Altersvorsorge

Deutsche Rentner zahlen so viele Steuern wie nie zuvor

Rentner in Deutschland zahlen immer mehr Steuern.

Rentner in Deutschland zahlen immer mehr Steuern.

Foto: Marijan Murat / dpa

Berlin  Der Bund nimmt von rund 4,4 Millionen Rentnern 32 Milliarden Euro an Steuern ein. Zugleich kämpfen viele Senioren mit der Altersarmut.

Zunehmend werden Rentner, die sich mit Nebenjobs oder Mieteinnahmen ihre Altersvorsorge aufbessern steuerpflichtig. Mittlerweile zahlt jeder fünfte Rentner auf seine Alterseinkünfte Steuern. Dies geht aus einer Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion hervor.

Nach der jüngsten Erhebung von 2014 haben in Deutschland rund 4,4 Millionen Rentner insgesamt 31,7 Milliarden Euro Einkommenssteuer zahlen müssen. Wird der Solidaritätszuschlag hinzugerechnet, wurden etwa 33 Milliarden Euro an Abgaben fällig.

Nebeneinkünfte führen oft zu Steuerzahlungen

Damit stammt fast jeder zehnte Euro, den der Bund durch die Einkommenssteuer einnimmt, von Senioren. Die hohe Summe resultiert allerdings nur selten aus den Rentenzahlungen allein. Denn: Nur jeder siebte der 4,4 Millionen einkommenssteuerzahlenden Ruheständler versteuert ausschließlich seine Rente.

Vielmehr führen Nebeneinkünfte wie Mieteinnahmen, Dividendenzahlungen oder Nebenjobs zu der Steuerpflicht. Insgesamt leben in Deutschland derzeit rund 21 Millionen Rentner – die Mehrheit von ihnen lebt steuerfrei.

Staat zahlt 97 Milliarden Euro an Renten aus

Rentner müssen Einkommenssteuer bezahlen, sobald sie mit ihren Bruttoeinnahmen den sogenannten Grundfreibetrag übersteigen. Dieser liegt bei Alleinstehenden aktuell bei 9168 Euro brutto im Jahr. Verheiratete haben mit 18.336 Euro den doppelten Freibetrag zur Verfügung.

Zugleich können Ausgaben wie Arztrechnungen oder Krankenversicherungsbeiträge abgesetzt werden. So fließen Teile der Steuern wieder zu den Steuerpflichtigen zurück. Unterm Strich hat der Staat in diesem Jahr 27,5 Prozent des Haushalts für die gesetzlichen Rentenzahlungen eingeplant –

Pro-Kopf-Belastung nimmt zu

Die hohen Einnahmen des Staates durch die Rentner haben vor allem zwei Gründe: Zum einen sind immer mehr Rentner steuerpflichtig, zum anderen steigt die Pro-Kopf-Belastung. Vor zehn Jahren entrichteten westdeutsche Rentner noch durchschnittlich 4434 Euro Steuern im Jahr. Fünf Jahre später waren es knapp 1000 mehr – nämlich 5430 Euro.

In den neuen Bundesländern liegt das Rentenniveau generell niedriger, entsprechend ist auch die Steuerbelastung geringer. 2009 mussten Rentner in Ostdeutschland durchschnittlich 2098 Euro an Einkommenssteuer zahlen, fünf Jahre später waren es 560 Euro mehr.

Ab 2040 muss die komplette Rente versteuert werden

Vor zehn Jahren waren bundesweit 1,3 Millionen weniger Rentner einkommenssteuerpflichtig als 2014. Hinzu kommt, dass aufgrund des 2005 in Kraft getretenen Alterseinkünftegesetzes jedes Jahr ein größerer Anteil der Rente versteuert werden muss.

Konkret bedeutet dies: Wer 2005 in Rente gegangen ist, versteuert die Hälfte seiner Rente. Wer dieses Jahr in den Ruhestand tritt, muss 78 Prozent versteuern. Ab 2040 wird die komplette Rente steuerpflichtig.

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Paritätischer Wohlfahrtsverband warnt vor Altersarmut

Lassen höhere Steuerzahlungen also darauf schließen, dass Senioren insgesamt wohlhabender werden? „Die Zahlen sagen überhaupt nichts über die Situation der Rentner aus“, urteilt Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands. Die steuerpflichtigen 4,4 Millionen Rentner stellten nur ein Fünftel aller Rentner dar.

„Die übrigen Rentner haben nicht einen Cent mehr in der Tasche. Im Gegenteil: Jeder fünfte Rentner fällt unter die Armutsgrenze“, sagte Schneider unserer Redaktion. Schneider warnte davor, dass sich diese Einnahmekluft noch verschärfen werde, wenn in „fünf bis zehn Jahren viele Langzeitarbeitslose und Beschäftigte des Niedriglohnsektors ins Rentenalter kommen“.

Um die Schere zwischen reichen und armen Rentnern nicht noch weiter auseinandergehen zu lassen, forderte Schneider

und eine Anhebung des Rentenniveaus auf 53 Prozent. Aktuell liegt das Rentenniveau bei rund 48 Prozent des vorherigen Durchschnittsverdienstes.

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FDP und Bund der Steuerzahler kritisieren Rentensystem

Auch die bevorstehenden Rentenerhöhungen werden die Abwärtstendenz beim Rentenniveau kaum stoppen können.

in den alten Bundesländern um 3,18 Prozent und in den neuen Bundesländern um 3,91 Prozent. Damit werden erneut noch mehr Rentner steuerpflichtig, da ihre Einnahmen den Freibetrag übersteigen.

Das stößt bei dem FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler auf wenig Verständnis: „Was nutzen die ganzen Rentenerhöhungen, wenn immer mehr Rentner in die Steuerpflicht rutschen? Sie werden zur Melkkuh des Finanzministers“, sagte Schäffler unserer Redaktion.

Eine ähnliche Ansicht vertritt auch der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel: „Unterm Strich kommt es darauf an, was netto bei den Senioren im Geldbeutel ankommt. Werden Rentenerhöhungen zum Großteil durch Steuern und Sozialabgaben aufgefressen, macht das wenig Sinn.“

(Tobias Kisling)

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