg befürchtet, dass viele seiner Kollegen bald aufgeben müssen.

Foto: Andreas Gebbink / NRZ

Emmerich.  Auf dem Marktplatz in Emmerich-Elten kann man viele besorgte Niederländer sprechen, die sich jetzt dringend schärfere Corona-Regeln wünschen.

Kriegen die Niederlande die Corona-Pandemie noch in den Griff? Die Zahlen schnellen in die Höhe und liegen im Vergleich zum Kreis Kleve sechs Mal so hoch. Die Infektionszahl liegt bei 236 je 100.000 Bewohner je Woche. Und seit Mittwoch gelten deutlich schärfere Maßnahmen im Nachbarland. Unter anderem müssen alle Restaurants und Kneipen für vier Wochen schließen.

Robert Lievers vom Restaurant De Snor in ‘s-Heerenberg stellt sich auf eine harte Zeit ein: „Ich befürchte, dass dies für viele Betriebe jetzt der Todesstoß ist. Wir hatten bereits im Frühjahr zehn Wochen geschlossen. Jetzt mindestens noch vier weitere Wochen. Das überleben viele wirtschaftlich nicht. Es gibt ja quasi keine Einnahmen“, sagt der Mitarbeiter von de Snor, der das Restaurant im kommenden Jahr übernehmen wird. Persönlich glaubt er, die Krise noch überstehen zu können: „Wir hatten einen sehr guten Sommer und dies ist ein gut laufendes Restaurant“, so Lievers.

Viele Deutsche sehe man allerdings nicht mehr in ‘s-Heerenberg. Normalerweise lebe der Wochenmarkt von den deutschen Kunden, aber am vergangenen Donnerstag hätten sich nur noch vereinzelt deutsche Marktbesucher nach ‘s-Heerenberg verirrt. „Das trifft auch uns als Gaststätte“, sagt er.

Auf dem Markt in Elten kann man ebenfalls viele besorgte Niederländer sprechen. „Wir waren mit unseren Vorgaben viel zu lax. Ich halte es für sehr vernünftig, wenn jetzt mal zwei bis drei Wochen hart durchgegriffen wird und alles streng gehandhabt wird. Wir müssen Corona deutlich zurückdrängen“, sagt Frank Desteli, der in Elten einen Spirituosen-Geschäft führt. 95 Prozent seiner Kunden sind Niederländer.

„Wir sind nicht alle vernünftig“

Zum Beispiel Theo und Yvonne Kampschreuer aus Groessen. Das Ehepaar ist besorgt über die Situation. „Wir haben drei Töchter, die im ganzen Land verteilt leben. Da sind Familienzusammenkünfte zurzeit nicht möglich. Ich denke, dass wir dringend eine Maskenpflicht einführen müssen“, sagt Yvonne Kampschreuer. „Unser Ministerpräsident betont zwar immer, dass wir alle vernünftige Menschen sind, die eigenverantwortlich handeln können. Aber nein, wir sind nicht alle vernünftig.“

In der Tat falle es Niederländern mitunter schwer, sich an Regeln zu halten: „Niederländern schreibt man nicht so schnell etwas vor. Die machen ihre eigenen Regeln“, lacht Frank Desteli. Daher müsse man sich mit Argumenten überzeugen. Er habe aber festgestellt, dass immer mehr Landsleute bereit seien, freiwillig eine Maske zu tragen.

„Strengere Maßnahmen sind absolut gerechtfertigt“

So wie die zwei ältere Damen aus Didam, die am Eltener Markt sich auf eine Tasse Kaffee getroffen haben. Sie wollen zwar nicht namentlich erwähnt werden, aber sie berichten gerne über ihre Einschätzungen: „Ich ärgere mich wirklich sehr über das Verhalten mancher Mitmenschen. Im Supermarkt gibt es immer noch Leute, die keinen Mundschutz tragen. Das geht so nicht mehr. Ich persönlich kaufe nur noch morgens früh um 8 Uhr ein und versuche Menschenansammlungen zu vermeiden.“ Sie hält die strengeren Maßnahmen für absolut gerechtfertigt.

Das sieht auch ein 71-Jähriger aus Babberich so, der mit seiner Frau kurz zum Bäcker gefahren ist, um Kuchen zu kaufen. „Es ist so: Man kann letztlich nichts machen. Ich passe immer auf und trage freiwillig einen Mundschutz. Was soll ich noch mehr tun?“ Auch er möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. „Ich glaube nicht, dass in Deutschland alles besser läuft. Nehmen Sie zum Beispiel die Einkaufskarren im Supermarkt. In den Niederlanden werden die Karren desinfiziert. In Deutschland nicht. Da trägt man Mundschutz. Hm.“

Albert Jansen: Es ist wichtig, dass die Grenzen offen bleiben

Gisela Gönnert sitzt auf dem Markt und schaut dem regen Treiben der Autos zu. Die Bewohnerin des Martinus-Stifts genießt ihren Kaffee und ein Stückchen Kuchen. Sie war früher Allgemeinärztin in Hüthum und macht sich noch keine Sorgen über die Situation im Nachbarland: „Ich sehe das weitestgehend gelassen. Wissen Sie, ich bin mit elf Jahren als Ostflüchtling von der polnischen Grenze geflohen. Ich habe schon anderes erlebt als Corona.“

Ortsvorsteher Albert Jansen blickt mit großem Interesse auf die andere Seite der Grenze. Er weiß, dass die Nachbarn auch ihre Corona-Regeln haben, aber man im Bereich der Maskenpflicht etwas freizügiger war. „Ich bin weit davon entfernt, den Niederländern gute Ratschläge zu geben. Schauen Sie sich unsere Großstädte an, da grassiert auch die Pandemie und so ist das in den Niederlanden auch“, sagt Jansen.

Er hält es für wichtig, dass die Grenzen nach wie vor geöffnet sind und der kleine Grenzverkehr ermöglicht wird. Allerdings habe er am Wochenende festgestellt, dass auf dem Marktplatz in Elten deutlich weniger niederländische Autokennzeichen zu sehen sind.

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