Einkauf

Bargeld abheben an der Kasse – Supermärkte als neue Banken?

Foto: Benjamin Nolte / picture alliance

Berlin.  Immer mehr Menschen heben an der Kasse Bargeld ab. Discounter senken den Mindesteinkaufswert auf fünf Euro und werben damit um Kunden.

  • Immer mehr Supermarktketten bieten ihren Kunden einen hilfreichen Service – sie können Geld abheben
  • Das ist in der Regel an bestimmte Regularien geknüpft
  • So müssen die Kunden einen bestimmten Betrag ausgeben, bevor sie auch Geld bekommen können
  • Allerdings fällt die Betragsgrenze zusehends – nun geht auch Lidl weiter runter

Möchten Sie auch noch Bargeld mitnehmen? Diese Frage gehört für das Kassenpersonal von Supermärkten inzwischen fast zum Standard. Denn neben ihren Waren bieten die meisten Ladenketten heute wie selbstverständlich am Ende des Einkaufs auch eine klassische Bankdienstleistung an: das Auszahlen von Bargeld. In der Fachsprache heißt das Verfahren „Cashback“, also das Wiederauszahlen von Scheinen und Münzen nach dem Einkauf. Immer mehr Kunden nutzen den Service.

Der Handelsverband HDE schätzt, dass inzwischen 22.000 Filialen von Lebensmittelhändlern, Drogeriemärkten, Baumärkten oder Tankstellen Bargeld auszahlen. Die Kunden brauchen dafür nur ihre Girocard und die Pin; das Geld wird dann vom Konto abgebucht. Einzige Voraussetzung: Sie müssen vorher etwas gekauft haben.

„Die Kunden haben sich an den bequemen Service gewöhnt und fragen ihn zunehmend nach“, sagt Ulrich Binnebößel, Experte für Zahlungsverkehr beim HDE. Auch ein Sprecher des Lebensmittelhändlers Rewe, der vor 16 Jahren als erster Bargeld auszahlte, sagt: „Wir verzeichnen eine positive Entwicklung. Immer mehr Kunden nutzen den Service.“

Bargeld abheben: Unter fünf Euro wird der Mindesteinkauf nicht fallen

Inzwischen geht es weniger darum, ob ein Unternehmen den Bargeldservice überhaupt anbietet. „Es gibt einen neuen Wettbewerb um den Mindesteinkaufswert als Voraussetzung für die Barauszahlungen. Dieser sinkt immer weiter“, beobachtet Handelsexperte Binnebößel. Mussten die Verbraucher vor einigen Jahren noch Waren für mindestens 20 Euro einkaufen, um sich beim Bezahlen mit der Girocard weiteres Bargeld auszahlen zu lassen, so sind es heute oft nur noch zehn Euro.

Als erstes Unternehmen hatte der Discounter Netto Nord vor mehreren Monaten die Grenze weiter gesenkt – auf nur noch fünf Euro Mindesteinkauf. Im November dann folgte der Discounter Lidl und bietet die Auszahlung von Bargeld nun ebenfalls ab fünf Euro Einkaufswert an. Experten glauben nicht, dass es weiter nach unten geht.

Aldi gegen Lidl - der ultimative Vergleich

Eine gesetzliche Mindestgrenze, die das verbieten würde, gibt es zwar nicht. Aber die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) achtet darauf, dass die Supermärkte keine kleinen Banken werden. Der Einkauf dürfe kein „Vorwand für das Anbieten von Zahlungsdiensten“ sein, sagt eine Bafin-Sprecherin. Sonst würde es sich um eine genehmigungspflichtige Bankleistung handeln.

Für den Handel ist Cashback vor allem ein Service zur Kundenbindung. Ob die Unternehmen davon finanziell profitieren, sei nur schwer zu beziffern, meint HDE-Experte Binnebößel. Denn: Obwohl die Auszahlung für die Kunden umsonst ist, fallen für den Händler Kosten an: „Jeder Händler muss in der Regel etwa 0,2 Prozent der Summe an das Kreditinstitut bezahlen – also rund 40 Cent bei 200 Euro“, sagt Binnebößel. Die hohen Gebühren sind der Grund, weshalb etwa der Drogeriemarkt Rossmann noch keinen Bargeldservice anbietet.

Umgekehrt müssen Händler, die Bargeld auszahlen, abends weniger Scheine und Münzen zur Bank bringen, was ihnen „Entsorgungskosten“ spart. Fachleute erkennen darin aber auch ein Risiko: Wenn Händler eingenommenes Geld wieder an Kunden auszahlen, könnte sich in seltenen Fällen Falschgeld darunter befinden. Denn üblicherweise werden Tageseinnahmen überprüft, bevor sie wieder in den Umlauf kommen.

Für Filialen auf dem Land lohnt es sich besonders

Laut einer Umfrage im Auftrag des Zahlungsdienstleisters Glory nutzt nicht nur jeder vierte Verbraucher den Bargeldservice in Supermärkten. Jeder Vierte von ihnen sucht sich sogar den Einkaufsort danach aus. Und: Wer den Service nutze, gehe seltener zur Bank.

Nach Angaben von Rewe kann es vor allem für Filialen auf dem Land attraktiv sein, den Kunden mehrere Dienstleistungen aus einer Hand anzubieten. Außer dem Bargeld könne das etwa eine kleine Postfiliale im Vorraum des Supermarkts sein. Damit erspare man den Kunden weitere Wege und werde attraktiver – die Experten sprechen von „One-Stop-Shopping“.

Die Kreditinstitute betrachten die Konkurrenz wohlwollend: „Es ist eine weitere Möglichkeit, sich mit Bargeld zu versorgen“, sagt eine Sprecherin des Bankenverbands. Für manche Kunden ist es aber auch eine notwendige Alternative: Die Zahl der Bankfilialen ist in den vergangenen Jahren auf zuletzt knapp unter 30.000 gesunken. Auch die Zahl der Geldautomaten schrumpfte leicht auf nur noch 58.000.

Und obwohl die Deutschen gerade im Supermarkt noch immer gern bar bezahlen, werden Scheine und Münzen auch dort weniger wichtig: 2018 wurden im Handel erstmals mehr Waren mit Karte bezahlt als bar. Handelsexperten erwarten, dass dieser Trend in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen wird.

Leserkommentare (3) Kommentar schreiben