Paketdienste

Bericht: Trotz Branchenboom – Paketzusteller-Löhne sinken

Ein Paketbote der Post: Sein Lohn ist in den vergangenen Jahren gestiegen – der von Kollegen in nicht tarifgebundenen Betrieben ist gesunken.

Ein Paketbote der Post: Sein Lohn ist in den vergangenen Jahren gestiegen – der von Kollegen in nicht tarifgebundenen Betrieben ist gesunken.

Foto: Malte Christians / dpa

Berlin  Immer mehr Pakete werden verschickt, die Branche boomt. Doch laut einer Regierungsstatistik sind die Löhne um 13 Prozent gesunken.

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Obwohl Paketdienste immer mehr zu tun haben, sinkt der durchschnittliche Verdienst der Paketzusteller in Deutschland. Das berichtet die „Rheinische Post“ unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken.

Demnach habe von 2007 bis 2017 das mittlere Bruttomonatsentgelt um 13 Prozent auf 2478 Euro abgenommen. Vergleichbare Entgelte in der Gesamtwirtschaft stiegen dagegen um 23,7 Prozent. Da in dieser Statistik die ausländischen Subunternehmer nicht mit erfasst seien, sehe die Realität in der Branche tatsächlich noch düsterer aus, sagte Linken-Politiker Pascal Meiser dem Blatt.

Verdi-Chef Bsirske: „Teils mafiöse Strukturen“ in der Branche

Das hatte auch Verdi-Chef Frank Bsirske im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet. In der Paketzustellbranche hätten sich „zum Teil mafiöse Strukturen“ etabliert: Paketdienste würden Subunternehmer anheuern, die wiederum weitere Subunternehmer engagiert, die dann Arbeiter etwa aus der Ukraine oder Moldawien Pakete zustellen ließen - oft mit gefälschten Pässen und für Stundenlöhne von 4,50 Euro oder 6 Euro. (Lesen Sie das ganze Interview hier: „Falsche Pässe und Mini-Lohn: Bsirske kritisiert Paketdienste“.)

Gewerkschaftsexperte Pascal Meiser forderte, dass die Paketzustellung wie die Briefzustellung an eine Lizenz geknüpft werde, die bei Rechtsverstößen entzogen werden könne. Zudem seien verstärkte Kontrollen nötig.

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Arbeitsminister Heil will Paketdienste haftbar machen – CDU dagegen

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte bereits ein Gesetz angekündigt, das sicherstellen soll, dass die in der Branche weit verbreiteten Subunternehmen tatsächlich Sozialbeiträge für ihre Paketboten zahlen. Konkret soll die sogenannte Nachunternehmerhaftung auf die Paketbranche ausgeweitet werden. Das bedeutet, dass der eigentliche Auftraggeber für die korrekten Arbeitsbedingungen bei allen Subunternehmern verantwortlich ist.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte daraufhin betont, er halte es für falsch, Betriebe für ihre Subunternehmer haftbar zu machen. Er setze dagegen auf mehr Kontrollen.

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Dem Bericht der „Rheinischen Post“ zufolge nahm die Gesamtzahl der Beschäftigten von 2007 bis 2017 von 102.000 auf 155.000 zu. Der Lohn für Vollzeitbeschäftigte in tarifgebundenen Betrieben ist gestiegen: Sie verdienen rund 660 Euro brutto mehr als Kollegen ohne Tarif. (rtr/dpa/moi)

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