Digitalisierung

Gelsenkirchen läutet in Schulen Ende der „Kreidezeit“ ein

Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) sieht seine Stadt bei der Digitalisierung vorn.

Foto: Martin Möller

Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) sieht seine Stadt bei der Digitalisierung vorn. Foto: Martin Möller

Witten.   Alle 86 Gelsenkirchener Schulen haben schnelles Internet. Oberbürgermeister Frank Baranowski sieht die Stadt vorn bei der Digitalisierung.

Die Digitalisierung revolutioniert nicht nur Produktionsprozesse und den Einzelhandel, sie wird auch das Gesicht der Städte verändern. Einem internationalen Publikum präsentierte der Gelsenkirchener Oberbürgermeister Frank Baranowski bei einer Konferenz mit dem europäischen Forschungsnetzwerk Euricur in Witten, wie die „vernetzte Stadt“ der Zukunft aussehen wird.

Innerhalb des Ruhrgebiets gilt Gelsenkirchen als Vorbild, als die Stadt, die bei der Digitalisierung die größten Fortschritte gemacht hat. „Wir können durchaus etwas vorweisen“, sagt Baranowski. Nach seinen Angaben hat Gelsenkirchen die Mittel aus dem Konjunkturpaket I genutzt, um alle 15 Gewerbegebiete der Stadt an das Glasfasernetz anzuschließen. „Das ist ein Vorteil für mehr als 800 Firmen“, so der Oberbürgermeister.

Alle 86 Schulen haben schnelles Internet

Überdies habe Gelsenkirchen alle 86 Schulen mit schnellem Internet ausgestattet und sie miteinander vernetzt. „Hier haben wir die Nase vorn. Wir läuten das Ende der Kreidezeit ein“, sagt Baranowski. Soll heißen: In Gelsenkirchen verschwinden die Wandtafeln und werden durch elektronische Präsentationen ersetzt. Und: Die Stadt sieht er in der digitalen Vernetzung ein Mittel gegen den grassierenden Unterrichtsausfall. Der OB: „Wenn in einer Schule im Norden der Lehrer krank wird, können wir den Unterricht aus einer Schule im Süden dorthin übertragen.“ In Kürze sollen 100 Gelsenkirchener Kindergärten in den Genuss des schnellen Internets kommen und bis 2021 mehr als 50 000 Haushalte.

„Es darf keine Insellösungen geben“

Die digitalen Erfolge in Gelsenkirchen, erklärt Baranowski, seien ohne Partner nicht zu erzielen. So kooperiere die Stadt mit dem chinesischen Technologiekonzern Huawei, der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen und nicht zuletzt mit der Kommunikationsgellschaft Gelsen-Net, die den Stadtwerken gehört. „Es gibt viele Akteure. Die Kunst ist, sie zu einem Ganzen zusammenzuführen. Es darf keine Insellösungen geben“, betont der OB und bringt die vom Regionalverband Ruhr getragene Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr als Scharnier zwischen den Städten des Ruhrgebiets ins Spiel.

Deren Geschäftsführer Rasmus C. Beck sieht in allen Kommunen einen „hohen Transformationsdruck“, um bei der Digitalisierung mithalten und von ihr profitieren zu können. „Wir im Ruhrgebiet müssen uns intelligent spezialisieren und Leuchttürme identifizieren, die europaweit sichtbar sind“, sagt Beck. Christian Ketels von der Harvard Business School ist überzeugt, dass die Digitalisierung den Kommunen helfen werde, ihren Bürgerservice zu verbessern, Informationen über die Städte verfügbar zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsstandorte zu verbessern.

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