Förderpreis

Krupp-Stiftung: Eine-Million-Preis für Alternative zu Google

Die von Ursula Gather geführte Krupp-Stiftung vergibt einmal im Jahr einen Preis für Nachwuchswissenschaftler, der mit einer Million Euro dotiert ist.

Die von Ursula Gather geführte Krupp-Stiftung vergibt einmal im Jahr einen Preis für Nachwuchswissenschaftler, der mit einer Million Euro dotiert ist.

Foto: Lukas Schulze/ FUNKE Foto Services

Essen.  Der Preisträger wurde per Telegramm informiert: Der Physiker Christian Groß erhält den eine Million Euro schweren Förderpreis der Krupp-Stiftung.

Für die Krupp-Stiftung ist es stets ein besonderes Ereignis. Einmal im Jahr vergibt die Thyssenkrupp-Großaktionärin bei einer Festveranstaltung in der Essener Villa Hügel einen mit einer Million Euro dotierten Wissenschaftspreis. Traditionell wird der Preisträger, in diesem Jahr der 38-jährige Experimentalphysiker Christian Groß, vorab mit einem Telegramm informiert.

Christian Groß, der an der Eberhard Karls Universität Tübingen arbeitet, überzeuge mit seiner Grundlagenforschung auf dem Gebiet der modernen Quantenphysik, teilte die Krupp-Stiftung mit. Ursula Gather, die Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, sieht darin einen „vielversprechenden Ansatz für die Entwicklung besonders effizienter Informationsverarbeitung in Quantencomputern“.

Ähnliche Fragestellungen wie Forscher von Google

Dem US-Konzern Google ist unlängst nach eigenen Angaben ein bedeutender Schritt bei der Entwicklung von Quantencomputern gelungen. Mit Hilfe seines Prozessors sei es möglich, eine Kalkulation in 200 Sekunden zu erledigen, für die der aktuell schnellste Supercomputer 10.000 Jahre benötigen würde.

„Wir machen ähnliche Sachen“, sagte Christian Groß im Gespräch mit unserer Redaktion. Dabei gehe es allerdings weniger um das Thema Schnelligkeit im Vergleich zu konventionellen Rechnern. „Wir wollen Probleme lösen, die ein klassischer Computer nicht lösen kann.“

Neue Systeme zur Informationsverarbeitung als Ziel

Christian Groß hat an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Physik studiert und wurde 2010 an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg promoviert. Danach trieb er seine Forschungen am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching voran, wo er sich mit der Entwicklung sogenannter Quantengas-Mikroskope beschäftigte. Im Herbst 2018 wurde Groß an die Universität Tübingen berufen, dort übernahm er im September eine Professur für Experimentelle Vielteilchen-Quantenphysik.

In Tübingen setzt Groß seine Forschung zu Wechselwirkungen zwischen sogenannten ultrakalten Atomen fort. Durch Kontrolle dieser Wechselwirkungen können räumlich getrennte Atome oder Moleküle miteinander in Kontakt gebracht werden. Dies könnte der Entwicklung neuartiger Systeme zur Informationsverarbeitung dienen.

Der US-Konzern Google beschäftigt sich mit ähnlichen Fragestellungen. Auch mit dem nordrhein-westfälischen Forschungszentrum Jülich hatte sich Google unlängst auf gemeinsame Forschungsaktivitäten zu Quantencomputern verständigt. Das Forschungszentrum plant unter anderem den Betrieb eines europäischen Quantencomputers.

„Alternative zum Google-Ansatz“

Groß erklärte, er arbeite an einer „Alternative zum Google-Ansatz“. Ziel sei es, „eine konkurrenzfähige Plattform“ zu bauen. Mit seinen experimentellen Arbeiten und durch die Entwicklung neuer Apparate habe Groß quantenphysikalischen Phänomene erstmals experimentell nachweisen und vermessen können, die in der Physik bislang als rein theoretische, nicht beobachtbare Phänomene galten, erläuterte die Krupp-Stiftung. „Sein Ansporn, das bisher unbekannte Zusammenspiel vieler Quantenteilchen zu ergründen, beeindruckt uns sehr“, urteilte Stiftungschefin Gather.

Der Alfried Krupp-Förderpreis wird seit 1986 jährlich für junge Nachwuchswissenschaftler ausgeschrieben, die in den Bereichen Natur- und Ingenieurwissenschaften eine Erstprofessur an einer deutschen Hochschule innehaben. Er gehört zu den am höchsten dotierten Preisen in Deutschland und wurde bisher an 39 Forscher vergeben.

Krupp-Stiftung bekennt sich zur „Einheit des Unternehmens“Das eine Million Euro schwere Preisgeld soll es den Preisträgern während eines Zeitraums von fünf Jahren ermöglichen, sich unabhängig von öffentlichen Geldern ein optimales Arbeitsumfeld zu schaffen. Christian Groß setzte sich gegen 62 weitere Wissenschaftler durch, die in diesem Jahr von deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen vorgeschlagen wurden.

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