AU-Schein

Krankschreibung per WhatsApp: Diese Firma macht es möglich

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Hamburg/Kiel  Die Firma AU-Schein bietet Krankschreibungen über WhatsApp an. Das sorgt jedoch für Kritik bei niedergelassenen Ärzten in Deutschland.

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Manchmal ist man einfach zu schlapp, um sich mit einer Erkältung zum Arzt zu schleppen. Doch wenn der Arbeitgeber eine Krankschreibung verlangt, bleibt Patienten nichts anderes übrig. Dieses Dilemma löst nun eine Firma aus Hamburg: die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kommt ganz praktisch auf Handy – per WhatsApp.

Das einzige, was Patienten dafür machen müssen? Im Internet ein Formular der Firma AU-Schein ausfüllen und die Symptome schildern. Eine Ärztin prüft dann, ob die Symptome zu einer Erkältung passen. Ist das der Fall, kommt die Krankschreibung aufs Handy. Der Dienst kostet neun Euro.

Bei Ärztevertretern stößt der vermeintlich praktische Dienst jedoch auf Kritik. Die Ärztekammern in Hamburg und Schleswig-Holstein raten von der Nutzung des Online-Angebots ab – „allein schon aus datenschutzrechtlichen Gründen“, wie der Ärztliche Geschäftsführer der schleswig-holsteinischen Kammer, Carsten Leffmann, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur sagte. Schließlich werden Patientendaten über WhatsApp verschickt und damit über US-Server des Mutterkonzerns Facebook geleitet.

Der Dienst AU-Schein ist seit kurz vor Weihnachten verfügbar

Ähnlich äußerte sich Nicola Timpe von der Ärztekammer Hamburg. Zudem müsse die rechtliche Grundlage des Online-Angebots noch geklärt werden, sagte sie. Auch könne es sein, dass Arbeitgeber eine solche Krankschreibung nicht anerkennen.

Die Firma AU-Schein bietet seit der Woche vor Weihnachten Erkälteten Krankschreibungen per WhatsApp an, bis Anfang Januar nutzte diesen Service allerdings erst ein Dutzend Erkrankte.

Das Unternehmen verweist nach der Kritik auf die Datensicherheit. Die Kommunikation mit einer Ärztin – inklusive persönlicher Daten und Foto der Versichertenkarte – erfolge über den verschlüsselten Messenger-Dienst WhatsApp und entspreche damit auch der Datenschutz-Grundverordnung, sagte Firmengründer Can Ansay.

Laut Anbieter sind Erkältungen für Telemedizin geeignet

Möglich sei dieses Angebot durch die im vergangenen Jahr erfolgte Lockerung des sogenannten Fernbehandlungsverbots. Auch müssten die Krankschreibungen Rechtsgutachten zufolge von den Kassen anerkannt werden, selbst wenn diese von einer Privatärztin ohne Kassenzulassung ausgestellt würden, sagte er.

Erkältungen seien für Telemedizin optimal geeignet, da sie in der Regel ungefährlich und für den Arzt zumeist auch ohne persönlichen Kontakt diagnostizierbar seien. „Es geht ja damit niemand zum Arzt, wenn er nicht Komplikationen hat oder eben eine Krankschreibung braucht.“

Das sind vier Alternativen zu WhatsApp

Dennoch sei die Nachfrage bisher „eher zögerlich“, sagte Ansay. Von den ersten zwölf Patienten hätten alle eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erhalten, davon zwei allerdings erst nach weiteren Nachfragen der für seine Firma tätigen Ärztin. Bei den Nutzern habe es sich größtenteils um Menschen aus dem Großraum Hamburg und Schleswig-Holstein gehandelt. „Einer kam aus Berlin.“

Ansay verwies auf die Berufsordnung der Ärztekammer Schleswig-Holstein, die im Gegensatz zur Muster-Berufsordnung der Bundesärztekammer einen weitreichenderen Einsatz der Telemedizin zulasse.

Deshalb fahre seine Ärztin, die über keine eigene Praxis und auch keine kassenärztliche Zulassung verfüge, täglich von Hamburg über die Landesgrenze nach Schleswig-Holstein, um dort die Online-Krankschreibungen zu bearbeiten.

Gesundheitsminister Spahn will Telemedizin fördern

Eine Krankschreibung via WhatsApp habe die Kieler Kammer bei der Regelung der Berufsordnung nicht im Auge gehabt, sagte Leffmann. „Ich sehe schon einen Unterschied zwischen einer Fernbehandlung und der Fernausstellung eines Dokuments.“

Zudem gebe es bereits sichere technische Lösungen speziell für die Telemedizin, die in Zukunft weiter ausgebaut werden müsse. „Von den Angeboten global agierender Unternehmen wie WhatsApp oder Skype rate ich in diesem Zusammenhang aber ab.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will das digitale Rezept einführen. Dieses soll direkt aufs Handy kommen.

WhatsApp-Krankschreibungen auf zwei pro Jahr begrenzt

Timpe warnte, dass misstrauische Arbeitgeber die Anerkennung einer mittels WhatsApp ausgestellten Krankschreibung verweigern könnten. „Dann muss das letztendlich vor einem Arbeitsgericht entschieden werden.“

Ansay zufolge haben Umfragen ergeben, dass bisher schon unter den Krankgeschriebenen „circa zehn Prozent Blaumacher“ sind. „Inklusive Dunkelziffer dürfte der Anteil bei 20 Prozent liegen.“

Um Tricksereien keinen Vorschub zu leisten, sei sein Angebot auf maximal zwei Krankschreibungen pro Jahr beschränkt. Letztlich gelte aber für WhatsApp wie für den Arztbesuch: „Jeder Patient, der bewusst falsche Angaben macht, begeht einen Betrug.“ (dpa/ac)

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