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Keine Google-Updates mehr? Das sollten Huawei-Kunden wissen

Huawei wird seine zukünftigen Smartphone-Modelle nicht mehr mit vorinstallierten Google-Diensten verkaufen können.

Huawei wird seine zukünftigen Smartphone-Modelle nicht mehr mit vorinstallierten Google-Diensten verkaufen können.

Foto: DADO RUVIC / Reuters

Berlin  Die USA treiben den chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei in die Enge. Kunden könnten von Software-Updates ausgeschlossen werden.

US-Präsident Donald Trump bringt den Handy-Anbieter Huawei in Bedrängnis. Huawei wird seine zukünftigen Smartphone-Modelle nicht mehr mit vorinstallierten Google-Diensten verkaufen können. Google entzieht dem weltweit zweitgrößten Handy-Anbieter die Rechte an der Nutzung der eigenen Dienste.

Dazu gehören Updates für das Google-Betriebssystem Android, aber auch Karten- und E-Mail-Anwendungen. Hintergrund ist ein Dekret des US-Präsidenten. Amerikanische Unternehmen brauchen künftig eine Genehmigung, um Technikprodukte an bestimmte chinesische Firmen zu liefern. Darunter fallen neben Software wie An­droid auch Mikrochips.

Huawai – Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was bedeutet das für Huawei-Kunden in Deutschland?

Google hat am Montag auf Twitter klargestellt, dass der Play Store und alle Apps auf Huawei-Handys weiterhin funktionieren. Kurzfristig ändert sich also nichts, alle Funktionen bleiben erhalten.

Aber: Smartphones brauchen regelmäßig Erneuerungen ihrer Software, um Sicherheitslücken zu schließen und auf neue technische Entwicklungen einzugehen. Wenn Google den Chinesen wirklich endgültig die Lizenzen aufkündigt, dann gäbe es künftig diese Updates nicht mehr wie gewohnt.

Derzeit sieht es allerdings so aus, als nutze Trump das Embargo vor allem als Druckmittel in laufenden Verhandlungen. Es ist also durchaus damit zu rechnen, dass Huawei und Google auch künftig kooperieren. Außerdem bemüht sich Google dem Vernehmen nach bei der Regierung um eine Genehmigung für die weitere Zusammenarbeit mit Huawei. Das Management dort folgt dem Befehl Trumps generell nur ungern.

Die US-Regierung hat zudem einen Aufschub gewährt. Ab sofort gelte für 90 Tage eine Regelung, die einige Geschäfte mit Huawei erlaube, teilte das US-Handelsministerium in der Nacht zum Dienstag mit. Dabei geht es vor allem um die Versorgung bestehender Smartphone-Nutzer sowie den Betrieb von Mobilfunk-Netzwerken mit Huawei-Technik.


Was passiert, wenn Huawei die Android-Lizenzen langfristig verliert?

Der Play Store bleibe auch künftig für alle Bestandskunden offen, teilte Google über Twitter mit. Das gilt vermutlich auch für die anderen Google-Dienste wie Karten, Gmail, Youtube, den Chrome-Browser und die Google-Cloud. Das Handy würde auf jeden Fall noch funktionieren: Der Kern des Betriebssystems ist frei verfügbar.

Updates müsste Huawei dann in Eigenregie auf Basis des offenen Systemkerns entwickeln. Das kann länger dauern, aber es geht. In China, dem weltgrößten Markt, liefert Huawei seine Produkte zwar grundsätzlich mit eigenen Lösungen aus, denn der Zugang zu Google-Servern ist dort vom Staat blockiert.

Doch in westlichen Ländern wie Deutschland wären Handys ohne Google Maps, Gmail und Youtube nur schwer zu verkaufen. Ein Zurückfallen auf die reine Open-Source-Software wäre also ein schwerer Schlag für Huawei – der Absatz solcher Smartphones ist unrealistisch. Der derzeit weltweit zweitgrößte Anbieter nach Samsung könnte wieder deutlich zurückfallen.

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Probleme gibt es auch auf der Hardware-Seite. Zwar hortet Huawei Chips für sechs Produktions­mo­nate – doch die Zeit reicht nicht, um Alternativen zu entwickeln. Auch die Entwicklung eines Ersatzbetriebssystems und der Abschluss von Verträgen für alternative Apps würde lange dauern. Auch Amazon, das ebenfalls einen großen App-Store betreibt, kommt schließlich aus Amerika. Im ungünstigsten Szenario könnte Huawei für viele Monate keine konkurrenzfähigen Handys anbieten.

Wer ist noch betroffen?

Auch Microsoft könnte künftig gezwungen werden, die Vergabe von Windows-Lizenzen für Notebooks von chinesischen Anbietern zurückzuziehen. Huawei könnte Geräte wie das MateBook von Haus aus mit dem alternativen Betriebssystem Linux ausliefern, die Kunden müssten dann selbst ein Windows- 10-Betriebssystem installieren.

Das ist aber keine kundenfreundliche Lösung, die sicherlich viele Käufer abschrecken würde. Letztlich sind die Folgen des Trump-Dekrets bereits weltweit in den Lieferketten der Technikbranchen zu spüren.

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Auch der deutsche Chip-Hersteller Infineon musste bereits auf das Trump-Dekret reagieren. Das Unternehmen aus Neubiberg teilte mit, keine in den USA hergestellten Halbleiter mehr an Huawei zu liefern. In Deutschland produzierte Chips seien jedoch nicht betroffen, sagte ein Sprecher. „Aktuell unterliegt die überwiegende Mehrheit der Produkte, die Infineon an Huawei liefert, nicht den gesetzlichen Beschränkungen der US-Exportkontrolle.“

Die großen amerikanische Anbieter Qualcomm, Micron, Western Digital und Qorvo haben ihre Lieferungen an Huawei bereits vollständig eingestellt. Die Liefersperre kann dem chinesischen Techniksektor ernsthaft schaden.

Auch wenn die große Masse der weltweit gebauten Technikprodukte aus China kommt, so sind deren Hersteller doch auf Spezialteile aus westlichen Ländern angewiesen. Dazu gehören beispielsweise die besonders stromsparenden Chips, die gleich mehrere Funktionen wie Prozessor und Grafikausgabe in einem Aufwasch übernehmen.

In solchen Chips steckt enormes Wissen, das zudem durch Patente geschützt ist. Am Montag fielen daher die Kurse chinesischer Technikwerte weltweit an den Börsen.

Im Frühjahr 2018 hatte ein entsprechendes US-Embargo bereits den chinesischen Telekommunikationsausrüster ZTE an den Rand des Ruins getrieben; nur Staatshilfen hielten das Unternehmen am Leben. Erst als Präsident Xi Jinping sich bei Trump persönlich für ZTE einsetzte, ließ dieser die Lieferung notwendiger Chips wieder zu.

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