Kammern in Sorge

Fahrverbot: Wirtschaft warnt vor Stigmatisierung des Reviers

Die Industrie- und Handelskammern warnen vor einer Teilsperrung der A 40 in Essen.

Die Industrie- und Handelskammern warnen vor einer Teilsperrung der A 40 in Essen.

Foto: Kerstin Kokoska

Duisburg.   Die Ruhrwirtschaft warnt davor, dass Fahrverbote das Revier stigmatisieren. Fehlende Erreichbarkeit werde die Entwicklung hemmen.

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Angesichts drohender Fahrverbote ab Sommer in Essen und Gelsenkirchen warnen die Industrie- und Handelskammern der Region vor einer „Stigmatisierung des Ruhrgebiets“. „Wenn auch nur der Eindruck entstünde, wir wären nicht erreichbar, hätten wir ein ernsthaftes Problem, und dies weit über unsere Region hinaus“, warnte der Duisburger IHK-Präsident Burkhard Landers am Mittwoch bei der Vorstellung des Ruhrlageberichts.

Die vom Oberverwaltungsgericht Münster angeordneten Fahrverbote, die auch die Autobahn A 40 zwischen Mülheim und Essen einbeziehen, würden die wirtschaftliche Entwicklung des Reviers hemmen.Landers: „Deshalb begrüßen wir, dass sich die Landesregierung vehement und öffentlich für eine bessere Lösung einsetzt.“

Weiter Zuversicht in der Ruhrwirtschaft

Die drohenden Fahrverbote treffen die Ruhrwirtschaft in einer Zeit, in der sie sich erfolgreich von der trüber werden Stimmung in der deutschen Wirtschaft absetzt. Die Frühjahrs-Umfrage der Kammern unter ihren Mitgliedern ergab, dass sich die Revier-Unternehmen weiterhin in robuster Verfassung fühlen. Fast die Hälfte der befragten Firmen (48 Prozent) bewertet ihre aktuelle Geschäftslage als gut, rund sieben Prozent sind unzufrieden. Auch der Blick in die Zukunft ist nach wie vor optimistisch. Fast jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) erwartet bessere Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten. Nur jeder neunte Betrieb (11 Prozent) geht von einer Verschlechterung aus.

Dennoch ziehen dunkle Wolken auf

„Insgesamt sind die Aussichten immer noch gut. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ziehen aber allmählich erste dunklere Wolken am Himmel auf“, schränkt IHK-Präsident Landers ein. Eine Reihe von Unsicherheiten lasteten auf den Unternehmen. Neben dem Brexit und dem Handelskonflikt zwischen USA und China nannte Landers vor allem den Fachkräftemangel. In ihm sehen der Umfrage zufolge 56 Prozent der Betriebe das größte Geschäftsrisiko.Landers begrüßte, dass die Landesregierung die Ausbildungsbotschafter der Kammern fördert, kritisierte aber, dass das Land parallel Talent-Scouts finanziere, die Schulabsolventen an die Unis locken sollen.

Firmen leiden unter Fachkräftemangel

Dabei zeigt sich der hiesige Arbeitsmarkt in guter Verfassung: Fast jedes vierte Unternehmen plant, die Beschäftigung in den kommenden Monaten auszuweiten. Nur zwölf Prozent erwarten geringere Beschäftigtenzahlen. Nachdenklich stimmt die Kammern zudem, dass die Investitionsbereitschaft der Unternehmen abnimmt. „Dieses Signal sollte uns klar machen, dass wir ein umfassendes Stärkungspaket für das Ruhrgebiet brauchen“, sagte Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Duisburger IHK und aktuell Sprecher der sechs Revier-Kammern. Sie unterstützen deshalb die Ruhrkonferenz der Landesregierung und haben ihren eigenen Forderungskatalog aufgestellt.

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