Telefon-Aktion

Rendite ohne Risiko? Bankberater geben Tipps zur Geldanlage

Schlechte Zeiten für klassische Sparer: Für Tages- und Festgeld gibt es zurzeit kaum Zinsen.

Schlechte Zeiten für klassische Sparer: Für Tages- und Festgeld gibt es zurzeit kaum Zinsen.

Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Essen.  Niedrige Zinsen, fallende Aktienkurse – wohin mit dem Vermögen? Fünf Bankberater geben Tipps zur Anlage. Doch ohne Risiko gibt es kaum Rendite.

Die Anleger sind verzweifelt. Mit Aktien haben sie zum Teil viel Geld verloren, für Tages- und Festgeld gibt es keine Zinsen. Wohin also mit dem Vermögen, wenn man das Risiko scheut? Diese Frage stellten unsere Leserinnen und Leser den fünf Bankberatern am häufigsten bei der WAZ-Telefonaktion.

Wie sicher sind Aktien?

„Ich habe böse Erfahrungen mit Aktien gemacht“, erzählt ein Leser bitter. Mit Papieren von vier Unternehmen habe er zuletzt rund 65.000 Euro verloren, weil die Kurse nur eine Richtung nahmen: nach unten. Nun will der Mann wissen, wie er seine verbliebenen 85.000 Euro anlegen kann, um zumindest eine kleine Rendite zu erwirtschaften. Am WAZ-Telefon dürfen die Experten des Bankenverbands keine konkreten Konzerne nennen, deren Aktien sie empfehlen würden.

Welche Vorsichtsmaßnahmen können Anleger treffen?

Da der deutsche Aktienindex Dax aus 30 Einzelwerten mit einem Fokus auf die Automobil-, Versorger und Pharmabranchen besteht und stark vom Export abhängig ist, raten die Experten zu Fonds, die ihr Geld international anlegen. Unabhängig vom Erfolg und Misserfolg der Unternehmen gilt: Aktienfonds sind keine kurzfristige Anlagen, man braucht Geduld und Zeit. Und eine flüssige Geldreserve für unvorhergesehene Ereignisse. Deshalb ist es wichtig, dass Sie zusätzlich auch über eine Liquiditätsreserve verfügen.

Welchen Schutz haben Fondssparer?

Investmentfonds sind insolvenzgeschützt. Eigentümer der Wertpapiere im Fonds sind die Anleger. Die Fondsgesellschaft verwaltet den Fonds lediglich als Treuhänder. Das bedeutet: Das Anlagevermögen bleibt vom Kapital der Fondsgesellschaft getrennt und wird bei einer Bank als Verwahrstelle verwahrt. Sollten Fondsgesellschaft oder Verwahrstelle einmal in Schieflage geraten, wäre das Fondsvermögen davon nicht betroffen. Darüber hinaus gelten für Investmentfonds und Fondsanbieter strenge rechtliche Vorschriften.

Eine 77-jährige Leserin möchte 100.000 Euro hundertprozentig sicher anlegen. Was kann sie tun?

Sparern, die überhaupt kein Risiko eingehen wollen, bieten sich allein Tages- oder Festgeld an. Diese Anlageprodukte bringen zwar kaum Zinsen. Dafür sind sie nach Einschätzung der Bankberater sicher und vor allem kurzfristig verfügbar. Ein Vorteil, von dem vor allem ältere Menschen profitieren können. Da es auch bei Tages- und Festgeld Unterschiede gibt, raten die Experten dazu, sich Angebote unterschiedlicher Geldinstitute einzuholen..

Sind Fonds eine Alternative zu festverzinslichen Anlagen, die derzeit keine Rendite abwerfen?

Fonds kommen nach Einschätzung der Berater für Verbraucher in Frage, die ihr Geld mittel- bis langfristig anlegen wollen. Fonds investieren in zahlreiche Wertpapiere, daher bieten sie eine breite Risikostreuung. Es gibt Aktien-, Renten- und offene Immobilienfonds sowie Mischfonds, die sowohl in Aktien als auch in Renten investieren. Die attraktivsten Renditechancen bieten Aktienfonds, doch hier sind auch die Schwankungen am stärksten. Welcher Fonds am besten zu Ihnen und Ihren Anlagezielen passt, sollten Sie in einem Gespräch mit Ihrem Berater klären. Und achten Sie bei Fondsanlagen auf die Kosten.

