Bargeld

Trend kontaktloses Bezahlen - Bargeldlos immer beliebter

Kontaktloses Bezahlen „im Vorbeigehen“ wird in Deutschland immer beliebter.

Kontaktloses Bezahlen „im Vorbeigehen“ wird in Deutschland immer beliebter.

Foto: imago stock / imago/Panthermedia

Hagen.  Die Liebe zum Bargeld scheint bei den Deutschen zu schwinden. Aber bei kleineren Beträgen greifen viele Kunden noch gerne ins Portemonnaie.

Bargeld ist noch nicht aus der Mode. Aber: Die Scheu vor kontaktlosem Bezahlen schwindet bei den Deutschen offenbar rasant.

Ablesen lässt sich dies an den Ladenkassen, nicht nur in Südwestfalen. „Die Akzeptanz im Handel ist gigantisch. Die Wachstumsraten bei unseren Kunden sind beim Umsatz aktuell zwei bis dreistellig“, sagt Thomas Hesse, Experte für moderne Bezahlmethoden und Prokurist der Märkischen Bank mit Sitz in Hagen, mit Blick auf die Geschäftskunden in der Region Hagen und Märkischer Kreis.

Bargeld nur noch auf Platz 2

2018 wurde erstmals in Deutschland im Handel in Summe mehr mit Karten als mit Bargeld gezahlt, hat das Handelsinstitut EHI im Frühjahr in seiner jährlichen Studie „Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel“ analysiert. Vor allem die neuen, schnellen Bezahlmethoden nutzen die Käufer zunehmend. „Die Kunden haben am kontaktlosen Zahlen mehr Gefallen gefunden als wir gedacht hätten“, sagt Horst Rütter, Autor der Studie und Mitglied der EHI-Geschäftsleitung. Anfangs sei diese Bezahlmöglichkeit nur mit einer Kreditkarte möglich gewesen, sprunghaft sei die Nutzung erst angestiegen, „seit dies auch mit der Girocard möglich ist“, so Rütter, also seit rund zwei Jahren.

Viele Geldinstitute geben die Karten mit der Funktion nach und nach heraus, wenn die alte abläuft. Sparkassenkunden in der Region sind hier schon ziemlich flächendeckend versorgt. „Inzwischen sind 97 Prozent umgetauscht und mit der entsprechenden Funktion versehen“, sagt Andreas Löbbe, Sprecher des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, der die Deutschen nach wie vor für „Bargeld affin“ hält.

Bei der Märkischen Bank sind laut Hesse rund die Hälfte der Girokarten inzwischen mit der Funktion ausgestattet – ob sie wollen oder nicht. Wem das nicht geheuer ist, der „kann die Funktion an jedem Bankautomaten selbstständig abschalten“, sagt Hesse. Die wenigstens tun dies allerdings. Die Erfahrung des Bankers: „Wenn ein Kunde die Wahl zwischen Datenschutz und bequem hat, dann wählt er bequem.“

Handel setzt auf Vielfalt

Tatsächlich greifen viele Kunden gerade bei kleineren Beträgen aber noch gerne ins Portemonnaie: Dreiviertel der Bezahlvorgänge werde noch mit Münzen und Scheinen erledigt, sagt Karina Brühmann vom Einzelhandelsverband Südwestfalen. Eine Hausnummer, die auch vom EHI bestätigt wird. „Es ist weiter wichtig, dass es Bargeld gibt“, meint Brühmann. Das flotte Bezahlen mit der Karte funktioniert natürlich nur, wenn die Daten auch übertragen werden, man sich also nicht im Funkloch befindet.

Der Handel werde in den nächsten Jahren sicher nicht komplett auf bargeldlose Bezahlung umstellen, sondern verschiedene Bezahl-Möglichkeiten alternativ anbieten und Trends aufnehmen, wenn sie sicher sind.

So, wie es auch die Banken tun. Bei der Märkischen Bank ist beispielsweise seit heute (Dienstag) „Mobile Payment“ möglich, also die Zahlung via Smartphone oder Smartwatch, wenn die Karte virtuell im Gerät hinterlegt ist. Bei den Hagenern ist dieser Service zunächst nur für Geräte mit dem Betriebssystem Android abrufbar, im neuen Jahr soll es auch mit Apple-Geräten (IOS) funktionieren.

Interessant: „Bei allen unseren Händlern können die Funktionen kontaktloses Bezahlen oder Mobile Payment genutzt werden, aber bei keiner Bank“, bemerkt Thomas Hesse. Das Ende des Bargelds und ein Aus für Bankautomaten ist also noch lange nicht eingeläutet.

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