Tierschutz

Bewusst kaufen: Daunenkleidung gibt’s auch ohne Vogel-Qualen

Darauf sollte man beim Kauf einer Daunenjacke achten

Daunenkleidung kaufen mit gutem Gewissen – so geht's.
Di, 05.12.2017, 16.08 Uhr

Darauf sollte man beim Kauf einer Daunenjacke achten

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Berlin  Für Daunenjacken werden die zum Teil lebenden Vögeln ausgerissen, weil das den Profit steigert. Was Verbraucher dagegen tun können.

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Die Gänse schreien und zappeln, versuchen mit den Flügeln zu schlagen. Doch sie sind zwischen den Beinen von Arbeitern eingeklemmt, die ihnen in Windeseile Federn von der Brust reißen. Bei einem besonders rabiaten Ruck reißt die Haut eines Tieres ein. Schnell zückt die Rupferin Nadel und Faden und flickt die Wunde des zuckenden Tieres notdürftig. Mit Filmaufnahmen wie diesen will die Tierschutzorganisation Peta darauf aufmerksam machen, dass immer noch viele Gänse und Enten lebend gerupft werden, damit sich im wesentlichen Europäer und Nordamerikaner im Winter in warme Daunenmäntel hüllen können.

Daunen sind besonders leicht und elastisch. Anders als die glatten Außen-Federn können sie in ihrer fluffigen Struktur nah am Körper reichlich Luft einschließen. So lassen sie kaum Körperwärme entweichen und die Gänse und Enten auch harte Winter im Freien überstehen – Puten oder Hühnern fehlt dieses Unterkleid. Gefüllt in Jacken, Schlafsäcke und Decken erfüllen Daunen für Menschen den gleichen Zweck.

90 Prozent der Daunen stammen aus China

Den Tieren diese Federn noch zu Lebzeiten auszureißen ist in der EU eigentlich seit 1999 verboten. „Aber beispielsweise aus Ungarn und Polen gibt es immer wieder Berichte, dass der sogenannte Lebendrupf dort noch praktiziert wird“, sagt Esther Müller vom Deutschen Tierschutzbund.

90 Prozent der weltweit verwendeten Daunen und Federn stammen allerdings ohnehin aus Asien, hier ist Lebendrupf zugelassen und weit verbreitet. In der EU ist bei lebenden Tieren nur das sogenannte Mauserraufen erlaubt. „Gänse und Enten kommen regelmäßig in die sogenannte Mauser, dabei erneuert sich das Gefieder. Das kann man sich vorstellen wie bei Milchzähnen“, erklärt Müller. Dann dürfen den Tieren lose Federn aus dem Gefieder gestrichen werden. „Es passiert aber nie, dass ein Tier am ganzen Körper gleichzeitig Federn verliert oder eine ganze Herde gleichzeitig in die Mauser kommt.“

Rücke dann eine Rupfkolonne an, gebe es keine Garantie, dass nicht auch festsitzende Daunen ausgerissen werden. Dass die Tiere bei dieser meist ruppigen Praxis schon mal Knochenbrüche erleiden oder ihnen ganze Hautfetzen abgerissen werden, sei an der Tagesordnung.

In Federn und Daunen steckt ein Zehntel des Ertrags

Die Daunensammler können so mehrfach kassieren, statt die Federn nur einmal als Abfallprodukt aus der Fleischgewinnung verkaufen zu können. Denn eigentlich machen Federn und Daunen weniger als zehn Prozent des Wertes eines solchen Vogels aus, wie Berechnungen der gemeinnützigen Organisation Textile Exchange zeigen.

