Südwestfalenwirtschaft

IHKs warnen vor Strohfeuer-Prämien in der Corona-Krise

Die Spitzen der IHKen sprechen immer häufiger mit einer Stimme für die Belange der südwestfälischen Wirtschaft.: Von links: Dr. Ralf Geruschkat, Hauptgeschäftsführer SIHK Hagen, Ralf Stoffels Präsident SIHK Hagen, Dr. Ilona Lange, Hauptgeschäftsführerin IHK Arnsberg, Andreas Rother, Präsident IHK Arnsberg, Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer IHK Siegen und Felix G- Hensel, Präsident IHK Siegen.

Die Spitzen der IHKen sprechen immer häufiger mit einer Stimme für die Belange der südwestfälischen Wirtschaft.: Von links: Dr. Ralf Geruschkat, Hauptgeschäftsführer SIHK Hagen, Ralf Stoffels Präsident SIHK Hagen, Dr. Ilona Lange, Hauptgeschäftsführerin IHK Arnsberg, Andreas Rother, Präsident IHK Arnsberg, Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer IHK Siegen und Felix G- Hensel, Präsident IHK Siegen.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Die drei Industrie- und Handelskammern in Südwestfalen warnen, wegen der Corona-Krise staatliche Gelder weiter mit der Schubkarre zu verteilen.

In der südwestfälischen Wirtschaft breitet sich offenbar flächendeckend die Sorge aus, dass der Staat in der Corona-Krise zu viel und teilweise falsch Steuergeld ausgibt. „Wir häufen gerade Schuldenberge auf. Ob das noch alles sinnvoll eingesetzt werden kann, daran darf man Zweifel haben“, warnt Felix Hensel, Präsident der IHK Siegen, vor einer schweren Hypothek.

Ebenso wie seine Ehrenamtskollegen Ralf Stoffels (Präsident SIHK Hagen) und Andreas Rother (Präsident IHK Arnsberg) befürchtet Hensel, dass die Rechnung am Ende so hoch wird, dass sie kontraproduktiv wirkt. Traditionell argumentieren die Wirtschaftsvertreter, dass der Staat die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessern müsse, damit die Wirtschaft florieren kann.

Investitionen in Infrastruktur

Jetzt geht es für viele Betriebe natürlich darum, überhaupt erst einmal zu überleben. Daran, dass die Regierung ad hoc Soforthilfen und in einem hohen Maße Sicherheiten für Kredite verteilt und versprochen hat, entzündet sich ausdrücklich nicht die Kritik der südwestfälischen Wirtschaft. Dennoch dürften einige Betriebe die Krise nicht überleben. „Von 120 Reisebüros im Kammerbezirk Siegen werden relativ wenige übrig bleiben“, vermutet IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener.

Allerdings entscheidet sich mit Blick auf das angekündigte Konjunkturpaket sehr bald, in welche Richtung das Krisenmanagement steuert. Kaufprämien für Autos lehnen laut Kammer selbst Unternehmen aus der Automobilzuliefererbranche ab. Für diese Art Strohfeuer gibt es offenbar keinerlei Akzeptanz. Geld zu verschenken, um Inlandsnachfrage anzukurbeln, sei jedenfalls der falsche Weg. „Mit geliehenem Geld lässt sich nicht jedes Problem lösen“, so Hensel. Um nachhaltig aus der Krise zu kommen, seien jetzt strukturelle Maßnahmen notwendig, wie sie auch vor Corona bereits diskutiert wurden: Abbau der Besteuerung der Strompreise; was nicht nur Unternehmen zugute käme. Die Senkung der Unternehmensbesteuerung auf ein Maß, dass dem konkurrierender Staaten entspricht. Die komplette Abschaffung des Solidaritätszuschlags, der jetzt noch für die Bestverdienenden weiterlaufen soll. Mittelständische Unternehmer beklagen dabei, dass ihr Vermögen schließlich im Wesentlichen in den Betrieben verbleibe.

Der Staat müsse durchaus weiter Geld ausgeben. Allerdings sinnvollerweise für Verbesserung der Infrastruktur „in Schulen, Hochschulen oder beim Breitbandausbau etwa“, benennt Gräbener Felder.

Schnelle Grenzöffnungen

Als exportorientiertes Land, müsse jetzt schnell der Warenverkehr innerhalb Europas wieder sichergestellt werden, damit Lieferketten nicht abreißen, fordert Hagens Kammerpräsident Ralf Stoffels Tempo bei der Öffnung der Grenzen und hofft auf die EU-Ratspräsidentschaft der Deutschen ab dem 1. Juli 2020. Außerdem sei eine Verlängerung der Übergangsphase beim Brexit zwingend notwendig. Ob da allerdings Premier Boris Johnson mitspielt, ist fraglich.

Immerhin: Beim Thema Ausbildung sind die Kammervertreter recht zuversichtlich, dass die Corona-Krise nicht allzu viel Schaden angerichtet hat. Vonseiten der Betriebe gibt es jedenfalls „die gute Botschaft, dass erneut mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen als es Bewerber gibt“, erklärt Arnsbergs IHK-Präsident Andreas Rother. Das sei deshalb so wichtig, „weil uns der Fachkräftemangel ja auch nach der Coronakrise bleibt.“ Auch wen n die Arbeitslosenzahlen nur erst einmal deutlich in die Höhe schnellen dürften.

Ein Problem haben alle Ausbildungsbetriebe aktuell: Es gibt keine Präsenz-Ausbildungsmessen, keine Chance, Praktika zu vergeben und Kontakte zu potenziellen Bewerbern zu knüpfen. Daran arbeiten gerade alle drei IHKen. In Kürze soll es virtuelle Ausbildungsmessen geben, wo sich Ausbilder und junge Leute kennenlernen können.

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