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Autoversicherung: Warum Senioren häufig mehr bezahlen

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Autofahren macht vielen bis ins höhere Alter Spaß: Allerdings müssen über 65-Jährige oft mehr für ihre Versicherung bezahlen.

Autofahren macht vielen bis ins höhere Alter Spaß: Allerdings müssen über 65-Jährige oft mehr für ihre Versicherung bezahlen.

Foto: Josep Curto / Shutterstock/Josep Curto

Berlin.  Ein 85-Jähriger kommt bei der Kfz-Versicherung oft auf einen doppelt so hohen Betrag wie ein 55-Jähriger. Wie man dennoch sparen kann.

Überall steigen die Preise, da kann ein Versicherungs- oder auch nur Tarifwechsel bei der Kfz-Versicherung wenigstens einige Hundert Euro im Jahr sparen. Seit Mitte des Jahres ist der durchschnittliche Haftpflichtbeitrag um 16 Prozent gesunken. In der Regel kann die alte Police bis zum 30. November gekündigt werden. Vor allem ältere Autofahrer sind von hohen Prämien belastet. Unsere Redaktion beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie stark steigt der Beitrag bei älteren Versicherungsnehmern?

Mit zunehmendem Alter wird die Kfz-Versicherung spürbar teurer. Bei 65-Jährigen fällt der Altersaufschlag mit 13 bis 14 Prozent im Vergleich zu einem 55-Jährigen mit ansonsten identischen Rahmenbedingungen noch moderat aus.

„75-Jährige zahlen bei gleicher Schadenfreiheitsklasse (SF) aber schon bis zu 67 Prozent mehr als 55-Jährige“, sagt Wolfgang Schütz, Geschäftsführer von Verivox Versicherungsvergleich. Das Unternehmen hat exklusiv für unsere Redaktion die Prämien für ältere Autofahrer anhand verschiedener Fahrzeuge berechnet.

85 Jahre alte Autofahrer zahlen mit einem Aufschlag von bis zu 128 Prozent sogar deutlich mehr als das Doppelte. Beispiel: Der Golf VIII kostet einen 85-Jährigen für Haftpflicht sowie Voll- und Teilkasko mit jeweils 150 Euro Selbstbeteiligung 665 Euro im Jahr, und der 55-Jährige zahlt 291 Euro für das Fahrzeug.

Dabei sind die Rahmenbedingungen – bis auf das Alter – identisch: Der Beispielfahrer wohnt in Hamburg zur Miete und parkt sein Auto auf der Straße. So zahlen 85-Jährige bei gleicher Schadenfreiheitsklasse etwa doppelt so viel für Haftpflicht plus Voll- und Teilkasko wie 20 Jahre jüngere Autofahrer.

Ein versicherter Mercedes-Benz B 180 als Beispiel: Der Jahresbeitrag des 85-Jährigen für Haftpflicht, Voll- und Teilkasko mit je 150 Euro Selbstbeteiligung beträgt 700 Euro, während der 65-Jährige im Jahr nur 355 Euro zahlt. Die Werte gelten für Neuabschlüsse von Versicherungsverträgen. Berechnet wurde jeweils der Durchschnittswert der zehn günstigsten Anbieter.

Die Unterschiede zum jeweils teuersten Anbieter sind noch gravierender. So müsste der 85-Jährige BMW-Fahrer beim teuersten Versicherer 1140 Euro mehr im Jahr bezahlen. Die Versicherungsprämie läge bei 2048 Euro, beim Mercedes-Benz sogar bei 3222 Euro. Das ist um mehr als 2500 Euro teurer als im Schnitt der zehn günstigsten Anbieter.

Ist man nur bei einem Neuabschluss vom Alterszuschlag betroffen?

Mit den Jahren rutscht man automatisch in die Gruppe der Risikobehafteten, auch wenn man ein ganzes Autofahrleben unfallfrei geblieben ist, stellt die Stiftung Warentest fest. Spätestens ab 65 Jahren sei ein Preisanstieg unverkennbar.

Welche Probleme haben ältere Autofahrer noch?

Einige Versicherer nehmen ältere Leute in manchen Tarifen gar nicht erst an, heißt es von Stiftung Warentest. So berichten Leser, dass ihnen nach mehreren kleinen Kaskoschäden die Kaskoversicherung gekündigt wurde. Auch das ist zulässig.

Warum zahlen Ältere mehr?

„Ältere Fahrer bezahlen einen Aufschlag, weil sie statistisch mehr Schäden verursachen“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Wie die Statistiken des Verbandes zeigen, verursachen ältere und jüngere Fahrer im Schnitt vergleichsweise mehr Schäden als Fahrer mittleren Alters.

So liegt der Anteil der über 75-Jährigen, die Unfälle mit Personenschäden verursachen, etwa so hoch wie bei den Fahrern in der Altersgruppe 18 bis 21 Jahre. Deshalb zahlten 75-Jährige zum Beispiel einen Aufschlag von 54 Prozent zum Mittelwert, so Asmussen.

Tendenziell wirke das Alter beitragserhöhend, sagt Christian Weishuber von der Allianz, denn das Alter habe einen Einfluss auf die Höhe der Schäden. Die höheren Beiträge für ältere Fahrer hat auch die Finanzaufsicht Bafin abgesegnet.

Was sagen Verbraucherschützer?

Auch die halten sich zurück. „Es mag für den Einzelnen, wenn er keine Unfälle verursacht, ungerecht erscheinen, dass er in einem Kollektiv risikogerecht höhere Prämien zahlen muss“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

Wie können ältere Autofahrer den Beitrag senken?

„Für niedrige Versicherungskosten ist ein gründlicher Tarifvergleich das A und O. Die Zuschläge der einzelnen Versicherer unterscheiden sich deutlich“, sagt Schütz von Verivox. „Fahrer, die jahrelang unfallfrei fahren, profitieren von einem hohen Schadenfreiheitsrabatt. Somit werden die Zuschläge fürs Alter in der Regel durch einen höheren Schadenfreiheitsrabatt deutlich reduziert“, sagt Asmussen vom GDV.

Für Ältere mit vielen schadenfreien Jahren sind Versicherer interessant, deren SF-Staffel nicht bei 35 endet. Eine Rabattstaffel bis 50 haben etwa Axa, Bruderhilfe, Huk-Coburg, Huk24 und WGV.

Gibt es Versicherer, die für Ältere besonders günstig sind?

Vier Versicherer sind in den Berechnungen von Verivox mehr als zehnmal in den Top-5-Tarifen der Senioren ab 55 Jahren vertreten: Verti, Huk24, R+V24 und HDI. Verti und R+V24 sind vor allem für 85- und 75-Jährige interessant.

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