Start-ups

Bademode aus Fischernetzen, Lunge in der Hosentasche

Jonas Pöhler (links) Christian Sakowitz werben an der Fachhochschule in Soest für ihre App zur Arbeitsorganisation. 

Jonas Pöhler (links) Christian Sakowitz werben an der Fachhochschule in Soest für ihre App zur Arbeitsorganisation. 

Foto: André Hirtz

Soest.   Junge Gründer aus dem Start-up Innovationslabor Südwestfalen präsentieren ihre Projekte beim Karrieretag der Fachhochschule in Soest.

Das Weltmeere sind voller Plastik. Das regt Vanessa und Jessica Schulz auf. Deshalb beschlossen die beiden Schwestern aus Hemer nach dem Abitur, dagegen etwas zu tun. Sie gründeten eine Firma: Infinityecoswim bietet Bademode an, die aus recycelten Fischernetzen, die einen großen Teil des Mülls im Meer ausmachen, hergestellt werden. Eine schöne Idee. Wie gut sie funktioniert, wird sich zeigen. Aber die Voraussetzungen sind so schlecht nicht: Die beiden werden ein Jahr lang gefördert im Start-up Lab SWF, dem südwestfälischen Innovationslabor, bei dem die FH Südwestfalen und die Uni Siegen zusammenarbeiten.

Coaching und Vernetzung

Bewerben können sich für das Programm auch Externe, erklärt Prof. Andreas Gerlach, der als Ex-Unternehmer am Campus Soest den Gründergeist hochhält. Aber die Abiturientinnen sind die Ausnahme. Studenten und Ehemalige sind es vor allem, die im Programm das professionelle Coaching nutzen und die Möglichkeiten zur Vernetzung wahrnehmen. Gestern beispielsweise beim Karrieretag der Fachhochschule in Soest.

Jonas Pöhler aus Iserlohn studiert in Siegen Informatik. Mit dem Dortmunder Christian Sakowitz bildet er das Steiger.Team. Das bieten eine App zur Arbeitsorganisation für Mittelständler an. „Das gibt es bislang nur privat und für Großunternehmen“, sagt Pöhler. Als Kunden denken die beiden etwa an Handwerker, die unterwegs sind und sich koordinieren müssen. Härtetest läuft im Sommer auf dem Festival in Wacken, wo viele verschiedene Gewerke tätig sind und die Netzabdeckung nicht die beste ist. Und warum „Steiger“? „Der hat unter Tage die Arbeit koordiniert“, erklärt Jonas Pöhler.

Julia Giesbrecht studiert an der FH in Iserlohn Life Science Engeneering und ist eine der Mitgründerinnen von Shell4Cell. Das Start-up hat eine Lunge für die Hosentasche entwickelt, eine kleine Vorrichtung, mit der man Luft auf Schadstoffe testen kann – potenziell alle: Giftgas in Kriegsgebieten, Milzbranderreger am Flughafen oder Gefährliches am Arbeitsplatz. Der Testgerät soll für weniger als 200 Euro zu haben sein – derzeit entsteht der Prototyp.

Prototypen hat das Giesswerk schon gebaut. Jan Rebling und Nils Saßmannshausen sind Ingenieure, haben eine Werkstatt in Siegen und arbeiten mit Ultrahochleistungsbeton. Was sie zeigen, sind Lautsprecherboxen in verschiedenen Größen. Produktentwicklung ist ihr Ding. Ab dem Sommer bekommen sie für ein Jahr ein Stipendium, um das in Vollzeit und nicht nur nebenbei betreiben zu können.

Arne Farwick, der in Meschede studiert hat, ist schon im Geschäft. Zusammen mit seinen Schwestern hat er 2017 enra gegründet und bietet eine Kommunikationssoftware für Messe-Aussteller an. Nils vom Brocke aus Iserlohn will in den nächsten Monaten gründen: Seine Voltports sind smarte, im Tisch versenkbare Steckdosen.

Fische und Pflanzen

Bei Plantastisch wird der Online-Shop in Kürze an den Start gehen. Hendrik Garre und seine Mitstreiter setzen auf den Trend zum Urban Gardening. Im Zentrum: Aquaponik. Dabei sind ein Fischtank und ein Pflanzenbeet kombiniert. Die Fische wässern und düngen das Beet, die Pflanzen reinigen das Wasser. Das ist nachhaltig und ökologisch. „Und vielleicht klappt es auch mit Garnelen, die man dann essen kann“, meint Garre. Tiere und Pflanzen aber muss der Kunde selbst einsetzen, Plantastisch liefert nur die Technik.

„Gründen ist in NRW inzwischen ein großes Thema“, weiß Andreas Gerlach. „Und Südwestfalen ist gut dabei.“

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