Ein Leser ist Ende 50 und will 80.000 Euro anlegen. Mit einem Teil der Summe will er künftig seine Rente aufbessern. Welche „sicheren“ Möglichkeiten hat er?

Die Bankberater schlagen vor, einen Teil kurzfristig für ein bis drei Jahre als Festgeld anzulegen, einen anderen Teil für drei bis fünf Jahr in offene Immobilienfonds und Renten. Für die langfristige Anlage biete sich eine aufgeschobene private Rentenversicherung an.

Wie hoch ist die Rendite von Sparplänen mit Aktienfonds?

Die zukünftige Entwicklung der Aktienkurse lässt sich nicht vorhersagen. Es gibt aber eine Modellrechnung: Wer in den vergangenen 15 Jahren 100 Euro pro Monat mit globalen Aktienfonds gespart hat, kommt nach Abzug der Kosten im Durchschnitt auf rund 28.000 Euro -- eingezahlt wurden 18.000 Euro. Das entspricht einer jährlichen Rendite von fast sechs Prozent. Eine Garantie für künftige Entwicklungen ist das freilich nicht. 2018 etwa war ein schlechtes Börsenjahr.

Sind offene Immobilienfonds eine Alternative zu Aktien?

Immobilien gehören zu einem breit gestreuten Vermögen grundsätzlich dazu. Die Rendite für offene Immobilienfonds beträgt aktuell etwa zwei Prozent. Wer in offene Immobilienfonds investieren will, sollte auf das Geld etwa fünf Jahre, besser länger, verzichten können. Der Anlage-Anteil sollte bei maximal 20 Prozent liegen. Neuanleger müssen eine Mindesthaltefrist gegenüber der Fondsgesellschaft von zwei Jahren sowie eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten beachten, wobei bereits während der Mindesthaltefrist gekündigt werden kann.

Der Goldpreis ist stark gestiegen, sollte man jetzt in Gold anlegen?

Der Goldpreis ist nicht stabil, er schwankt erheblich. Eine Entwicklung lässt sich nicht vorhersagen. Außerdem gibt es bei Gold keine regelmäßigen Zinsen oder Erträge. Einen Gewinn können Käufer nur machen, wenn sie das Gold zu einem höheren Preis verkaufen, als sie es eingekauft haben. Aber grundsätzlich kann eine kleine Beimischung von Gold bei einem breit gestreuten Vermögen sinnvoll sein.

Was ist bei der Geldanlage grundsätzlich zu beachten?

Es empfiehlt sich eine breite Streuung über unterschiedliche Produktklassen und Laufzeiten. Neben Tagesgeld, Festgeld und Sparanlagen kommen auch Investmentfonds, Immobilien, Immobilienfonds, Edelmetalle oder Aktien in Frage. Investitionen in Sachwerte wie Aktien, Aktienfonds und Immobilien eignen sich grundsätzlich als Schutz gegen die Inflation. Wie die konkrete Aufteilung aussehen sollte, ist individuell sehr unterschiedlich. Dies hängt nicht zuletzt von der Vermögenshöhe und der persönlichen Risikobereitschaft ab.

Wie erkennt man einen guten Anlageberater?

Ein guter Berater führt ein umfassendes Gespräch mit seinen Kunden, berücksichtigt Ihre Ziele und Wünsche und ihre Lebenssituation. Er erkundigt sich nach persönlichen Erfahrungen mit Geldanlagen sowie Präferenzen. Der Abbau von Schulden und der Aufbau einer Reserve mit Geld, das unmittelbar zur Verfügung steht, geht vor Anlageprodukte. Es gehört auch dazu, Chancen und Risiken zu erörtern, sowie Kosten und Kündigungshinweise. Manchmal hilft auch eine zweite Meinung bei einer anderen Bank weiter.

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