Warenhäuser

Kaufhof-Chef fordert Lohnverzicht und droht mit Stellenabbau

Die Warenhäuser von Galeria Kaufhof stehen vor tiefen Einschnitten.

Foto: imago stock&people

Die Warenhäuser von Galeria Kaufhof stehen vor tiefen Einschnitten.

Essen.   Kaufhof-Chef Neuwald fordert eine „wirtschaftliche Atempause“ für die Warenhauskette und droht mit Stellenabbau in den Filialen.

Die Warenhauskette Kaufhof kommt nicht zur Ruhe. Auch wenn der Karstadt-Eigentümer René Benko, seine Pläne erst einmal aufgegeben hat, den Kölner Rivalen zu übernehmen, steht Kaufhof vor tiefen Einschnitten.

Der frühere Metro-Manager Roland Neuwald kam erst im Herbst auf den Chefsessel von Galeria Kaufhof. Ein Sanierer-Job. Die Warenhauskette, die seit Mitte 2015 zur kanadischen Gruppe Hudson’s Bay Company (HBC) gehört, schreibt rote Zahlen. Jetzt kündigte Neuwald an, dass er bis 2020 jeden vierten der 1600 Arbeitsplätze in der Kölner Zentrale sozialverträglich streichen will. Im Interview mit dem „Kölner Stadtanzeiger“ sprach Neuwald von einem „notwendigen Prozess“ und forderte: „Wir brauchen eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur.“

Im Konzernumfeld wird immer wieder betont, dass die frühere Metro-Tochter eine überdimensionierte Verwaltung vorhalte. „Unsere Kosten sind viel höher als bei Wettbewerbern“, erklärt Neuwald und verweist damit indirekt auf den Konkurrenten Karstadt, der bereits vor geraumer Zeit aus dem Flächentarifvertrag ausgestiegen war. Karstadt schreibt nun wieder bessere Zahlen und will in den Tarif zurückkehren.

Diesen Weg will auch Kaufhof gehen und verlangt von seinen rund 21 000 Mitarbeitern, auf Teile des Gehalts, Urlaubs- und Weihnachtsgeldes zu verzichten. In der „Bild“-Zeitung drückt Neuwald aufs Tempo. Sollte es nicht zu einem Sanierungstarifvertrag kommen, droht der Kaufhof-Chef mit Stellenabbau auch in den knapp 100 Filialen. „Wir brauchen die wirtschaftliche Atempause, um wieder Wasser unter den Kiel zu bekommen“, sagte Neuwald.

Die Gewerkschaft Verdi, die den geforderten Sanierungstarifvertrag mit Kaufhof aushandeln müsste, verwahrt sich gegen die Drohung. „Es ist kontraproduktiv, wenn die Geschäftsführung schon im Vorfeld möglicher Verhandlungen Druck aufbaut“, sagte Verdi-Sprecher Günther Isemeyer dieser Zeitung.

Wirtschaftsprüfer eingeschaltet

Die Gewerkschaft hat einen Wirtschaftsprüfer beauftragt, in die Bücher von Kaufhof und der Unternehmen, die zu HBC Europe gehören, zu schauen. Die Ergebnisse, die noch nicht vorliegen, will Verdi mit Betriebsrat und Belegschaft diskutieren. Erst danach werde die Tarifkommission entscheiden, ob sie Verhandlungen mit Kaufhof aufnimmt. Das Ziel steht für Isemeyer schon jetzt fest: „Wenn Mitarbeiter auf Gehalt verzichten sollen, muss es am Ende auch eine Sicherheit dafür geben, dass Arbeitsplätze und Standorte nicht gefährdet sind.“

Während sich an der Tariffront ein Konflikt abzeichnet, kehrt an einer anderen Stelle erst einmal Ruhe ein. Am späten Mittwochabend lehnte die Kaufhof-Mutter Hudson’s Bay die drei Milliarden Euro schwere Offerte der Signa-Holding des österreichischen Karstadt-Eigentümers René Benko ab. Das Angebot liege „signifikant“ unter dem Wert des Deutschland-Geschäfts und der damit verbundenen Immobilienwerte, teilte HBC mit. Daraufhin habe Signa das Angebot zurückgezogen und die Gespräche beendet.

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