Hausbau

Auch wegen Corona: Fertighäuser gefragter denn je

Die Nachfrage nach Fertighäusern steigt während der Corona-Pandemie, auch in NRW. Die Branche profitiert in der Krise, der Holzbau erhält nach vielen Jahren mehr Zuspruch.

Die Nachfrage nach Fertighäusern steigt während der Corona-Pandemie, auch in NRW. Die Branche profitiert in der Krise, der Holzbau erhält nach vielen Jahren mehr Zuspruch.

Foto: Daniel Maurer / dpa

Hagen.  Durch Corona nimmt der Wunsch nach den eigenen vier Wänden zu. Trotz der Krise werden mehr Häuser gebaut, eine Branche profitiert besonders.

Wer viel Zuhause ist, der möchte es dort schön haben, ist Wolfgang Weber sicher. Und das gelte in diesen Zeiten der Pandemie mehr denn je, sagt der Vertriebsleiter des Unternehmens Weberhaus mit Standort in Wenden, das Fertighäuser in ganz Deutschland plant.

Doch dass die Corona-Krise der Branche am Ende sogar in die Karten spielen würde, damit habe niemand gerechnet. „Es wird gebaut, trotz Corona“, stellt Weber fest. Und Fertighäuser erlebten dabei in diesem Jahr eine besondere Aufmerksamkeit.

Der Wunsch nach einem Eigenheim

Zu Beginn der Krise hätten noch die Sorgen überwogen, weiß Weber: Ausstellungen für die Häuser waren geschlossen, der Zugang zu den Kunden wurde schwieriger. „Wir fragten uns: Wie nähern wir uns den Kunden in solchen Zeiten an?“ ­Immerhin handle es sich beim Hausbau um eine sehr individuelle Planung mit viel Erklärungsbedarf. Doch wie sich zeigte, sei das kein Problem gewesen: „Wir durften ­feststellen: Der Wunsch nach einem eigenen Haus hat zugenommen.“ Davon profitiert hat die ganze Branche.

Das jedenfalls belegt auch eine Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF): Bundesweit ist die Nachfrage nach Fertighäusern demnach gestiegen, die Hersteller erwarten einen höheren Branchenumsatz und fast 90 Prozent der BDF-Unternehmen berichteten von einer guten Geschäftslage mit ebenfalls guten Prognosen. Dennoch: Auch in NRW werden zwar mehr Fertighäuser genehmigt, der Anteil ist aber lange nicht so hoch wie anderswo: etwa in Baden-Württemberg, Hessen und Bayern.

Schlechter Ruf aus den 70er-Jahren

„Kein Wunder“, sagt Jochen Winterhoff, Geschäftsführer des Unternehmens Holzbau Winterhoff in Meschede und meint damit, dass NRW den Holz-Fertighausbau lange Zeit nicht gefördert habe. Im Gegenteil. „Die Bauweise wurde in NRW lange Zeit stiefmütterlich behandelt“, sagt Winterhoff. Nicht so in anderen Bundesländern. Erst vor wenigen Jahren habe sich das geändert: Nämlich in 2018 mit der neuen Landesbauordnung. Bis dahin habe die den Holzbau in NRW wegen strenger Auflagen sehr erschwert, sagt Winterhoff. Unter anderem beim Thema Brandschutz: „Was da umgesetzt werden musste, war um etliches teurer als bei einer Massivbauweise.“

Hintergrund sei gewesen, dass die „klassischen“ Fertighäuser in den 1960er- und 70er-Jahren „billig hergestellt wurden. Ein Haus aus Stein galt deshalb immer als massiver, was damals auch zutraf“, sagt Winterhoff. Doch frühere Schwachpunkte etwa im Brand- und Schallschutz gebe es heutzutage nicht mehr. Ein Holzhaus stehe einem Massivhaus in nichts mehr nach – auch nicht, was die Kosten angeht. Denn günstiger sei der Bau eines Fertighauses nicht: Bei einer Größe von 130 Quadratmetern sei mit Kosten in Höhe von rund 300.000 Euro zu rechnen, ohne Keller. „Da kommen noch mal 80.000 Euro oben drauf.“ Individuelle Wünsche noch nicht berücksichtigt.

Weniger Wartezeit nach dem Bau

Dafür gebe es andere Vorteile: Die Baustoffe für das Holz-Fertighaus wurden weiterentwickelt, sie ­schützen das Innere des Hauses im Sommer vor Hitze und im Winter vor Kälte, sagt Winterhoff. ­Insgesamt habe die Bauweise klimatische Vorteile. Holz sei außerdem ökologischer und nachhaltig sinnvoll – und durch den geringeren Heizbedarf verbessere sich auch das Raumklima.

Ein Vorteil für Eigentümer: Die Wartezeit bei einem Fertighaus sei kürzer. Das gilt zumindest für den Einzug nach dem Bau, nicht für den Bau selbst. Denn statt draußen im Nassen werden die Teile des Fertighauses drinnen in Hallen produziert und dann schließlich fertig zum Grundstück transportiert. „Quasi wie ein großer Lego-Baukasten“, sagt Winterhoff. Eine so lange Trocknungszeit wie bei einem Massivhaus müsse dann nicht mehr eingeplant werden.

Den Bau von 10 bis 15 Häusern managt das Unternehmen Holzbau Winterhoff im Jahr, Weberhaus kommt in NRW auf etwa 120. Einen genauen Vergleich zu den Vorjahren konnten sie nicht aufzeigen. „Ich würde das nicht unbedingt als einen Boom bezeichnen, aber Fakt ist: Es gibt eine absolute Zunahme“, sagt Weberhaus-Vertriebsleiter Wolfgang Weber. „Das ist schon eine ganze Menge. Wir haben in der Pandemie sehr gut bestanden.“ Prognosen für die Zukunft wollten sie zwar nicht abgeben, aber: „Wenn nicht alles um uns herum einstürzt, spricht wohl nichts dagegen, dass es so gut weitergehen wird“, vermutet Weber.

>>HINTERGRUND>>

  • Deutschlandweit wurden von Januar bis Juli 2020 laut BDF 60.922 Ein- und Zweifamilienhäuser genehmigt, davon 13.370 in Fertigbauweise.
  • Der Marktanteil liegt damit bei 21,9 Prozent, das sind 9,6 Prozent mehr als 2019. Nordrhein-Westfalen liegt im Bundesvergleich eher im unteren Bereich: 14,8 Prozent der Baugenehmigungen entfallen hier auf Fertighäuser. In Baden-Württemberg sind es mit fast 40 Prozent am meisten in Deutschland.
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