Doch noch eine andere Form der Tierquälerei unterstützen unbedachte Käufer von Daunenkleidung: Die Stopfleber-Mast. „Dabei hocken vor allem Enten in engen Käfigen und werden mehrmals täglich per Schlauch zwangsgefüttert, bis ihre Leber auf das Zehnfache angewachsen ist“, erklärt Müller. Diese Tiere seien zwar immerhin schon tot, wenn ihnen meist maschinell die Federn entfernt werden. „Aber durch den Kauf von Produkten mit solchen Federn wird diese grausame Haltungsform unterstützt.“

Tierschützer raten generell dazu, auf Mäntel, Jacken und Outdoorequipment mit Daunen nach Möglichkeit zu verzichten. „Es gibt viele gute synthetische Alternativen“, sagt Müller. Das in den 80er Jahren von der US-Army entwickelte Primaloft gilt derzeit als Isoliermaterial, das der Daune am nächsten kommt. Im Gegensatz zu dem Tierprodukt ist es unempfindlich gegenüber Wasser, während Federn und Daunen in der Waschmaschine verklumpen und aufwendig und lange getrocknet werden müssen. Mit der sogenannten Bauschkraft der Daune können künstliche Fasern aber bislang noch nicht mithalten.

90 Prozent der Daunen stammen aus China

Diese Eigenschaft wird in cuin (cubic inches per ounze, zu Deutsch Kubikzoll pro Unze) gemessen und zeigt an, wie gut eine zusammengedrückte Daune danach wieder ihre Ursprungsform annimmt. Je stärker sie sich wieder ausdehnt umso mehr warme Luft hat in ihren Strukturen Platz – je höher also die Bauschkraft, desto wärmer hält Jacke oder Mantel. Für deutsche Breitengrade gilt eine Bauschkraft von 500 cuin als ausreichend, darunter sollte sie nicht liegen, raten Experten.

Hochwertige Daunenfüllungen können Werte von bis zu 900 cuin erreichen. Beeinflusst wird dieser Wert auch von dem Verhältnis der Füllung: In jeder Daunenjacke stecken auf ein paar Federn aus dem Deckgefieder, die schwerer und weniger isolierend sind als Daunen. Sie tragen aber dazu bei, dass sich ihre fluffigen Pendants besser entfalten können. Einige Hersteller geben das Verhältnis Daune zu Feder auf den Produkten an. Dabei gilt: Je höher der Daunenanteil umso hochwertiger die Füllung.

Für Textilien zwei große Siegel im Markt

Wer hohe Wärmeleistung bei gleichzeitig wenig Gewicht braucht, oder „gerne ein Naturprodukt haben möchte, kann sich an zwei großen Siegeln orientieren“, Tierschutzexpertin Müller, „dem Global Traceable Down Standard – kurz TDS – und dem Responsible Down Standard, auch RDS“. Beide wurden von großen Outdoor-Herstellern mit initiiert, TDS von Patagonia und RDS von The North Face.

Beide sind aber mittlerweile unabhängig. Sie schließen in ihren Leitlinien die Verwendung von Daunen aus Lebendrupf und Zwangsfütterung aus, die Federn müssen über mehrere Stationen entlang der Lieferkette rückverfolgbar sein und potenzielle Lizenznehmer müssen sich Verbesserungen gegenüber offen zeigen.

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TDS sei noch ein wenig strenger, meint Müller, die Überwachung der Lieferkette beginne hier schon bei den Elterntieren, über die Brüterei, bis hin zum Schlachthof und anschließend dem daunenverarbeitenden Betrieb. „Die Einhaltung der Richtlinien wird von unabhängigen Prüfstellen kontrolliert und es gibt auch unangekündigte Kontrollen“, sagt Müller.

Beide Siegel haben mittlerweile viele Mitglieder – so verkaufen etwa C&A, Deuter, H&M, Levi’s, Jack Wolfskin oder Mammut und Vaude auch RDS-zertifizierte Kleidung. Ein drittes Label, das Verbrauchern im Handel begegnen kann, ist der Downpass. „Er wird aber vor allem für Bettdecken und Kissen vergeben“, sagt Müller.

Lebendrupf trotz Zertifizierung entdeckt

Eine hundertprozentige Garantie gibt es nicht, so filmten die Tierschützer von Peta in China auch schon Lebendrupf auf einer Farm, die RDS-zertifizierte Hersteller belieferte. Aber sie sind ein Anfang – denn tragen Produkte keine Label, lasse sich gar nicht nachvollziehen, aus welchen Umständen die Daunen stammen, weiß Müller. „Dort steht nur, wo die Kleidung hergestellt wurde, die Daunen können aus einem anderen Land kommen“.

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