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Neue Verträge – „Dissidenten“ liegen im Clinch mit Aldi Nord

Mitarbeiter von Aldi Nord erhalten neue Arbeitsverträge. Der größte Teil der 36 000 Beschäftigten hat bereits unterschrieben.

Mitarbeiter von Aldi Nord erhalten neue Arbeitsverträge. Der größte Teil der 36 000 Beschäftigten hat bereits unterschrieben.

Foto: dpa

Essen.   Der Essener Discounter Aldi Nord will im Tarifvertrag bleiben und zahlt zudem eine Prämie. Doch intern gibt es Unmut über neue Arbeitsverträge.

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Der Discounter Aldi Nord hat sich viel vorgenommen: 5,2 Milliarden Euro will er in die Modernisierung seiner Filialen stecken und in Essen eine neue Konzernzentrale bauen. Im Gegensatz zu Wettbewerbern wie etwa Real versichert Aldi Nord sogar, seine 36 000 Mitarbeiter auch in Zukunft nach Tarif zu bezahlen und oben drauf die sogenannte Aldi-Zulage zu legen.

Doch hinter Kulissen gibt es auch Unmut über neue Arbeitsverträge, die alle Beschäftigten in den vergangenen Jahren unterschreiben sollten. Im „Spiegel“ schildert die ehemalige Leiterin der Filiale Augustdorf bei Detmold, Carolin Matzke, dass sie unter Druck gesetzt worden sei, den neuen Vertrag mit schlechteren Konditionen zu unterschreiben. Danach kann der Arbeitseinsatz schon um 4 Uhr statt bislang um 6 Uhr beginnen und erst um 23 Uhr enden, zwei Stunden später als zu den alten Konditionen.

„Gegen Gesetz und Tarif“

„Die Arbeitsverträge und Betriebsvereinbarungen widersprechen Gesetz und Tarif“, sagte Uli Kring dem „Spiegel“. Der 58-Jährige aus Bad Laasphe ist einer von zwei Betriebsräten, die sich den neuen Betriebsvereinbarungen des Discounters widersetzen. „Aldi Nord jongliert seit Jahren mit existenziellen Ängsten, um die Betriebsräte klein zu machen.“

Florian Scholbeck, Geschäftsführer Kommunikation bei Aldi Nord, weist die Vorwürfe entschieden zurück. „Weit über 34 000 der knapp 36 000 Mitarbeiter bei Aldi Nord in Deutschland haben bereits seit Jahren die inhaltlich den rechtlichen Erfordernissen angepassten Arbeitsverträge abgeschlossen“, sagte er dieser Zeitung. Das neue Arbeitszeitmodell werde seit dem Jahr 2014 im Konzern eingeführt. Inzwischen gelte es in 30 der 32 Regionalgesellschaften von Aldi Nord. Die entsprechenden Betriebsvereinbarungen habe das Unternehmen unter anderem mit der Gewerkschaft Verdi abgeschlossen.

Außertarifliche Prämie

Darin verpflichte sich Aldi Nord nach Angaben Scholbecks, die außertarifliche Prämie auch in den nächsten zehn Jahren zu zahlen. „Die Zulage ist gerechter geworden. Sie wird ungeachtet des Umsatzes einer Filiale ermittelt. Das heißt, Mitarbeiter einer schwächeren Filiale z.B. durch eine kleinere Verkaufsfläche sind nicht mehr benachteiligt, da sie ja nur bedingt den Umsatz beeinflussen können“, erklärt der Geschäftsführer.

Scholbeck dementiert auch die Darstellung der sogenannten „Dissidenten“, die Prämie sei an die Bereitschaft der Mitarbeiter geknüpft, Überstunden zu leisten. „Nach deutschem Recht kann niemand zu Überstunden gezwungen werden“, sagt der Geschäftsführer. Wenn Mehrarbeit betrieblich notwendig sei, hätten die Beschäftigten „die freie Wahl, sich Überstunden auszahlen zu lassen oder in Freizeit abzugelten“.

Irritationen über die Arbeitszeit

Scholbeck weist überdies den Vorwurf der Kritiker zurück, dass die Mitarbeiter zwischen 4 und 23 Uhr beliebig einsetzbar seien. „Dies ist lediglich ein Rahmen für eine Arbeitszeit, um die Aldi-Märkte für die Kunden verkaufsbereit zu öffnen und verkaufsbereit zu halten. Die tatsächliche Arbeitszeit eines Mitarbeiters folgt aus einer individuellen Personaleinteilung.“

Betriebsrat Kring liegt aber nicht nur mit der Konzernspitze über Kreuz. Er kritisiert auch seine Gewerkschaft: „Verdi hält sich bei Aldi Nord leider zurück“, sagt er. Der großen Handelsgewerkschaft fehlt aber der Rückhalt bei Aldi Nord. Nur fünf der 32 Betriebsratsgremien würden durch Verdi-Mitglieder geführt. Wie es heißt, hat die als arbeitgebernah geltende „unabhängige Arbeitnehmervertretung“ AUB bei Aldi Nord einen großen Einfluss.

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