Flugkörper

Drohnen werden zum Milliardengeschäft – und zum Risiko

Eine Drohne vor der Skyline von Frankfurt.

Eine Drohne vor der Skyline von Frankfurt.

Foto: Felix Pergande / Felix Pergande/ddp images

Berlin  500.000 Drohnen schwirren allein in Deutschland umher. Der Markt wächst jährlich um 14 Prozent – und mit ihm die Gefahren am Himmel.

Kurz vor Heiligabend ging am Flughafen London-Gatwick, dem zweitgrößten Großbritanniens, gar nichts mehr. Drohnen im Luftraum legten den gesamten Flugverkehr lahm – 1000 Flüge fielen aus, 140.000 Passagiere saßen fest. Wer sie steuerte, ist bis heute unbekannt.

Neben dem Ärger der Reisenden war der wirtschaftliche Schaden enorm. Allein den britischen Billigflieger Easyjet hat der Zwischenfall rund 15 Millionen Pfund (17 Millionen Euro) gekostet.

Die Fluggesellschaft kennt aber auch die Vorteile der kleinen Fluggeräte: Easyjet setzt Drohnen bei der Wartung seiner Flugzeuge ein. Sie umschwirren die Jets im Hangar und suchen mit Kameras nach oberflächlichen Schäden. Die Airline ist ein Pionier auf diesem Gebiet.

Die meisten Drohnen werden privat genutzt

Drohnen werden in Deutschland und auch weltweit einer Studie des Verbands Unbemannte Luftfahrt (VUL) zufolge in den kommenden Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor mit hohen Wachstumsraten werden. Hinter dem Verband stehen die Branchenverbände der deutschen Luftverkehrswirtschaft und -industrie. Sie stellen die Untersuchung auf ihrer ersten Drohnen-Konferenz am Dienstag in Berlin vor.

In Deutschland gibt es der VUL-Studie zufolge aktuell rund 500.000 Drohnen. Etwa 455.000 werden privat genutzt. Ein Drittel davon ist reines Spielzeug mit einem Wert von unter 300 Euro. Nur rund 19.000 Drohnen werden der Studie zufolge bislang kommerziell genutzt.

Sie sind meist mit einer Kamera ausgestattet und werden eingesetzt zur Vermessung, Kartierung, Inspektion, für Film- und Fotoaufnahmen aus der Luft – etwa bei Bauprojekten. Auch die Landwirtschaft nutzt erste Drohnen.

Rund fünf Prozent der professionellen Fluggeräte kosten mehr als 10.000 Euro. Der kommerzielle Einsatz von Drohnen wird sich laut der VUL-Studie in den kommenden Jahren zu einem Milliardengeschäft entwickeln. Die Zahl der gewerblich genutzten Drohnen dürfte bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts um über 560 Prozent auf 126.000 steigen.

Deutsche Hersteller liegen auf Drohnen-Markt vorne

Erwartet wird ein jährliches Wachstum des Drohnenmarktes um rund 14 Prozent: Von aktuell 574 Millionen Euro auf fast drei Milliarden Euro im Jahr 2030. Die Summe umfasst den Bau von Drohnen, Software und Dienstleistungen mit den Fluggeräten. „Das Wachstum wird vor allem durch den kommerziellen Markt getrieben“, heißt es in der Studie.

Den Autoren zufolge schwächt sich hingegen der Boom bei kleinen Drohnen für den Privatgebrauch bereits deutlich ab. Wer sich für die Technik interessiert, habe sich in den vergangenen Jahren schon ein Modell gekauft. Während sich die Zahl seit 2015 verdreifacht habe, erwartet der VUL bis 2030 nur noch eine weitere Zunahme um knapp 60 Prozent.

Deutschland ist mit aktuell 394 Drohnen-Unternehmen der weltweit viertgrößte Markt, nach den USA, China und Frankreich. Mit durchschnittlich 3,1 Jahren sind die Unternehmen sehr jung und mit im Mittel zwölf Beschäftigten nicht besonders groß. „Allerdings konnten die Umsätze in den vergangenen ein, zwei Jahren deutlich gesteigert werden“, heißt es in der Studie.

Während Privatdrohnen und günstigere Modelle für den gewerblichen Gebrauch vor allem aus Asien importiert werden, liegen die Stärken deutscher Hersteller bei Bau und Entwicklung hochprofessioneller Drohnen. Doch auch hier wachse die Konkurrenz aus China.

Noch keine Störfälle durch Drohnen in Deutschland

Störfälle wie in London hat es in Deutschland bislang nicht gegeben. Doch mit der wachsenden Zahl der Drohnen steigt die Zahl der brenzligen Situationen am Himmel. Piloten von Verkehrsflugzeugen melden immer mehr Objekte, die ihnen bei Starts und Landungen in Sichtweite begegnen.

Nach 88 Fällen im Jahr 2017 stieg die Zahl im vergangenen Jahr stark an, auf 158. In Einflugschneisen der Flughäfen sind Drohnen eigentlich verboten. Außerhalb dieser Zonen dürfen sie nicht höher als 100 Meter fliegen – und die meisten Modelle brauchen eine Plakette mit dem Namen des Eigentümers.

In Deutschland haben Behörden die Flugkörper bislang lediglich in der Nähe von Flugzeugen gesichtet. Wie groß die Gefahr ist, zeigen jedoch nicht nur Tests im Labor. Erst im Dezember durchbohrte ein unbekanntes Flugobjekt in Mexiko beim Landeanflug auf Tijuana die Nase einer Boeing 737 – der Verdacht liegt nahe, dass die Maschine mit einer Drohne kollidierte.

Mit Fangnetzen gegen Drohnen

Werden Drohnen zu einer neuen Gefahr am Himmel? Die Deutsche Flugsicherung (DFS) arbeitet seit drei Jahren an Methoden zur Ortung der kleinen Flugobjekte, die bislang für sie unsichtbar auf dem Radar sind.

Erst am Mittwoch hat sie gemeinsam mit der Bundeswehr auf einem Flugplatz in Bayern vor Experten demonstriert, wie sie gefährliche Drohnen vom Himmel holen will: Mit Störstrahlen, die Befehle vom Piloten am Boden unterbrechen, oder, etwas brachialer, mit Jagddrohnen, die mit Fangnetzen schießen.

Vorausgegangen waren Praxistests im laufenden Flugbetrieb. Wie die Zukunft der Drohnennutzung in Deutschland aussieht, etwa bei der Zustellung von Waren und Medikamenten, hängt neben der technischen Entwicklung auch von den rechtlichen Bedingungen ab. Drohnen dürfen bislang nicht außerhalb der Sichtweite des Piloten fliegen.

Der kommende ultraschnelle Mobilfunkstandard 5G könnte das mit einer stabilen Bildübertragung ändern, so der Verband. Und deutsche Unternehmen wie Volocopter und Lilium sind bei einem Zukunftsthema vorne mit dabei: Sie bauen Flugtaxis, die eines Tages mehrere Personen ohne Pilot ans Ziel bringen sollen.

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