Digitalisierung

IT-Fachkräfte im Mittelstand händeringend gesucht

Die Digitalisierung verändert Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle. Datenbrillen halten Einzug in die Betriebe.

Die Digitalisierung verändert Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle. Datenbrillen halten Einzug in die Betriebe.

Foto: vario images

Essen.   Der IT-Dienstleister Datagroup nimmt den Mittelstand in Schutz. Die Firmen seien für die Digitalisierung offen, es fehlten aber IT-Fachkräfte.

Die Digitalisierung wird die Wirtschaft weiter verändern. Doch Experten sehen gerade bei kleineren und mittleren Unternehmen Nachholbedarf. Mit Andreas Baresel, Vorstandsmitglied des bundesweit tätigen IT-Dienstleisters Datagroup, sprach Frank Meßing.

Etliche Studien zeigen, dass der Mittelstand bei der Digitalisierung hinterherhinkt. Kennen Sie die Gründe für die Zurückhaltung?

Baresel: Bislang ging es darum, alte und neue IT-Systeme miteinander zu harmonisieren. Jetzt findet die Digitalisierung auch außerhalb der Produktion statt. Das verändert zum Teil ganze Geschäftsmodelle. Der Mittelstand ist bei dem Thema gar nicht so verschlossen, wie es öffentlich häufig dargestellt wird. Man setzt sich sehr intensiv mit der Digitalisierung auseinander. Allerdings fehlen den Unternehmen IT-Experten. In diesem Bereich gibt es einen absoluten Fachkräftemangel.

Aber gerade bei der Fortentwicklung der Geschäftsmodelle scheint es den Studien zufolge zu hapern.

Es ist das Denken von Ingenieuren, dass Technologien die Lösungen sind. Das ist aber nicht der einzig richtige Ansatz. Unternehmen müssen die Digitalisierung nutzen, um ihr Geschäft auszuweiten. Im Handel ist das nicht nur der Onlineshop. Man kann Kassen miteinander vernetzen, Bestellterminals für Kunden aufstellen und über die Auswertung von Daten personalisierte Angebote machen.

Welche Kosten kommen auf die Unternehmen zu?

Klassische IT-Kosten belaufen sich im Schnitt auf zwei Prozent des Umsatzes. Wenn aber etwa ein Armaturenhersteller auch ins Smarthome-Geschäft einsteigt, liegen die Kosten höher. Dafür läuft aber ein großer Teil der Wertschöpfung über die Digitalisierung.

Inwieweit hemmt die viel kritisierte öffentliche Infrastruktur die Digitalisierung?

Natürlich muss Deutschland seine Netze weiter ausbauen. Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Daten in Clouds. Dazu brauchen wir Kapazitäten und Geschwindigkeiten, stoßen mit den Bandbreiten, die uns aktuell zur Verfügung stehen, aber an Grenzen.

Aber die Schuld ist doch sicher nicht nur beim Staat zu suchen.

Der öffentliche Teil der Verantwortung beträgt maximal 50 Prozent. Manche Unternehmen haben schlicht ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Es gibt einen Nachholbedarf bei so wichtigen Dingen wie automatisierte Abrechnungen und saubere Pflege von Kunden-Stammdaten.

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Dienstleister wie die Datagroup?

Wir halten IT-Experten vor, die mittelständische Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation begleiten können. Es gibt aber auch Fullservice-Angebote. Das heißt, die Firmen können ihre IT ganz in die Hände von Dienstleistern legen. Damit schaufeln sie sich Potenzial an anderer Stelle frei.

>>> Datagroup betreut 600.000 IT-Arbeitsplätze

Die Datagroup aus Baden-Württemberg gehört zu den bundesweit führenden IT-Service-Unternehmen. Mehr als 2000 Mitarbeiter an Standorten in ganz Deutschland – darunter Duisburg, Dortmund und Düsseldorf – konzipieren und betreiben IT-Infrastrukturen. Sie betreuen rund 600.000 IT-Arbeitsplätze.

Andreas Baresel (43) ist seit 2012 für die Datagroup tätig, die im Geschäftsjahr 2017/18 einen Umsatz von 272,1 Millionen Euro erwirtschaftete. Im Herbst 2018 rückte er in den Vorstand der expandierenden Gruppe auf. Dort ist Baresel unter anderem für die IT-Fabriken des Unternehmens zuständig.

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