Unternehmen

EU-Kommission: Vodafone darf Wettbewerber Unitymedia kaufen

Das Vodafone-Logo vor der Firmenzentrale in Düsseldorf.

Das Vodafone-Logo vor der Firmenzentrale in Düsseldorf.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Brüssel.  Vodafone darf den Wettbewerber Unitymedia übernehmen. Die Telekom bekommt damit verstärkt Konkurrenz. Was heißt das für den Kunden?

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Vodafone darf den Wettbewerber Unitymedia kaufen und somit bundesweite Kabelnetze betreiben, entschied die EU-Kommission am Donnerstag. Damit würde ein neuer, großer Telekommunikationskonzern in Deutschland entstehen.

Gemeinsam versorgen die beiden Unternehmen fast 15 Millionen deutsche TV-Haushalte – Unitymedia mit Sitz in Köln als bundesweite Nummer zwei in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen, Marktführer Vodafone in allen übrigen Bundesländern.

Insgesamt versorgen die Kabelnetze deutschlandweit rund 17 Millionen Haushalte mit TV-Signalen und sind nach dem Satelliten der zweitwichtigste TV-Übertragungsweg im Land. Vodafone erreicht nach der Fusion also mehr als 80 Prozent der Kabelhaushalte.

Telekom muss mit verstärkter Konkurrenz rechnen

Der Fall weist aber über den TV-Markt hinaus: Der neue Riese könnte auch in anderen Bereichen zum großen Wettbewerber werden. Schon jetzt versorgen die TV-Kabelnetze viele Haushalte auch mit schnellem Internet und Festnetz. Hinzu kommt das Mobilfunknetz von Vodafone.

Kabelfernsehen könnte künftig gemeinsam mit Internet und Mobilfunk stärker als bislang aus einer Hand kommen. Mit verschärfter Konkurrenz muss nun vor allem die Deutsche Telekom rechnen, die einen flächendeckenden Konkurrenten im Breitband- und Mobilfunkmarkt bekommt.

• Auch interessant: 5G-Netz: Wie schnell kommt der neue Mobilfunkstandard?

Der Konzern teilte am Donnerstag mit, die Entscheidung aus Brüssel mit Blick auf mögliche rechtliche Schritte prüfen zu wollen. Für eine Klage wäre zunächst das Gericht der Europäischen Union (EuG) zuständig, eine Vorinstanz des Europäischen Gerichtshofs (EuGH).

Nachteile befürchten neben der Telekom auch kleinere und mittelständische Glasfaseranbieter. Sie betonen, dass die Marktmacht des neuen Anbieters Investitionen in hochleistungsfähige Glasfasernetze direkt in die Häuser eher hemmen werde.

Welches Mobilfunknetz ist das beste in Deutschland?

EU-Kommission verweist auf große Marktmacht

Auch TV-Sender haben die Pläne wiederholt kritisiert. Sie verweisen darauf, dass der neue Kabelnetzriese auf einer eigenen Plattform exklusive Filme und Serien bereitstellen oder mit hohen Summen auf dem ohnehin zunehmend umkämpften Markt für Sportübertragungen mitbieten könnte. Vodafone hat entsprechende Pläne bislang jedoch stets dementiert.

Sorgen bereitet den Kritikern auch eine Besonderheit des deutschen Rechts: Das sogenannte Nebenkostenprivileg erlaubt es Vermietern, die Kosten für einen Kabelnetzanschluss bei den Nebenkosten aufzuschlagen - und zwar unabhängig davon, ob die Mieter den Anschluss nutzen oder nicht.

• Auch interessant: Unitymedia darf Router nutzen – was das für Kunden bedeutet

Betroffen sind etwa elf Millionen Haushalte. Das fusionierte Unternehmen habe dadurch einen großen Vorteil, denn das Nebenkostenprivileg setze wenig Anreize für die betroffenen Mieter, andere TV-Übertragungswege als das Kabel zu wählen.

Auch die EU-Kommission hatte in einem Zwischenergebnis ihrer Prüfung im April einige Bedenken festgehalten. Sie verwies unter anderem auf die große Marktmacht, die Vodafone gegenüber TV-Sendern geltend machen könne. Vodafone sicherte deshalb zu, die Gebühren nicht zu erhöhen, die die Sender für ihre Verbreitung im Kabel bezahlen müssen.

Kabel Deutschland scheiterte mit Netz-Aufkauf

Außerdem versprach das Unternehmen, die Kapazitäten für die Übertragung von Fernsehprogrammen via Internet zu verbessern. Damit würden die TV-Sender „unabhängiger vom klassischen TV-Kabelnetz und damit von Vodafone“, hieß es zur Begründung.

Aus Sicht des Privatsenderverbandes Vaunet gingen diese Zugeständnisse nicht weit genug. Überzeugen konnten sie jedoch die EU-Kommission, die den Deal nun unter der Bedingung durchwinkte, dass Vodafone sich an sie hält. Dem Wettbewerber Telefónica Deutschland, der mit der Marke O2 im Mobilfunk- und Festnetzbereich aktiv ist, will Vodafone außerdem Zugang zu den Kabelnetzen gewähren - auch das ist eine Vorgabe der Kommission.

Neben den nun fusionierenden Unternehmen gibt es auf dem deutschen Kabelnetzmarkt noch einige kleinere Anbieter wie die Firma Tele Columbus, die mit der Marke Pÿur vor allem in Ostdeutschland aktiv ist. Die Telekom hatte ihr bundesweites TV-Kabelnetz Anfang des Jahrtausends an mehrere regionale Anbieter verkauft - auf Drängen der EU-Kommission, die damit mehr Wettbewerb ermöglichen wollte.

Der Vodafone-Vorgänger Kabel Deutschland war 2004 mit dem Versuch gescheitert, die Netze in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen aufzukaufen. Das Bundeskartellamt legte damals sein Veto ein. Weil Vodafone aber auch Teile des Osteuropa-Geschäfts des Unitymedia-Mutterkonzerns Liberty Global übernimmt, war für die Prüfung die EU-Kommission zuständig, die in diesem Bereich als weniger restriktiv gilt als die deutsche Wettbewerbsbehörde.

Zuletzt machte Vodafone auch negative Schlagzeilen. Wegen unerlaubter Werbung muss Vodafone Bußgeld zahlen. Zudem darf das Unternehmen seinen Vodafone-Pass nicht nur in Deutschland anbieten, urteilte zumindest das Landgericht Düsseldorf. Dagegen hat Vodafone allerdings Revision eingelegt.

(dpa/les)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben