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Daimler setzt langfristig auf Düsseldorfer Sprinter-Werk

Mit 6600 Mitarbeitern im Sprinter-Werk ist Daimler in Düsseldorf der größte industrielle Arbeitgeber.

Mit 6600 Mitarbeitern im Sprinter-Werk ist Daimler in Düsseldorf der größte industrielle Arbeitgeber.

Foto: IMAGO

Düsseldorf.  Daimler-Spartenchef Volker Mornhinweg im Interview: Die Zukunft der Düsseldorfer Sprinter-Fabrik ist weit über 2020 hinaus gesichert.

Seit 20 Jahren wird in Düsseldorf der Sprinter von Daimler produziert. Zwischenzeitlich gab es Sorgen um das Werk. Wie der Autobauer für die nächsten Jahre plant, erläutert Volker Mornhinweg, Chef von Mercedes-Benz Vans, in unserem Interview.

Daimler ist in Düsseldorf mit dem Sprinter-Werk der wichtigste industrielle Arbeitgeber. Wird das auf Dauer so bleiben?

Volker Mornhinweg: Ich kann natürlich nur für unser Unternehmen sprechen. Für uns ist klar: Wir setzen langfristig auf das Werk. Das lässt sich auch an den Investitionen in Höhe von 300 Millionen Euro für die Produktion des nächsten Sprinters ablesen. Wir bauen das Düsseldorfer Werk zum Kompetenzzentrum für die weltweite Sprinter-Produktion aus. Damit übernimmt Düsseldorf weltweit innerhalb des Konzerns die Führungsrolle für die Produktionsstandorte für große Transporter. Alle Prototypenfahrzeuge für die neue Baureihe werden in Düsseldorf gefertigt.

Wie ist das Düsseldorfer Werk derzeit ausgelastet?

Mornhinweg: Der Sprinter erfreut sich einer sehr starken Nachfrage und wir produzieren deshalb an der Kapazitätsgrenze. Wir fahren derzeit Sonderschichten und es wird praktisch rund um die Uhr gearbeitet.

Betriebsbedingte Kündigungen bis 2020 ausgeschlossen

Wie passt der geplante Arbeitsplatzabbau dazu? Etwa jede zehnte der rund 6600 Stellen soll schließlich wegfallen.

Mornhinweg: Wir haben uns mit dem Betriebsrat darauf verständigt, rund 650 Stellen sozialverträglich abzubauen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nun bis Ende 2020 ausgeschlossen. Gleichzeitig stellen wir die Weichen für die Produktion des Sprinter-Nachfolgemodells. Die Zukunft des Werks ist weit über das Jahr 2020 hinaus gesichert.

Der Vorstandsbeschluss, dass ein Teil der Sprinter-Produktion in die USA verlagert werden soll, hat für Unruhe im Düsseldorfer Werk gesorgt. Ist die Verlagerung denn wirklich notwendig?

Mornhinweg: Wir sind der einzige Hersteller, der Fahrzeuge der Sprinter-Klasse in Deutschland produziert. Ganz bewusst haben wir uns dazu entschieden, hier zu bleiben – anders als unsere Wettbewerber. Gleichzeitig müssen wir dort präsent sein, wo unsere Kunden sind. Die USA sind nach Deutschland der weltweit wichtigste Absatzmarkt für den Sprinter. Insofern ist es folgerichtig, dass wir auch in den USA produzieren. Zumal uns derzeit hohe Einfuhrzölle, hohe Kosten und lange Lieferzeiten das Geschäft dort nicht gerade erleichtern.

Stückzahlen im Daimlerwerk in Düsseldorf werden zurückgehen

Um die Zölle zu umgehen, bauen sie die in Düsseldorf und Ludwigsfelde bei Berlin gefertigten Sprinter auseinander und in den USA wieder zusammen.

Mornhinweg: Die amerikanische Einfuhrsteuer stellt uns in der Tat vor Herausforderungen. Trotzdem verzeichnen wir zweistellige Wachstumsraten in den USA. Wenn wir dort erfolgreich sind und weiter zulegen, hilft das übrigens auch unseren deutschen Werken.

Bislang lässt auch Volkswagen sein Transporter-Modell Crafter im Düsseldorfer Sprinter-Werk herstellen. Künftig will VW den Crafter in Eigenregie in Polen fertigen. Wie wirkt sich das auf den NRW-Standort aus?

Mornhinweg: Generell zeichnet sich ab, dass die Stückzahlen in Düsseldorf etwas zurückgehen werden, auch durch den Aufbau unseres neuen Werks in den USA. Umso wichtiger ist, dass wir eine klare Perspektive für die deutschen Standorte haben.

Daimler arbeitet an Sprinter-Werk in den USA

Wie weit sind Sie mit Ihren Planungen für das US-Werk? Bleibt der Zeitplan, dass Daimler den Sprinter ab dem Jahr 2020 direkt in den USA bauen wird?

Mornhinweg: Wir wollen im nächsten Jahr mit dem Bau der Fabrik in Charleston beginnen und möglichst rasch mit der Produktion starten. In unseren Planungen gehen wir von etwas über 1400 Beschäftigten am neuen Standort aus. Experten aus Düsseldorf werden beim Aufbau des Werks eine wichtige Rolle spielen.

Ab wann wird die neue Sprinter-Modellreihe in Deutschland produziert?

Mornhinweg: Das werden wir zu gegebener Zeit bekanntgeben. Derzeit legen wir mit unseren Investitionen an den Standorten Düsseldorf und Ludwigsfelde die Grundlagen. Damit sehen die Beschäftigten vor Ort, dass es eine klare Perspektive für die Zukunft gibt.

Wie viele Jahre wird die nächste Sprinter-Generation auf dem Markt sein?

Mornhinweg: Das hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Generell lässt sich sagen, dass eine Modell-Generation in diesem Segment in Europa durchaus zehn oder 12 Jahre laufen kann.

Sprinter als Elektroauto? Das hängt von den Kunden ab...

Im vergangenen Jahr hat die Sparte Mercedes-Benz Vans, zu der auch der Sprinter zählt, mit 294.000 Fahrzeugen einen Absatzrekord erzielt. Lässt sich der Rekord noch einmal übertreffen?

Mornhinweg: Unser Ziel lautet, dass wir in diesem Jahr die Marke 300.000 überschreiten werden. Das wird sich positiv auf unsere Umsatzzahlen auswirken und zu einer deutlichen Verbesserung unseres Betriebsergebnisses führen.

Wann gibt es den Sprinter als Elektroauto?

Mornhinweg: Technisch wäre es möglich, ein solches Fahrzeug fast aus dem Stand auf den Markt zu bringen. Das Know-How haben wir. Wir sehen aber nicht, dass sich unsere Kunden derzeit in hinreichender Zahl für die Elektrovariante entscheiden würden. Wenn sich die Nachfrage unserer Kunden ändern würde, könnten wir uns schnell darauf einstellen, denn der Kunde ist König.

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