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Aldi Nord: Theo Albrecht junior nach Familienstreit gestärkt

Der Familienstreit bei Aldi Nord ist juristisch beendet.

Der Familienstreit bei Aldi Nord ist juristisch beendet.

Foto: Hendrik Schulz

Essen.   Der Familienstreit um die Macht beim Discounter Aldi Nord ist juristisch beendet. Gründer-Sohn Theo Albrecht kann seinen Einfluss stärken.

Der jahrelange Familienstreit unter den Eigentümern des Discounters Aldi Nord ist juristisch beendet. Theo Albrecht junior, Sohn des gestorbenen Unternehmensgründers Theo Albrecht, geht dabei gestärkt aus der Auseinandersetzung hervor. Der Einfluss der Nachfahren seines Bruders Berthold ist nach einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts indes endgültig geschmälert.

Aldi Nord befindet sich im Besitz von drei Familienstiftungen. In der Lukas-Stiftung hat Theo Albrecht junior, der bis heute operativ in der Firma arbeitet, das Sagen. Die größere Markus-Stiftung hält 61 Prozent der Anteile am Discounter. Vorsitzende war bis zu ihrem Tod im November 2018 die Gründer-Witwe Cäcilie Albrecht. Nach Informationen des „Manager Magazins“ hat den Vorsitz der Markus-Stiftung inzwischen Sohn Theo Albrecht junior übernommen, der Stellvertreter seiner Mutter war.

Drei Familienstiftungen regieren Aldi Nord

Der jahrelange Rechtsstreit betrifft die Jakobus-Stiftung, in der bis zu seinem Tod im Jahr 2012 der Gründer-Sohn Berthold seine 19,5 Prozent an Aldi Nord bündelte. 2010 hatte Berthold eine Satzungsänderung unterschrieben, die den Einfluss seiner fünf Kinder in der Zeit nach seinem Tod einschränkt.

Die Kinder und ihre Mutter Babette hatten aber in Frage gestellt, dass die Satzungsänderung ordnungsgemäß zustande kam. Wie es heißt, soll Berthold Albrecht zum damaligen Zeitpunkt der Änderung aufgrund seiner schweren Erkrankung nicht geschäftsfähig gewesen sein.

Das Oberverwaltungsgericht Schleswig-Holstein erklärte die Satzungsänderung der Jakobus-Stiftung im Dezember 2017 aber für rechtens. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu. Babette Albrecht und ihre Kinder wollten die Entscheidung jedoch nicht hinnehmen und legten Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Ohne Erfolg, wie die Richter bereits am 6. März entschieden. Das „Manager Magazin“ hatte zuerst über das Urteil berichtet.

Stiftungen können nur einvernehmlich entscheiden

Es hat zur Folge, dass in der Jakobus-Stiftung zwei Töchter von Babette und Berthold Albrecht zwei Vertretern des Konzerns gegenübersitzen, die vermutlich das Vertrauen des nun gestärkten Theo Albrecht junior genießen.

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte Andreas Urban, Anwalt von Babette Albrecht und ihrer Kinder, dass der Richterspruch „im Hinblick auf die Unternehmensgruppe Aldi Nord nur eingeschränkte Bedeutung“ habe. Urban verweist darauf, dass wichtige Entscheidungen wie Investitionen bei dem Discounter weiterhin nur im Einvernehmen der drei Stiftungen getroffen werden könnten. Der Anwalt geht davon aus, „dass die Töchter von Berthold Albrecht auch künftig im Vorstand der Jakobus-Stiftung vertreten sein werden und die Vorstandsvorsitzende stellen“.

Laut „Manager Magazin“ hat der langjährige Aldi-Nord-Chef Marc Heußinger als Grund für seinen Rücktritt im Herbst 2018 genannt, Vertreter der Jakobus-Stiftung hätten seine Entscheidungen immer wieder angezweifelt. Das Blatt zitiert aus einem Brief Heußingers, der als Vertrauter von Theo Albrecht junior gilt: „Die sich daraus ergebenden Belastungen machen es für mich unmöglich, meine Tätigkeit zielführend auszuüben.“ Heußingers Nachfolger wurde Torsten Hufnagel.

Aldi Nord hatte zuletzt im Deutschland-Geschäft rote Zahlen geschrieben. Der Discounter hat ein 5,2 Milliarden Euro schweres Modernisierungsprogramm für die Filialen aufgelegt.

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