Gartenkultur

Kettler 2019 mit Start-up-Gefühl und Innovationen

Der Sport- und Freizeitartikelhersteller Kettler aus Ense-Parsit erhielt am 30. Juni auf der Messe Gardiente in Hofheim den Outdoor-Living-Award in Gold für die Modul-Möbelserie Nassa. Im Bild: Geschäftsführer Olaf Bierhoff

Der Sport- und Freizeitartikelhersteller Kettler aus Ense-Parsit erhielt am 30. Juni auf der Messe Gardiente in Hofheim den Outdoor-Living-Award in Gold für die Modul-Möbelserie Nassa. Im Bild: Geschäftsführer Olaf Bierhoff

Foto: Kettler

Ense/Hofheim.   Die Marke Kettler macht nach dem Beinahe-Aus wieder positiv von sich reden. Für exklusive Design-Gartenmöbel gab es jetzt einen Award.

Der Sport- und Freizeitartikelhersteller Kettler kommt ein halbes Jahr nach dem Beinahe-Aus offenbar wieder in Fahrt. Auf der Gardiente, einer Fachmesse für Gartenkultur Hofheim (Rhein-Main), erhielt das Unternehmen am Sonntagabend den „Outdoor-Living-Award“ in Gold. Ausgezeichnet wurde „Nassa“, eine Design-Modul-Gartenmöbelserie. „Es ist eine völlig neue Art Gartenstuhl“, sagt Unternehmenssprecherin Stefanie Risse. Modern, frisch, innovativ – so will Kettler im 70. Jahr des Bestehens auftreten und nicht nur verlorenes Vertrauen zurückgewinnen, sondern auch neue Kunden erobern.

Schwierigkeiten mit der Produktion nachzukommen

„Im Prinzip sind wir ein Start-up“, beschreibt Kettler-Geschäftsführer Olaf Bierhoff die Ausgangsposition. Als man nach der Rettung durch den Mittelstandsinvestor Lafayette kurz vor Weihnachten mit auf 500 Beschäftigte deutlich dezimierter Mannschaft ins neue Jahr startete, „haben wir quasi bei null angefangen“.

Die ersten Messen – IMM Cologne, Spielwarenmesse Nürnberg und ISPO München – liefen gut. Dem größten Comeback aller Zeiten (mutiger Werbeslogan) schien nichts im Weg zu stehen. Das Kundeninteresse an Kettlerprodukten sei hoch gewesen, beinahe zu hoch. Das Unternehmen hatte zwischenzeitlich Schwierigkeiten, um 200 Leute dezimiert, mit der Produktion nachzukommen, räumt Bierhoff ein.

Sortiment wird gestrafft

Langsam kommt das Unternehmen wieder dahin, Produktion vorhalten zu können, um Lieferzeiten kürzer zu halten. Die Konsequenz aus den Engpässen im Frühjahr: Kettler will in Zukunft das Sortiment straffen, in allen Bereichen. Nicht mehr so viele Varianten in Form und Farbe bei den Gartenmöbeln, nicht mehr derart viele verschiedene Sportgeräte, die sich nur in Details unterscheiden.

Diese Strategie soll die Produktion effizienter und schneller machen – und Raum bieten, die Marke zu entstauben, um Neues, Überraschendes zu entwickeln, „damit die Leute wieder über Kettler reden“, hoffen Bierhoff und Risse. So wie bei der gerade preisgekrönten Serie „Nassa“, die 2020 in China gefertigt, aber in Objektqualität auf den Markt kommen soll – also robust genug, um ein Jahrzehnt im Biergarten zu überstehen. Die Entwicklung von Kettler-Neuheiten soll weiter in Deutschland stattfinden – und auch ein wesentlicher Teil der Produktion, etwa im Sportbereich. „Made in Germany“ bleibt für den Wert der Marke aus Bierhoffs Sicht unersetzlich.

120 Millionen Euro Umsatz

Kurzfristiges Geschäftsziel sei es, die 120 Millionen Euro Jahresumsatz im kommenden Geschäftsjahr (ab 1. August) mindestens zu erreichen, mittelfristig zu steigern. Noch macht der Umsatz mit Sportartikeln mit 60 Millionen Euro den größten Teil aus. 40 Millionen Euro werden mit Garten- und Freizeitmöbeln umgesetzt, die restlichen 20 Millionen spielen die Bereiche Kinder und Spielzeug, Jugendmöbel und Auftragsfertigung für die Automobilbranche ein. Profitieren müsste Kettler künftig auch von den Markenrechten für die Großbritannien und den Wachstumsmarkt USA, die bisher noch nicht im Fokus des „Start-ups“ standen, das sich in den vergangenen Monaten vor allem um dem asiatischen Markt kümmerte.

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