Bilanzen

Eon und Innogy – die zwei Welten der Essener Energiekonzerne

Die Bilanzpressekonferenz von Innogy in Essen: Finanzchef Bernhard Günther, Vorstandschef Uwe Tigges und Kommunikationschef Peter Heinacher (von links)

Die Bilanzpressekonferenz von Innogy in Essen: Finanzchef Bernhard Günther, Vorstandschef Uwe Tigges und Kommunikationschef Peter Heinacher (von links)

Foto: Fabian Strauch

Essen.   Mitten im Umbruch ziehen die beiden Essener Energiekonzerne Eon und Innogy Bilanz – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Eon-Chef Johannes Teyssen beginnt seine Rede mit einer leicht humorvollen Entschuldigung. Er fürchte, dass er diesmal nicht ganz das Spannungsniveau des vergangenen Jahres halten könne, sagt er zum Auftakt der Bilanzpressekonferenz in der Essener Konzernzentrale. Vor ziemlich genau einem Jahr hat Teyssen gemeinsam mit RWE-Chef Rolf Martin Schmitz einen weitreichenden Deal der beiden größten deutschen Energieversorger verkündet. Seitdem wartet die RWE-Tochter Innogy auf die Zerschlagung. Von Stolz auf das Erreichte spricht Teyssen an diesem Morgen, sein Vorstandskollege Marc Spieker sagt, es gehe darum, bei Eon „eine Erfolgsgeschichte“ fortzuschreiben.

Wenige Minuten zuvor – bei der Bilanzvorlage von Innogy im benachbarten Essener Turm – ist die Stimmung eine andere. Zu spüren ist, wie der Konzern zu kämpfen hat. Vorstandschef Uwe Tigges berichtet über die schwierige Lage auf dem britischen Markt, den harten Wettbewerb um Stromkunden und die schlechten Windverhältnisse, die Innogy im Geschäft mit erneuerbaren Energien zu schaffen gemacht haben.

Integration von Innogy in Eon wird vorbereitet

Auch Tigges blickt kurz zurück auf den März vergangenen Jahres, als er, durch einen Bandscheibenvorfall „leicht lädiert“, wie er sagt, zu den Übernahmeplänen von Eon Stellung nehmen sollte. Teyssen und Schmitz konnten derweil bei einer Pressekonferenz in Räumen der Essener Messe ihr Bündnis zelebrieren.

Inzwischen sei viel passiert, sagt Tigges nun, ein Jahr später. Mit einer „tarifpolitischen Grundsatzerklärung“ sei im Mai ein erster Schritt zur Absicherung der Mitarbeiter erreicht worden. Teams der Unternehmen arbeiten daran, eine mögliche Integration von Innogy in Eon vorzubereiten.

Rückkehr von Innogy-Manager Günther

Auch Innogy-Finanzchef Bernhard Günther, der am 4. März 2018 Opfer eines Säureanschlags wurde, ist wieder dabei. Dass er dazu in der Lage sein würde, Schulter an Schulter mit Tigges die Bilanzzahlen zu erläutern, sei vor einem Jahr „alles andere als klar“ gewesen, sagt Günther, dessen Gesicht vom Anschlag gezeichnet ist.

Innogy-Chef Tigges verweist auf die Stärken seines Konzerns, darunter Geschäfte rund um den Aufbau von Ladesäulen für Elektroautos und Breitbandkabel. Ziel sei, so viel wie möglich von Innogy bei Eon und RWE einzubringen: „Dafür kämpfen wir.“ Das Geschäft von Innogy mit der Stromerzeugung aus Wind- und Sonnenkraft soll künftig zu RWE gehören – auch das ist Teil der Vereinbarung mit Eon, die konzernintern mit dem Projektnamen „Sunrise“ (Sonnenaufgang) verbunden ist.

Bis zu 5000 Jobs sollen wegfallen

Während der Eon-Pressekonferenz bestätigt Teyssen die Pläne für den Wegfall von bis zu 5000 Jobs im Zuge der Innogy-Übernahme. Mehr Effizienz diene auch den Kunden, sagt der Konzernchef. Innogy-Chef Tigges erklärt, er gehe weiter davon aus, „dass es praktisch zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommt“. Mit 42.900 (Innogy) und 43.300 Mitarbeitern haben beide Konzerne derzeit ähnlich große Belegschaften.

Warnungen, der künftige Eon-Konzern bekomme zu viel Macht auf dem deutschen Strommarkt, weist Teyssen als unbegründet zurück. „Der Wettbewerb ist auch in Deutschland in keiner Weise gefährdet“, beteuert er. Im deutschen Stromvertrieb werde es weiterhin es einen scharfen Wettbewerb geben, weil jeder Kunde „praktisch in jedem Postleitzahlengebiet“ unter rund 100 Anbietern auswählen könne. Das für Eon wichtige Geschäft mit Stromnetzen sei ohnehin staatlich reguliert.

Teyssen will nicht an „Plan B“ denken

Er rechne mit einer Genehmigung des Deals durch die EU-Wettbewerbshüter in der zweiten Jahreshälfte. Mit einem „Plan B“, der bei einem Scheitern der Übernahme gelten könnte, habe er sich bisher nicht beschäftigt, sagt Teyssen – „pure Zeitverschwendung“.

Für Innogy ist es womöglich die letzte Bilanzvorlage im Turm am Essener Opernplatz gewesen. Ob künftig ein Firmenschild von Eon an einem der bekanntesten Bauwerke der Revierstadt angebracht wird? Auch darüber habe er noch nicht nachgedacht, sagt Teyssen. Den Mietvertrag von Innogy werde Eon wohl „unvermeidlich“ übernehmen.

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