Pandemie

Corona: Telekom und Post – Konzerne wollen selbst impfen

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Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V

Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V

Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V hat offenbar eine ähnliche Wirksamkeit wie die Vakzine von Moderna oder Biontech. Seine Zulassung in der EU wird derzeit geprüft.

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Berlin.  Deutschland hinkt bei den Corona-Impfungen hinterher. Nun wollen große Konzerne wie die Telekom ihre Beschäftigten selbst impfen.

  • Immer neue Probleme: Die Corona-Impfungen laufen in Deutschland nicht wie erhofft
  • Läuft die Impfkampagne weiter so langsam, würde es bis Herbst 2022 dauern, bis rund 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sind
  • Einige große Unternehmen wie die Post oder die Telekom wollen nun aktiv werden – und ihre Beschäftigten selbst impfen

Erst war zu wenig Impfstoff vorhanden, nun stapeln sich insbesondere die Vakzine von Astrazeneca, weil nicht schnell genug geimpft wird. Gerade einmal 5,7 Prozent haben hierzulande ihre erste Impfung erhalten, den vollen Impfschutz genießen mit rund 2,3 Millionen Deutschen nur halb so viele.

Länder wie Israel, Großbritannien oder die USA haben Deutschland bei der Impfquote längst abgehängt und auch in den deutschen Nachbarländern wie Dänemark (8,3 Prozent), der Schweiz (6,3) oder Polen (6,2) geht es schneller voran.

Impfen: Konzerne wollen das Heft in die Hand nehmen

Immer mehr Konzerne wollen daher nun das Heft selbst in die Hand nehmen und ihre Mitarbeiter durch ihre Betriebsärzte impfen lassen. „Wir stehen zu unserem Angebot, die Impfstrategie durch einen koordinierten Einsatz von Betriebsärzten zu unterstützen“, sagte Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. Noch vor Kurzem hatte Dulger im Interview mit unserer Redaktion eine „Entfesslungsoffensive“ für die Wirtschaft gefordert.

Nun griff der oberste Arbeitgebervertreter eine Anregung auf, die die Chefs der Dax-Konzerne Adidas, Allianz, Deutsche Post und Deutsche Bank sowie der Axel-Springer-Verlagsgruppe in der „Welt“ geäußert hatten. Gegenüber der Zeitung signalisierten Adidas-Chef Kasper Rorsted, Allianz-Chef Oliver Bäte, Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing, Deutsche Post-Chef Frank Appel sowie Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner ihre Bereitschaft, über ihre Betriebsärzte selbst Impfungen für ihre Belegschaft anbieten zu wollen.

Bundesregierung sagt Spitzentreffen ab

Weitere Unternehmen wie die Deutsche Telekom, der Mischkonzern Baywa oder die Sparkassen schlossen sich an. Laut der „Welt“ habe die Bundesregierung allerdings zunächst zurückhaltend auf das Angebot reagiert.

Dafür hätte das Thema am Freitag bei einem Spitzengespräch der Bundesregierung mit Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern auf den Tisch kommen können, bei dem es eigentlich um die Teststrategie in den Betrieben hätte gehen sollen. Doch überraschend sagte die Regierung das Treffen kurzfristig ab. Es seien noch Vorarbeiten nötig, hieß es. Ein neuer Termin wurde nicht genannt.

Mittelstand reagiert enttäuscht

Das sorgt vor allem beim Mittelstand für Frust. „Die Impf-Ignoranz der Bundesregierung hat ein unerträgliches Ausmaß erreicht“, sagte Markus Jerger, Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), unserer Redaktion. Anstatt das Angebot anzunehmen, zeige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „der Wirtschaft die kalte Schulter“, kritisierte Jerger.

Der Mittelstandschef forderte, dass sowohl Hausärzte als auch anderes medizinisches Personal Impfungen verabreichen sollten. Die Impflogistik könne über mittelständische Unternehmen gewährleistet werden. „Allen Unternehmen, die willens und dazu in der Lage sind, muss es möglich sein, ihre Mitarbeiter zu testen“, sagte Jerger.

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