Elektromobilität

E-Autos: Wie VW und Ford jetzt Tesla einholen wollen

Eigentlich sind sie Rivalen, bei den Zukunftsthemen E-Autos und Autonomes Fahren werden sie jetzt Kooperieren: VW-Vorstandschef Herbert Diess und Ford-Chef Jim Hackett.

Eigentlich sind sie Rivalen, bei den Zukunftsthemen E-Autos und Autonomes Fahren werden sie jetzt Kooperieren: VW-Vorstandschef Herbert Diess und Ford-Chef Jim Hackett.

Foto: Handout / Reuters

Wolfsburg/New York.  Die rivalisierenden Autokonzerne VW und Ford vereinbaren eine milliardenschwere Kooperation bei E-Autos und dem autonomen Fahren.

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Bei der Elektromobilität haben die Riesen aus der alten Welt der Verbrennungsmotoren die Trends bislang verpasst. Den Kurs bestimmte vor allem der US-Pionier Tesla. Jetzt gehen mit Volkswagen und Ford zwei Konzerne gemeinsam in die Offensive.

Die Niedersachsen und US-Amerikaner haben eine umfangreiche Kooperation beschlossen. Die umfasst neben leichten Nutzfahrzeugen und Pick-ups vor allem die Elektromobilität und das autonomen Fahren. Das teilten die früheren Konkurrenten am Freitag gemeinsam in New York mit.

Ford will in Europa Elektro-Modell in Großserie produzieren

Damit gewinnen die Wolfsburger einen großen Nutzer ihres Modularen Elektro-Baukastens (MEB): Die US-Amerikaner wollen ab 2023 in Europa ein Elektro-Modell in Großserie auf dieser Basis produzieren. Anvisiertes Ziel sind 600.000 verkaufte Fahrzeuge innerhalb von sechs Jahren. Ford prüft zudem, ein zweites E-Auto für den europäischen Markt anzubieten.

Die Kooperation habe eine große wirtschaftliche Bedeutung für den Wolfsburger Konzern, betonte VW-Chefaufseher Hans Dieter Pötsch im Gespräch mit unserer Redaktion. Die gemeinsame Nutzung des Elektro-Baukastens, ist laut Pötsch „ein sehr wichtiger Schritt, um den MEB nachhaltig wirtschaftlich erfolgreich zu machen“.

Allein die vereinbarte Lieferung von Bauteilen für E-Autos hat im ersten Schritt ein Volumen von bis zu 20 Milliarden Dollar (17,8 Milliarden Euro). Darüber hinaus laufen Gespräche über einen Liefervertrag für ein zweites Fahrzeug.

Kommentar:

VW und Ford kooperieren auch beim Autonomen Fahren

VW-Vorstandschef Herbert Diess sagte in New York, die Nutzung des MEB durch Dritte senke die Entwicklungskosten für emissionsfreie Fahrzeuge, „und sie erlaubt uns eine noch umfangreichere und schnellere weltweite Verbreitung von E-Autos“. Zusammen haben die Autokonzerne 2018 rund 16,7 Millionen Fahrzeuge verkauft, auf Volkswagen entfielen 10,8 Millionen.

Zur Weiterentwicklung des autonomen Fahrens bringt Volkswagen seine Münchener Tochtergesellschaft AID in die Ford-Tochter Argo AI ein. Insgesamt investiert VW 2,3 Milliarden Euro in das Robotik-Unternehmen. Diess: „Zusammen werden wir die Argo AI Plattform zu einem globalen Standard machen.“

Auch interessant:

Bei Zukunftsthemen stehen die klassischen Autokonzerne unter Druck

VW und Ford sollen so künftig mit gleich großen Anteilen die deutliche Mehrheit an Argo AI halten. Dessen „Selbstfahr“-Software wollen die Hersteller in ihren Fahrzeugen unabhängig voneinander nutzen – und damit Dienstleistungen wie Ridesharing voranbringen. Ford-Chef Jim Hackett erklärte in New York, die Zusammenarbeit mit Argo AI vergrößere die Leistungsfähigkeit beider Unternehmen auf dem Gebiet des autonomen Fahrens. „Argo gehört bereits zu den leistungsfähigsten Entwicklern von autonomen Fahrzeugplattformen der Welt“, sagte Hackett. Mit der Beteiligung von VW habe die Ford-Tochter einen geschätzten Wert von mehr als sieben Milliarden Dollar.

Bei Zukunftsthemen wie Roboterautos und E-Antrieben stehen die klassischen Autokonzerne unter Druck. Tech-Riesen aus dem Silicon Valley wie die Google-Schwester Waymo und Apple, aber auch Tesla oder Uber setzen die Trends. Waymo trauen Analysten sogar eine Bewertung von weit mehr als 100 Milliarden Dollar zu.

Kapitalverflechtung von VW und Ford nicht vorgesehen

Die Allianz in den Bereichen Automatisierung und Elektrifizierung sieht keine Kapitalverflechtung beider Hersteller vor. Wie die Autobauer mitteilten, sollen durch die Kooperation aber Kosteneinsparungen geschaffen werden.

Während die Geschäftsaussichten bei Roboterautos noch unklar sind und weit in der Zukunft liegen, sind die Pläne bei E-Autos greifbarer. Diess richtet den weltgrößten Autobauer nach dem vom Konzern verschuldeten Dieselskandal auf Elektromobilität aus und investiert bis 2023 mehr als 30 Milliarden Euro. Weltweit werden acht Werke auf die E-Autoproduktion umgestellt – eins in den USA, zwei in China und fünf in Europa.

Volkswagen will in den nächsten zehn Jahren 15 Millionen Fahrzeuge aus dem Modularen Elektrobaukasten produzieren. In einer ersten Welle sollen 27 E-Modelle auf die Straße kommen, bis 2028 sollen es fast 70 sein. Den Anfang macht der kompakte ID.3, der 2020 auf den Markt kommen soll.

Hintergrund:

Pötsch: Projekt hat nichts mit drohenden US-Zöllen zu tun

VW-Aufsichtsratschef Pötsch erklärte, die weitreichende Zusammenarbeit mit Ford sei nicht von der Handelspolitik des US-Präsidenten Donald Trump getrieben, der mit Auto-Zöllen droht. „Wir haben uns hier ausschließlich von der Sinnhaftigkeit der Kooperation leiten lassen. Ford ist für uns zudem kein unbekannter Partner. Die früheren gemeinsamen Aktivitäten waren für beide Seiten positiv“, sagte Pötsch unserer Redaktion. Die Konzerne hatten bereits im Januar beschlossen, bei leichten Nutzfahrzeugen zu kooperieren und

Konzernchef Diess hatte gerade erst vor Führungskräften ein verstärktes Engagement in Amerika angekündigt: „Ohne ein starkes Engagement in den USA – unserer noch schwächsten Weltregion – drohen wir in den weltweiten Handelskonflikten in eine ausweglose Situation zu geraten.“ VW sei derzeit ein stark chinesisch geprägtes Unternehmen und brauche ein Gegengewicht.

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