Klimaschutz

Kohlegegner protestieren gegen Datteln IV

Klimaschützer demonstrierten am Wochenende vor dem Kraftwerk Datteln IV..

Klimaschützer demonstrierten am Wochenende vor dem Kraftwerk Datteln IV..

Foto: Guido Kirchner / dpa

Datteln/Düsseldorf.  Betreiber Uniper will den umstrittenen Steinkohle-Meiler bis 2038 laufen lassen. Mittwoch tagen die Aktionäre.

Etwa 120 Personen haben an diesem Sonntag (17. Mai 2020) vorm umstrittenen Steinkohlekraftwerk Datteln IV gegen die anstehende Inbetriebnahme demonstriert. Die Veranstaltungen seien friedlich und störungsfrei gewesen, teilte die Polizei im Kreis Recklinghausen mit. Nur vereinzelt habe man auf den Corona-Sicherheitsabstand von 1,50 Meter hinweisen müssen.

Hinter den Demos standen lokale Gruppen und das Anti-Kohle-Bündnis „Ende Gelände“. Auch der BUND hatte zuletzt eine Mahnwache abgehalten, zudem gibt es Protest im Internet. Nach langen Wochen der Corona-Zurückhaltung melden sich Klimaschützer nicht von ungefähr wieder verstärkt zu Wort – an diesem Mittwoch (20. Mai 2020) kommen Aktionäre von Datteln IV-Betreiber Uniper zur Hauptversammlung zusammen, wegen der Corona-Pandemie aber nur online.

Uniper: So effizient wie moderne Gaskraftwerke

In vorab im Internet veröffentlichten Unterlagen macht der Energiekonzern deutlich, dass man Datteln IV bis zum Enddatum des Kohleausstieges, also bis 2038, betreiben will. Bis 2035 indes werde man seine Energieerzeugung in Europa auf CO2-Neutralität umgestellt haben. Die Inbetriebnahme von Datteln IV (Bruttoleistung: 1100 Megawatt) nennt Uniper als wichtigen Schritt auf dem Weg dahin.

Der Gesamtwirkungsgrad von Datteln IV werde unter Einbeziehung der Wärmeauskopplung einen Spitzenwert von 60% erreichen, Datteln IV sei damit so effizient wie moderne Gaskraftwerke. Für den neuen Kohlemeiler sollen alte mit einer Gesamtkapazität von 3000 Megawatt abgeschaltet werden, darunter die drei Blöcke in Scholven bis Ende 2022. Unterm Strich werde man den klimaschädlichen C02-Ausstoß so um 40% senken.

BUND: Nicht zur Energieversorgung nötig

Umweltschützer glauben nicht daran und verweisen darauf, dass die alten Kohleblöcke zuletzt längst nicht ausgelastet gewesen seien. Der BUND erinnert an eine Studie des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung, wonach ein Betrieb von Datteln IV - über die ganze Laufzeit gerechnet - sogar zu CO2-Mehremissionen von 40 Millionen Tonnen führen würde.

„Wir brauchen dieses Kraftwerk nicht zur Energieversorgung“, sagt Dirk Jansen, BUND-Geschäftsleiter in NRW. Es sei nicht so flexibel wie Gaskraftwerke. Mit Datteln IV hingegen drohe Uniper sogar seine eigenen, bestehenden Gaskraftwerke am Markt zu kannibalisieren, weil Datteln IV günstiger Strom erzeugen könne.

Internetclip mit finnischen Partnern

Kohlegegner hoffen, dass der finnische Staat noch in die Inbetriebnahme von Datteln IV hineingrätscht. Finnland verfolgt selbst einen ambitionierten Kohleausstieg und ist über die Gesellschaft Fortum an Uniper mehrheitlich beteiligt. Mit finnischen Umweltaktivisten will der BUND heute ein Internet-Video zu Datteln IV veröffentlichen. „Wir wollen zeigen, wie breit der Protest ist“, sagt Dirk Jansen. Auch die Hauptversammlung von Uniper werde man am Mittwoch mit einer Aktion kreativ begleiten, kündigte der BUND-Geschäftsleiter an. Zuletzt hatte der Umweltverband schon „als kreativen Protest in Corona-Zeiten“ ein Onlinespiel gegen Datteln IV veröffentlicht.

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