Aral-Mutterkonzern

BP steckt zwei Milliarden Euro in Gelsenkirchener Raffinerie

Der Raffinerie-Komplex von BP in Gelsenkirchen gehört zu den größten Industriestandorten bundesweit.

Der Raffinerie-Komplex von BP in Gelsenkirchen gehört zu den größten Industriestandorten bundesweit.

Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services

Gelsenkirchen.  Die Aral-Mutter BP hat große Pläne für die Raffinerie in Gelsenkirchen. An vielen Stellen des Industriekomplexes soll es Veränderungen geben.

Der Aral-Mutterkonzern BP Europa SE will seinen Raffinerie-Standort Gelsenkirchen grundlegend modernisieren und dafür zwei Milliarden Euro in die Hand nehmen. Das kündigte Vorstandschef Wolfgang Langhoff bei einem Auftritt vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung (WPV) in Düsseldorf an. Geplant sind unter anderem Investitionen in neue Großtanks am Stadthafen Gelsenkirchen, eine Umrüstung der Raffinerietechnik und eine Modernisierung des Stromnetzes. Fackelaktivitäten, die Ärger bei den Anwohnern auslösen, sollen künftig seltener werden. Verbesserungen strebt BP nach Darstellung von Langhoff außerdem bei der Luftreinhaltetechnik in den Raffinerien an.

Mit rund 2000 Beschäftigten gehört der BP-Komplex in Gelsenkirchen zu den größten Industriestandorten in Deutschland. Die BP Europa SE – Muttergesellschaft von Deutschlands größter Tankstellenkette Aral – stellt in den konzerneigenen Anlagen unter anderem Benzin, Diesel, Kerosin, Heizöl und Produkte für die Chemieindustrie her. Eine weitere BP-Raffinerie befindet sich in Lingen. Mit den Marken Aral, BP und Castrol bedient der britische Mineralölkonzern eigenen Angaben zufolge knapp ein Viertel des Jahresbedarfs in Deutschland.

Vorbereitungen für Stilllegung der Uniper-Kohlekraftwerke

Durch Veränderungen bei der Energieversorgung will BP jährlich rund 100.000 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) am Standort Gelsenkirchen einsparen – ein Minus von gut 2,5 Prozent an den gesamten CO2-Emissionen. So will BP die Raffinerie an das Stromnetz anschließen und damit den Einkauf von grüner Energie ermöglichen. Derzeit wird die Raffinerie noch von Steinkohlekraftwerken der früheren Eon-Tochter Uniper versorgt.

BP und Uniper verbindet eine lange Geschichte. Die Werke beider Unternehmen im Gelsenkirchener Stadtteil Scholven gehörten einst zum Revierkonzern Veba. „Wenn jetzt Uniper-Kraftwerke abgeschaltet werden, müssen wir uns autonomer aufstellen“, sagte Langhoff. Damit werde BP „effizienter, besser und sicher auch umweltfreundlicher“.

In Zukunft weniger Tankwagen auf den Straßen

BP will außerdem aus Raffineriegasen Prozessdampf und in geringem Umfang auch Strom für den Eigenbedarf produzieren. Die BP-Tochter Ruhr Oel hat unlängst den Essener Energiekonzern Steag damit beauftragt, eine neue Anlage für die Dampfversorgung der Raffinerie zu bauen.

Die Investitionen in Gelsenkirchen in Höhe von zwei Milliarden Euro, die BP eingeplant hat, beziehen sich nach Angaben von Europa-Chef Langhoff auf die Jahre 2017 bis 2026. Allein in die Logistik am Stadthafen Gelsenkirchen will BP eigenen Angaben zufolge rund 45 Millionen Euro investieren. So ist unter anderem der Neubau einer Kesselwagenverladung geplant.

Auch drei Großtanks für Flugkraftstoff und eine Pipeline zur Raffinerie sollen entstehen. Dadurch verbessere sich die Versorgungssicherheit, da der Betrieb der Anlagen unabhängiger vom Rheinwasserstand werde. Das Niedrigwasser im heißen Sommer des vergangenen Jahres hat auch BP zu schaffen gemacht. Es habe ungeplante Stillstände der Anlage gegeben, berichtete Langhoff.

Der Flughafen Düsseldorf wird ebenfalls von BP beliefert. Durch den Einsatz von Zügen sollen ab dem Jahr 2022 knapp 18.500 Tankwagen weniger in NRW über die Straßen rollen. Das spart nach Berechnungen von BP rund 7000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Stillstände der Raffinerien drücken den Gewinn

Die BP Europa SE, zu der neben Deutschland auch Geschäftsaktivitäten in den Niederlanden, in Belgien, Österreich, Polen, Ungarn und in der Schweiz gehören, hat im vergangenen Jahr zwar den Umsatz gesteigert, beim Jahresüberschuss verzeichnete das Unternehmen aber einen deutlichen Rückgang von 890 Millionen auf 221 Millionen Euro. Als Grund nannte Langhoff vor allem die Stillstände in den Raffinerien, insbesondere in Gelsenkirchen.

In den sieben Ländern beschäftigt die BP Europa SE rund 10.500 Mitarbeiter, etwa 4600 Mitarbeiter befinden sich in Deutschland. In Bochum sind die BP-Hauptverwaltung und die Aral AG beheimatet.

Pilotprojekt für Wasserstoff zur Kraftstoffproduktion

Aral hat die Position als Marktführer im deutschen Tankstellengeschäft behauptet – mit einem Marktanteil von rund 21 Prozent und bundesweit gut 2400 Standorten, wie Langhoff berichtete. Sein Netz will das Unternehmen trotz zunehmender Elektromobilität nicht ausdünnen. „Wir beabsichtigen nicht, in absehbarer Zeit Tankstellen zu schließen“, betonte der BP-Europachef. Selbst wenn bis zum Jahr 2030 in Deutschland zehn Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen würden, müssten immer noch 30 bis 35 Millionen private Fahrzeuge mit konventionellen Energieträgern versorgt werden. Für die Zukunft rechnet Langhoff mit einem Mix von Antriebstechnologien. BP erprobt derzeit den Einsatz von regenerativem Wasserstoff zur Kraftstoffproduktion. In der BP-Raffinerie in Lingen sei dies in einem Pilotprojekt bereits mit überschüssigem Strom aus Windparks und Biokomponenten aus der Landwirtschaft gelungen.

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